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      Ich besuchte Hugh Hefners Playboy Mansion (und es war deprimierend)

      February 6, 2013

      Von Jamie Lee Curtis Taete

      West Coast Editor

      Vor ein paar Wochen bin ich für ein Screening des neuen Films mit Jennifer Lopez und Jason Statham, Parker, in die Playboy-Villa eingeladen worden. Normalerweise gehe ich nicht zu Pressevorführungen. Schließlich ist es viel einfacher, sich einen Film aus dem Netz zu laden und zu Hause zu schauen. Außerdem muss ich mich dann auch nicht mit irgendwelchen Leuten unterhalten. Aber: Seit ich gehört habe, dass ich in die Villa darf, wollte ich hin. Also MUSSTE ich hingehen.

      Vor dem Film gab es einen Empfang mit Drinks und der Möglichkeit, sich mit den Playboy Playmates™® in der Eingangshalle der Villa fotografieren zu lassen.

      Hugh hätte eigentlich auch da sein sollen, aber leider war er krank. Also mussten wir uns mit diesem Ding begnügen.

      Die Vorführung fand im Salon statt. Hier ist eine exklusive Vorschau. Das stammt aus einer Szene, in der (ACHTUNG: SPOILER!!!!) Jason Statham irgendwen mit irgendwas schlägt.

      Gleich nachdem ich das Bild gemacht hatte, flüsterte ich der Frau neben mir etwas zu. Sofort kam ein Typ in Anzug und Chucks und ermahnte mich. Die Kombination aus Anzug und Chucks mag ich am allerwenigsten. Wisst ihr eigentlich, wie erniedrigend es ist, von einem Typen angepfiffen zu werden, der so ein Outfit trägt? Entsetzlich.

      Ich musste da raus, also beschloss ich, mich bei der Suche nach der Toilette „zu verlaufen“ und abzuwarten, wie lange ich unbehelligt durch die Villa streifen kann, bevor mich jemand zurück in den Kinosaal beordert.

      Das Erste, was ich tat, war ein Klo zu finden, um zu kacken. Ich musste eigentlich gar nicht. Aber wie oft hat man die Möglichkeit, das in der Playboy-Villa zu tun? Und so sieht es aus, wenn ihr dort kackt.

      Als ich mit Kacken fertig war, begann ich darüber nachzudenken, wie beschissen alles war. War ich ein Idiot, weil ich gedacht hatte, hier sei alles super? Ich hatte angenommen, es sei zumindest ein bisschen schick. Das war der Hauptgrund, weshalb ich herwollte—ich bin schwul, nur so nebenbei. Moment. Stehen Heteros überhaupt noch auf die Frauen aus dem Playboy? Oder hat das in den 90ern aufgehört? Wie kommt es, dass es den Playboy noch gibt, nun da wir Internet haben? Wer auf dieser Welt kauft dieses Magazin? Wahrscheinlich der Typ Mensch, der Chucks zu einem Anzug trägt.

      Egal. Mein Klo zu Hause ist schicker. Ich habe meinen Lufterfrischer in einem Schrank usw.  Das sind zudem ganz schön VIELE Tampons. Ich denke, die Ladys müssen sich wohl gleich mehrere reinstopfen, oder?

      Ich meine, das ist ganz offensichtlich eine reizende Toilette. Marmor und so. Aber Klositzauflagen aus Papier waren schon immer „so eine Sache“, zumindest seit ich auf der Welt bin.

      Nachdem ich mein Geschäft verrichtet hatte, durchstreifte ich ein paar der anderen Zimmer. Der meiste Nippes-Kram war normales, total unpersönliches, villentypisches Zeug, wie gigantische Keramiktiere und Vasen voller Stäbchen, die duften sollen. Hier und da fand sich aber auch die ein oder andere persönliche Note, darunter Bilder von Hugh mit der Filmbesetzung aus Drei Engel für Charlie und ein Bild von seiner letzten Hochzeit mit einer 26-Jährigen (das wir aus rechtlichen Gründen hier nicht zeigen können).

      Da gab es auch diese reizende Figur des „glücklichen“ Paares. Erstaunlich wie es dem Bildhauer gelungen ist, die Gruseligkeit der Situation herauszuarbeiten, auch in Bronze.

