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      Sex in Teheran Sex in Teheran Sex in Teheran

      Sex in Teheran

      July 20, 2011

      Von Roxana Shirazi

      Es ist bekannt, dass es im Iran ein großes Problem gibt, was Geschlechtskrankheiten betrifft. Sex vor der Ehe ist illegal, wenn du also jung und alleinstehend bist und mit einer Geschlechtskrankheit zu einem Arzt gehst, dann ist es ziemlich offensichtlich, dass du sie dir irgendwo eingefangen haben musst. Du würdest nicht nur als kriminell gelten, sondern der Doktor, als Vertrauensperson, auch als Komplize. Durch die Sexpartys, die ich vor ein paar Jahren in Teheran besucht habe, wurde mir klar, wie schlecht die Sexualhygiene dort ist. Ich bin nicht rumgelaufen und hab an den Genitalien von Leuten geschnüffelt, aber weil ich 20 Jahre lang im Westen gelebt habe, dachten sich die jungen Männer und Frauen, die ich auf den Orgien getroffen habe, dass ich jemand sei, den sie um Rat fragen können.

      Das war ziemlich mutig von ihnen. Auch wenn wir vielleicht ein paar gemeinsame Freunde hatten, war ich trotzdem noch eine Fremde. Vor kurzem hat ein Mann aus einer der ärmeren Gegenden Teherans seine 17-jährige Tochter an die Behörden verpfiffen. Er hat ihnen gesagt, dass sie Sex vor der Ehe hatte und sie wurde von einem Kran gehängt. Nichtsdestotrotz haben die Mädchen, die mich um Rat gefragt haben, diesen auch dringend gebraucht. Sie dachten, sie könnten von Analsex schwanger werden oder davon, Sperma zu schlucken, also kann man sich denken, dass sie Dinge wie Chlamydien oder Tripper gar nicht auf dem Schirm hatten.

      Das hat mich bei den Orgien nicht unbedingt dazu ermutigt, mich „einzubringen". Die paar Mal, die ich das gemacht habe, habe ich ziemlich aufgepasst, weil iranische Männer nicht gerne Kondome benutzen. Es hat mich schockiert, aber sie dachten, wenn ein Mädchen „sauber aussieht" und aus einer reichen Familie kommt, dann ist sie in Ordnung. Das ist erschreckend, aber diese Ansicht schien mir noch nie absurder als damals, als ich von Mädchen umgeben war, die sich auf diesen geheimen Sexpartys von mehreren Leuten gleichzeitig nehmen liessen.

      Sexuell gesehen ist der Iran ein sehr seltsames Land. Andererseits wäre das jedes Land, dessen Gesetze wortgetreu aus der Bibel interpretiert werden würden. Die religiöse Repression verdreht alles, verbiegt die Logik. Zum Beispiel: es ist illegal, schwul zu sein, also zahlt der Staat den Schwulen Geschlechtsumwandlungen. In diesem Land ist Sex vor der Ehe gesetzeswidrig, aber es ist erlaubt, ein 9-jähriges Mädchen zu heiraten. Wenn du nicht beweisen kannst, dass deine Kinder mit einer gefährlichen Krankheit geboren werden, dann sind Abtreibungen verboten. Das zwingt Frauen dazu, sich in Hinterhofkliniken irgendwelchen primitiven Prozeduren zu unterziehen, die dazu führen könnten, dass sie nie mehr Kinder kriegen können. Selbst die Poster, die vor AIDS warnen - eine Trommel, die im Westen schon seit 30 Jahren verzweifelt schlägt - zeigen nur einen Mann im Wasser, der hochschaut und betet. Das ist es so ziemlich. Ein Mann, in einem See, der seine Hände zusammenhält und zu Gott in den Himmel hinaufsieht und um Hilfe bittet.

      Verfolgungen wie die des 17-jährigen Mädchens, das ich vorhin erwähnt habe, finden im Iran oft statt; am häufigsten in den ärmeren Gemeinden, die traditioneller und religiöser sind als die wohlhabenden Teile der Gesellschaft. Warum verraten Eltern ihre Kinder? Wenn man sich im heutigen Iran den Gesetzen des Koran widersetzt, bringt man große Schmach und Schande über seine Familie. Ungefähr so, als wäre dein Vater pädophil. Das kann eine Familie finanziell in den Ruin treiben - dein Vater könnte seinen Job verlieren oder keiner würde mehr mit ihm Geschäfte machen wollen. Wer würde Gemüse von Gary Glitters Dad kaufen wollen? Das wäre eklig. So gesehen ist es nicht komisch, wenn deine Tochter gehängt wird, weil sie Schande über die Familie gebracht hat.

      In den 70ern, der Zeit des Shah, war die Regierung bereit, mehr über Sex zu reden und hat aktiv versucht, die Bevölkerung über Sexualhygiene aufzuklären. Aber selbst damals war es nicht normal, untereinander über Sex zu reden - die Botschaften kamen aus den Medien, von Filmstars und Sängern. Im Iran hat sich überhaupt so viel verändert, dass die Leute die damals jung waren, heute mit ihren Kindern oder Enkeln nicht über Sex reden. Selbst meine Eltern, die aus sehr gebildeten, liberalen Familien stammen, haben mir nichts über die wichtigen Dinge des Lebens erzählt. Vielleicht bin ich deshalb mit 24 noch Jungfrau gewesen.

      Es gibt mehr Mädchen in Teheran, die die physischen Qualitäten einer Jungfrau besitzen, als es tatsächlich Jungfrauen gibt. Der letzte Schrei ist momentan die Hymenoplastik. Das bedeutet, dass Mädchen, die vor der Ehe Sex hatten, zum Arzt gehen und ihre Vaginas wieder zugenäht kriegen, damit ihnen ihr Ehemann in der Hochzeitsnacht auch glaubt, dass sie noch „rein" sind. Das ist in Teheran mittlerweile so weit verbreitet, dass ein Witz unter den Leuten kursiert, dass manchen Mädchen einfach einen Reisverschluss an ihre Vagina genäht werden sollte, weil sie so gern Sex haben. Es hat sich sogar diese neue Sache entwickelt, wo sie dir eine kleine Kapsel gefüllt mit roter Tinte in deine Vagina nähen. Wenn es zur Sache geht, platzt sie und voilà: „Blut" auf den Bettlaken.

      Die Leute sind vielleicht schüchtern, wenn es darum geht, einen Arzt aufzusuchen, wenn es irgendwo juckt, aber sie sind absolut bereit dazu, viel Geld für die Illusion ihrer eigenen sexuellen Ehre zu zahlen. Immerhin brauchen sie das, um einen reichen Typen abzukriegen. Niemand aus der iranischen Oberschicht würde eine Frau heiraten, die  keine Jungfrau ist. Und die Leute im Iran haben das Geld dringend nötig, vor allem jetzt, wo es nur noch wenige Jobs gibt. Wenn sie - oder ihre Tochter, im Fall der Eltern -  dafür in eine reiche Familie einheiraten können, ihre unantastbare Vagina gegen etwas Geld eintauschen, dann haben sie quasi ausgesorgt. Und wenn man ein armes Mädchen ist, das sich keine Hymenoplastik leisten kann, um die Ehre zwischen den Beinen zu schützen, dann muss man es einfach weiter von hinten machen.

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