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      Fuck you - pay me!

      December 7, 2012
      Sophia Giesecke

      Von Sophia Giesecke

      Freie Autorin

      Guck mal, Äffchen:

      Süß. Ein putziges Äffchen bemerkt, dass es verarscht wird, und wehrt sich dagegen. Gleiche Leistung, gleiche Belohnung. Soll die Alte sich doch ihre dumme Gurke sonst wo hin stecken. Luxus für alle! Das Affenexperiment zeigt ganz klar: Ungleiche Behandlung ist scheiße und inakzeptabel. Also, wieso zum Teufel bekommen Frauchen noch immer weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen?

      Sogar die CDU hat mittlerweile kapiert, dass ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen irgendwie doof ist und dem Thema in ihrem Beschlussbericht (37 Seiten) vom CDU-Parteitag in Hannover sogar eine halbe Seite eingeräumt. Wahnsinn. Auch im Jahr 2012 sind wir noch weit davon entfernt, in einer gleichberechtigten Gesellschaft zu leben. Die Annahme, dass alle Menschen gleich behandelt werden, ist falsch. Frauen und Männer leisten die gleiche Arbeit—also sollten sie auch gleich bezahlt werden. Leider verdienen in Deutschland Frauen nach wie vor 21,6 % weniger als ihre Penisträger-Kollegen, das sind im Laufe eines ganzen Berufslebens bei durchschnittlichem Einkommen rund 450.000 Euro. Diese Gender Pay Gap, wie die ungleiche Bezahlung aufgrund des Geschlechts genannt wird, hat unterschiedlichste Gründe. Jeder einzelne Grund ist beschissen und gehört ein- für allemal abgeschafft.

      Jedes Jahr bringt das Weltwirtschaftsforum den Global-Gender-Gap-Report heraus. Hier werden insgesamt 135 Länder darauf untersucht, inwieweit alle Geschlechter Zugang zu etwa medizinischer Versorgung oder Bildung haben. Das Ergebnis ist ein Ranking, auf welchem Deutschland sich im Vergleich zum Vorjahr sogar verschlechtert hat und jetzt den 13. Platz belegt. Gar nicht mal so gut. Liest man sich durch den Bericht, will man eigentlich nur kotzen. Fakt ist, dass in Deutschland die gefühlte Gleichberechtigung wesentlich weiter fortgeschritten ist, als es tatsächlich der Fall ist. Denn die Nation des Mutterkreuzes hält weiterhin an alten Rollenmustern fest und würde seine Frauen am liebsten allesamt wieder barfuß an den Herd schicken (siehe Betreuungsgeld).

      Aber wie kommt so eine Gender Pay Gap eigentlich zustande?
      Rund 8% der Verdienstunterschiede sind auf den guten alten Sexismus zurückzuführen. Soll heißen, Frauen verdienen weniger bei gleichem Bildungsgrad und gleicher Beschäftigung als ihre männlichen Kollegen. Rund 2/3 des Lohnunterschiedes entstehen dadurch, dass Frauen häufiger in schlecht bezahlen Berufen arbeiten und weniger Führungspositionen besetzen, trotz Frauenquote. Angebot und Nachfrage nach Jobs für Frauen gehen hierbei fast Hand in Hand. Frauen werden seltener Jobs in Führungspositionen angeboten, sie setzen aber auch oftmals ihre eigenen beruflichen Ziele zu niedrig an. Dankbar für jede Chance, die ihnen auf dem Arbeitsmarkt geboten wird, geben sie sich mit weniger zufrieden. Ehrgeiz, Willensstärke und Konfliktfreude bei Frauen gilt zudem als unweiblich und nicht sexy. Nicht gerade erstrebenswert für ein Geschlecht, welches sehr darauf erpicht ist, von allen gemocht und begehrt zu werden. Aber nicht nur bei der Wahl ihrer beruflichen Ziele unterschätzen sich Frauen oft selbst. Aus Angst um ihrem Job oder davor, sofort durch eine billigere, devotere Arbeitskraft ausgetauscht zu werden, setzen Frauen die Gehaltsverhandlungen viel zu tief an und geben sich mit rund 1/4 weniger Lohn zufrieden. Und damit haben sie gar nicht so Unrecht. Eine Studie von 2003 hat gezeigt, dass hartnäckige Gehaltsverhandlungen bei den Vorgesetzten nicht so gut ankommen und sich negativ auf die Beurteilung auswirken. Also, bei Frauen. Männer verschaffen sich durch geschicktes Verhandeln viele Pluspunkte beim Chef, zeigt es doch, dass der Typ so richtig Eier in der Hose hat. Well done.

      Mehr Selbstbewusstsein, Puppe!
      Eigentlich müssten solche Zustände doch eine viel größere Gegenwehr nach sich ziehen. Wie kann es also bitte sein, dass sich Millionen Frauen dermaßen verarschen lassen? Zum Einen könnte das an einem fehlenden Unrechtsbewusstsein aller Beteiligten liegen. Männer interessieren sich leider viel zu selten dafür, dass sie gewisse Vorteile gegenüber Frauen besitzen. Außerdem wären wohl nur wenige wirklich bereit, dazu ihre Privilegien zugunsten der Frauen aufzugeben. Und Frauen sind oftmals froh, dass sie überhaupt einen Job bekommen haben. Denn auch die Arbeitssuche gestaltet sich als Frau sehr viel schwerer, da grundsätzlich angenommen wird, dass sich die Alte nach spätestens zwei Jahren schwängern lässt und dann weg vom Fenster ist.
      Hinzu kommt noch die merkwürdige Angewohnheit, dass man hierzulande nicht über Geld spricht. Gerade in Betrieben, welche nicht an tarifliche Lohnvorgaben gebunden sind, werden Gehälter oftmals willkürlich vergeben und ausgehandelt. Hier können die Lohnunterschiede zwischen den Kollegen und Kolleginnen extrem hoch sein.

      Das ist so richtig beschissen? Schlimmer kann es nicht werden? Kann es wohl!
      Nachdem Frauen über 45 Jahre für einen Bruchteil des Lohnes ihrer männlichen Kollegen gearbeitet haben und es sich endlich in ihrem Schrebergarten gemütlich machen, um ihre Rente zu genießen, müssen sie sich doch sehr über den alten Sack von nebenan wundern, der sich schon wieder einen neuen Rasenmäher und eine zweite Frau aus Thailand gekauft hat. Wie kann der sich das nur leisten? Schon einmal etwas von Gender Pension Gap gehört? Ich breche es mal so runter: Die gesetzliche Rente von Frauen beträgt durchschnittlich 650 Euro, die der Männer 1.600 Euro. BAM!


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      Themen: Gender-Gap, Ungleichheit, Sexismus

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