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      Sex für zugekokste Teenage-Schlampen

      November 15, 2012

      Von Cat Marnell

      Cat Marnell ist eine echte Person und sie ist ständig in Schwierigkeiten. Egal ob sie in einem Monat ganze drei Mal auf die Pille danach zurückgreifen muss, während einer Geschäftsreise in der Hotelbadewanne Heroin snifft oder eine Stunde zu spät zu einem Interviewtermin mit dem New York Magazine erscheint—der bekennend drogensüchtigen Beautyredakteurin geht es am Arsch vorbei. Getreu ihrem Motto „Drogen machen mehr Spaß als Arbeit!“ verlor sie vor Kurzem ihren Job bei xoJane.com, weil sie es vorzog, auf einer fancy Dachterrasse Angel Dust zu rauchen, anstatt für einen Haufen Langweiler zu arbeiten, die sie gerne clean hätten.
      Aber auch davon lässt sich die mit allen Flüssigkeiten jeglicher Art gewaschene New Yorkerin nicht beeindrucken. Sie schreibt für uns über schmutzigen Sex, das New Yorker Nachtleben und Drogenkonsum, kurz: Geschichten aus dem Leben einer Beautyredakteurin auf Speed.


      Manchmal, wenn ich gerade einen Schwanz in mir habe, denke ich an meine Familie.
      Ich weiß, das hört sich total widerlich an, aber ich meine das nicht auf irgendeine inzestuöse Weise. Mein Vater hat mich nie gevögelt oder sonst wie sexuell missbraucht.

      Wenn ich mich selber diagnostizieren müsste—was ich dank der Tatsache, dass ich mit zwei Psychotherapeuten als Eltern gesegnet bin, ständig mache—, würde ich sagen, es sind Schuldgefühle, oder, dass ich mich schäme, aus welchen bescheuerten Gründen auch immer.
      Wie das eine Mal, als ich mit diesem Typ auf der Toilette eines Laden in New York Sex hatte. Er erzählte mir, er sei der Gitarrist von _____, und ich hab ihm wohl geglaubt. Die Tür des Flows war damals wegen all der NBA-Spieler, die sich in den VIP-Bereich zwängten, ziemlich streng, also dachte ich mir, wenn er reingekommen ist, muss er wohl auch irgendwer Wichtiges sein.
      Mittlerweile kann ich keinen einzigen Song von ______ mehr beim Namen nennen. Wie dem auch sei, als ich also in dieser Kabine auf dem Männerklo mit diesem Typ, der behauptete einer von _____ zu sein, es aber vermutlich nicht war, ohne Kondom fickte, und das Lachen des Klomanns, der genau wusste, was vor sich ging, in meinen Ohren hallte, musste ich an meinen Vater denken. Was würde er denken, wenn er wüsste, was ich so trieb?

      Es ist nicht so, dass ich meinen Vater nicht hassen würde. Das tue ich. Ich ging freiwillig aufs Internat, um von ihm wegzukommen. Ich weiß auch nicht. Ich denke, es spielt keine Rolle, es ist einfach irgendeine verquere Scheiße, über die ich so nachdenke.
      Lasst mich euch auf eine Reise zurück in meine Vergangenheit mitnehmen. Wir schreiben das Jahr 2002. Mein Name ist Cat. Ich bin 19 Jahre alt und du bist 10 Jahre jünger als jetzt.

      Es ist 5 Uhr morgens, und ich werde von einem Graffitisprayer, den wir der Einfachheit halber Mikey nennen wollen, in meiner Wohnung in Downtown Manhattan gefickt. Ich versuche hier nicht, besonders eklig rüberzukommen. Es ist schlicht so passiert.
      Er fickt mich von hinten. Seine Hände umfassen meine Hüften, er zieht mich vor und zurück, mein Arsch klatscht gegen seinen Bauch und die Hälfte meines Gesichts wird ins Kopfkissen gepresst. Die Wirkung von Champagner, Wodka-Grapefruit und Kokain lässt langsam nach, aber Mikey hält mir ständig Poppers unter die Nase, die mich high werden lassen, immer und immer wieder. Mein Mund ist trocken, ich habe einen bitteren Geschmack auf der Zunge und die gleichen Kopfschmerzen, die ich jede Nacht habe, die sich anfühlen, als wäre die Vorderseite meines Gehirns angeschwollen. Ich bin also nicht wirklich in Stimmung, so zu tun, als würde mir das, was gerade passiert, Spaß bereiten. Während Mikey irgendwelche Grunzgeräusche von sich gibt, lasse ich den Blick durch meine Wohnung schweifen, und obwohl mich mein Gedankengang total anwidert, denke ich daran, dass meine Eltern das alles bezahlen. Das und die Studiengebühren und auch alles andere. Sie wollen nicht, dass ich in einem Viertel wohne, in dem ich spätnachts noch die Öffentlichen oder Taxen nehmen muss, deren Fahrer mich vergewaltigen und ausrauben und mich ohne Klamotten im Morgengrauen am Straßenrand zurücklassen könnten.