      Hier ist die Durchwahlliste, die neben jedem der Telefone im Haus lag. Ich weiß nicht, ob ihr es sehen könnt, aber da sind DREI unterschiedliche Durchwahlen, die mit  Sammelalben zu tun haben. Süß!

      Dann ging ich nach draußen und traf auf diesen Typen.

      Anschließend machte ich einen Spaziergang um den Pool.

      Das ist „die Grotte“. Aus irgendeinem Grund wusste ich, dass sie existiert. Auch die war ziemlich abgerockt und deprimierend. Schaut euch mal den Platz da links an. Sieht aus wie etwas, auf dem sich jemand in Russland eine Überdosis setzen würde ...

      Und das war in der Wand. Ehrlich, was zur Hölle ist das? Es kann kein Telefon sein, es hat zu viele Knöpfe. Ich bin ziemlich sicher, Mr. Burns schon mal dabei gesehen zu haben, wie er so etwas benutzt.

      Das Erste, was mir durch den Kopf schoss, als ich herausgefunden habe, dass ich die Playboy Mansion besuche, war: „Klau ein Handtuch.“ Aber schaut euch diese beschissenen Teile an. Ich habe vornehme ägyptische Baumwolldinger mit gesticktem Playboy-Logo darauf erwartet. Meine Handtücher sind besser als das und ich habe eins davon im Zug gefunden.

      Fuck, habe ich mich eben beschwert, dass die Handtücher nicht genug zum Klauen sind? Argh.

      Egal. Dieses Foto habe ich in einem anderen Badezimmer gemacht. Sieht aus wie etwas, das man in einer Ein-Stern-Bewertung eines polnischen Skiressorts bei Tripadvisor findet.

      Einen Gang weiter fand ich dieses Zimmer. Als in der Playboy-Villa noch Sachen stattfanden, die Spaß machen, wäre es wohl eine Art Orgienzimmer oder so gewesen. Aber jetzt sieht es halt so aus.

      Da gab es noch so eins von diesem Steampunk-Zeitmaschinen-Dingern. Und einen kleinen Kühlschrank, der mindestens doppelt so alt ist wie ich.

      Er war voll von Playboy-Mineralwasserfläschchen (von denen ich ein paar Flaschen habe mitgehen lassen). Man beachte das Klebeband, das den Mechanismus hinten im Kühlschrank hält.

      Von hier an war meine Stimmung am Abknicken. Nichts erschüttert mich so sehr, wie etwas ehemals Prächtiges beim Verfall zu beobachten. Als ich einmal eine dieser „Schlimmste-Promi-Schönheits-OPs"-Listen in einem Klatschblatt sah, musste ich fast weinen.

      Beim Durchstreifen des Hauses überkamen mich Gefühle, die man sonst nur hat, wenn man in das Haus eines verstorbenen Angehörigen muss, um sich um dessen Überbleibsel zu kümmern. Nur dass der tote Verwandte in diesem Fall die Magazinindustrie war. Oder so ähnlich. Ich weiß eigentlich gar nicht, worüber ich hier spreche. Aber die Villa war wirklich, wirklich traurig. Und es roch nach altem Mann.

      Dann fragte mich jemand, ob ich mich verlaufen hätte. Also ging ich wieder rein, um mir den Rest des Films anzuschauen. Nochmal Spoiler-Alarm: Jennifer Lopez hat einen Arsch.

      Als ich ging, wurde ich von einer Horde Playmates umringt. Es war eine dieser Fotomöglichkeiten, um die ich mich anfangs erfolgreich gedrückt hatte. Ganz ohne Zweifel waren es die charmantesten und charismatischsten Leute, die ich in meinem ganzen Leben getroffen habe. Ich kann garantieren, dass ich alle drei sofort nach dem Kennenlernen in mein Testament aufgenommen hätte, wenn ich hetero wäre. Und das, glaube ich, ist genau der Punkt.

      Kann jemand, der hetero und reich und alt ist, sie bitte vor diesem traurigen alten Haus retten? Bitte?


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      Themen: Playboy, Hugh Hefner, titten, Blond, Depression

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