      Also, hier bin ich und ficke einen in der Upper East Side aufgewachsenen Typen, der zwar weiß ist, aber spricht, als wäre er es nicht, und der mal im Gefängnis saß, weil er einem NHL-Spieler eine Flasche über den Schädel gehauen hatte (Heftig, oder? Das war sogar in den Nachrichten).

      Und heute Nacht, oder besser gesagt Sonntagmorgen, denke ich daran, wie es war, ein kleines Kind zu sein—was so ziemlich das Schlimmste ist, an das du denken kannst, während du richtig schlechten Sex mit einem Typen hast, der nur dann nett zu dir ist, wenn er dich rotzenvoll in einem überfüllten Club trifft. Aber ich kann einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken. Ich erinnere mich daran, wie mein Vater jedes Wochenende mit mir die Smithsonian-Museen besuchte, als ich klein war, damit ich zu einer Frau heranwachsen konnte, die Ahnung von Kunst hat. Und das schätze ich an mir, schätze ich.
      Es ist ekelhaft, an seinen Vater zu denken, wenn man vögelt, aber nachdem es einmal geschehen ist, passiert es immer wieder. Ich versuche, mich selbst zu beeinflussen, indem ich mir befehle: „NICHT AN DAD DENKEN!“, was unweigerlich dazu führt, dass ich genau das tue.

      Wie dem auch sei, so sieht es aus: Seltsame Erinnerungen überkommen mich, während ich Sex habe, und ich rede hier von Geschlechtsverkehr, den ich einerseits als erniedrigend, aber gleichzeitig auch als typisch empfinde. Sicher, ich bin Feministin, aber obwohl sie manchmal riesige Arschlöcher sein können, hasse ich Männer nicht. Das sind also meine Gedanken, und ich wünschte, ich hätte mir heute Nacht im Pangaea kein Koks reingezogen.

      Ich komme gerade wieder richtig runter runter runter: Schmerzen pumpen sich durch meine Körper wie Blut, das Kokain hat mich total dehydriert, ich bin alles andere als feucht und Mikey hört nicht damit auf, sich in die Hand zu spucken und meine Möse damit einzuschmieren, was es zwar besser macht, aber auch irgendwie ekelhaft ist—aber so ziemlich jeder Typ, mit dem ich je geschlafen habe, hat diesen Trick irgendwann aus dem Ärmel geschüttelt.

      Männer sind manchmal solche Idioten—ihre Hände auf deinen Arsch zu legen und dich in einem Club aufs verdammte Männerklo zu führen, wo sie dir Line für Line Kokain geben, ist total ihr Ding. Ich meine, sie bestehen darauf. (Vor allem, wenn es sich um trashige Europäer oder irgendetwas ähnlich Ekliges handelt—nicht, dass ich jemals Drogen von einem Typen mit griechischem Akzent oder so nehmen würde; ich würde eher sterben; um die Wahrheit zu sagen: Ich lass mich nur mit Typen ein, die in New York aufgewachsen sind.) Und ja, Mädchen fallen darauf rein. Ich meine, „Hallo?“, Koks macht süchtig! Und das sogar, obwohl ich so viel Adderall genommen habe, dass ich es vermutlich gar nicht spüre, haha!

      Jedenfalls gehst du danach in die Wohnung des Kerls, der in der Versey Street oder wo auch immer wohnt, und wenn es dann ans Ficken geht, ist er alles andere als hart und er versucht, sein armseliges Ding, das den Namen Schwanz nicht verdient, irgendwie in dich reinzudrücken. Und wenn er es nicht hinkriegt, sagt er so etwas wie: „Warum spielst du nicht ein bisschen an dir rum, um feucht zu werden?“ Als ob es deine Schuld wäre, dass er schon mit 24 Erektionsstörungen hat. Und dann wird er einen neuen Versuch starten und sagen, dass du oben sein sollst. Und das, obwohl der Sex schrecklich ist und über 40 Minuten dauert. Er ist kaum hart, fragt dich aber trotzdem zweimal, ob er ihn dir in den Arsch stecken darf. Dann geht die Sonne auf und scheint durch die beschissenen Lamellen, die Wirkung der Drogen lässt nach und du bist total erschöpft vom langen Vögeln. Schließlich wacht sein Mitbewohner auf und geht ins Bad und du bist inzwischen schon total wundgescheuert. Ungefähr ab dem Zeitpunkt beginnst du, dich auf diese sensible, schreckliche Art zu fragen: „Kann die Welt denn noch hässlicher sein?“

      Ich denke schon. Und das, obwohl ich noch nie wirklich schönen Sex hatte, abgesehen von dem mit Andrew. Letztes Jahr, als ich 18 war, hatte ich diesen Beinahe-Freund, würde ich sagen, und er war unglaublich nett zu mir. Er war entfernt mit den Kennedys verwandt—das ist die Wahrheit—, aber er war keiner der bekannten Cousins, von denen du schon gehört hast. Seine Mutter, die Engländerin oder so was Ähnliches gewesen ist, war kürzlich verstorben. Er lebte in der Upper West Side und kümmerte sich um ihren Cavalier King Charles oder King Cavalier Spaniel oder wie auch immer sich die Rasse schimpft. Beide—sowohl Andrew als auch der Hund der Mutter—waren einfach so unverschämt nett zu mir. Zeit mit ihnen zu verbringen, hat viel Spaß gemacht. Und schlau war er auch, er war in Yale. Aber ich habe es komplett vermasselt, indem ich ihn mit diesem Typen ____ betrog, den ich im Pravta in Soho kennengelernt hatte. Seine Eltern lebten in einem atemberaubenden Zweifamilienhaus. Die komplette Einrichtung war in Cremetönen gehalten und in ihrem Schlafzimmer, unter einem (hässlichen) Bild von Chagall, haben wir während eines Wochenendes ganze achtmal gefickt und uns zwei komplette Staffeln von den Sopranos reingezogen.

      Danach hat ____ nie wieder auf meine Anrufe reagiert. Ich habe es schließlich dem Kennedy erzählte und der machte selbstverständlich mit mir Schluss. Ich hab ihm danach haufenweise SMS geschrieben, aber er hat mir nie geantwortet. Ich war sehr lange sehr traurig. Ich meine, ich bin trotzdem noch ausgegangen, aber tagsüber war ich total fertig und bulimisch deswegen. Ich tat nichts anderes, als mir Sex and City anzusehen—obwohl die Serie ziemlich dumm ist—, die Uni zu schwänzen und zu kotzen (nur Klischeezeugs wie Donuts und Eis und Gatorade).

      Aber egal. Mikey ist kurz davor zu kommen und jetzt kommt der beste Teil vom Sex: Das Ende. Oder warte, eigentlich mag ich es, mich zu Beginn auszuziehen. Ich trage scharfe, schwarze Spitzendessous und egal wie verfickt gemein ein Typ die ganze Nacht über zu mir war, sobald wir zu Hause sind und ich mich ausziehe, entspannt sich sein Gesichtsausdruck.
      In dieser Nacht saß Mikey auf dem Bett und ich stand vor ihm. Und als ich mein Tanktop über den Kopf zog, legte er ganz sanft seine Hände auf meine Hüften und zog mich näher, um meinen Bauch zu küssen und meinen BH zu öffnen. Der Anfang ist immer besser als der Schluss. „Ich komme gleich!“, schreit er jetzt, während er mich vor und zurück zerrt. Ich gebe ein paar Pornoschreie von mir, um dem ganzen ein Ende zu bereiten. Als er ihn rauszieht und über meinem Rücken kommt, meine Haut mit einem Netz aus weißen Tropfen überzieht, der mich an Pfannkuchenteig in einer Pfanne erinnert, stehe ich einfach auf, gehe ins Bad und mache es mit einem Handtuch weg.

      Meine Hände zittern und mein Mund ist trocken und schmeckt, als hätte ich Aspirin oder so gekaut, also beuge ich mich über das Waschbecken, lass Wasser in meine Hände laufen und trinke.
      Dann schaue ich auf und starre eine Minute lang auf mein Spiegelbild. Manchmal ist es richtig seltsam, sich selbst zu sehen, wenn man vollkommen drauf ist, oder noch schlimmer, wenn man gerade wieder nüchtern wird. So richtig fertig zu sein und wieder runterzukommen, verstehst du, wenn man wieder zu dem Kind wird, als das man jeden Tag aufwacht. Ich betrachte mich selbst, so wie jemand Fremdes mich sehen würde, so wie man sich sieht, wenn man in einen Spiegel schaut, der einen eben nicht spiegelverkehrt zeigt.
      Die Knochen in meinem Gesicht kommen mir ausgeprägter vor als sonst. Ich habe den kräftigen Kiefer meines Vaters, den schmalen Mund seiner Mutter und große Augen. Es ist verrückt, so müde zu sein und sich über sich selbst so seltsame Gedanken zu machen, deshalb gehe ich zurück und sehe, wie sich Mikey eine Camel ansteckt. Während er nach seinen Boxershorts, seinem T-Shirt und seinen Schuhen sucht, kringelt sich der Rauch in den schmalen Sonnenlichtstreifen, die durch die Jalousien hereindringen.

       


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      Themen: sex, Kokain, Cat Marnell

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