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      Die Kriegswerkzeuge der Zukunft sind bald da!

      November 6, 2012

      Von Theo Kindynis

      Schon seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte haben wir uns um Land, Ressourcen und Macht gestritten und darum gekämpft.
      Heutzutage, da die Möglichkeit besteht, dass morgen schon ein rechter Mormone ins Weiße Haus einzieht, ein paar Islamisten wegen eines beschissenen YouTube-Videos toben und das Ende der Erdölreserven die Zivilisation, wie wir sie kennen, bedroht, scheint es ziemlich wahrscheinlich, dass der Himmel noch für eine Weile eher voll mit unbemannten Drohnen denn Friedenstauben sein wird.
      Was das Ganze noch viel schlimmer macht: Die Leute, die über den Etat der Armeen dieser Welt haushalten, führen sich auf wie von Zucker berauschte Kinder in einer teuren, gefährlichen Spielhalle und investieren so viel Geld in die „coolsten“ und futuristischsten Technologien, die sie kriegen können, man könnte einen Atombombenkrater damit füllen.

      Laut einem Forscher der US Army müsse man für Dinge wie Schlafsäcke oder grundlegende Ausrüstung regelrecht um jeden Cent betteln. Geht es allerdings um einen Laser oder ein Lichtschwert, spiele Geld keine Rolle.

      Die Vereinigten Staaten stecken mehr Geld in ihr Militär als der Rest der Welt zusammen. Ungefähr 80 Milliarden Dollar fließen dabei jedes Jahr in die Forschung und Entwicklung mit dem Ergebnis, dass die Forscher des amerikanischen Militärs seit Jahren Pionierarbeit auf dem Gebiet der modernen Kriegsführung leisten. Die Zukunft erreicht uns zu allererst über den amerikanischen Krieg. Der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Pentagons—Defense Advanced Research Project Agency, kurz DARPA—verdanken wir das Internet, die Atomkraft, die Raumfahrt und noch einen ganzen Haufen anderer weltverändernder wissenschaftlicher Errungenschaften, die sowohl das militärische als auch das Weltbild von uns Zivilisten auf den Kopf gestellt haben. 

      Da von jetzt an jede Sekunde die Zukunft ist, hier eine Zusammenstellung davon, woran diese Leute in letzter Zeit so gearbeitet haben.

      SUPERSOLDATEN UND CYBORGS

      Egal ob das berüchtigte „Lebensborn“-Programm der Nazis, das illegale MK-Ultra-Projekt der CIA oder „Männer, die auf Ziegen starren“. Der Wunsch mithilfe von Eugenik, Genmanipulation, Gehirnwäsche und auf paranormale und okkulte Weise sogenannte „Supersoldaten“ zu erschaffen, existiert seit Jahrzehnten.

      Heutzutage investiert das Pentagon 400 Millionen Dollar pro Jahr in die Hoffnung, die nächste Generation übermenschlicher Krieger zu entwickeln.

      Während die amerikanische Bevölkerung immer fetter wird und das Militär nach sehnigen Rekruten lechzt, die in einem unglaublich unpopulären Krieg kämpfen sollen, wird Fettleibigkeit in den Staaten immer mehr zu einem Problem der nationalen Sicherheit. Aber vergesst Zumba-Kurse und Crash-Diäten—ein DARPA-Programm namens „Metabolic Dominance“ droht, die 64-Milliarden-Dollar-Diät-Industrie über Nacht zu revolutionieren. Das Projekt erforscht Möglichkeiten, Körperfett effizienter in Energie umzuwandeln und das Hungergefühl zu unterdrücken. Soldaten sollen dadurch länger kämpfen und bis zu fünf Tage ohne feste Nahrung auskommen können.
      Gleichzeitig wird eine „Schmerzimpfung“ entwickelt, die intensive Schmerzen über mehrere Monate hinweg unterdrücken soll.

      Ich bin mir nicht sicher, wie das funktionieren soll, denn schließlich kennt jeder die Geschichte über den Kumpel des großen Bruders eines Freundes, der so viele Steroide genommen hatte, dass er seine Arme nicht mehr abwinkeln konnte. Aber wir reden hier vom Militär, also ist, denke ich, alles möglich.

      Wenn ihr das schon krank findet: Auf der Gehaltsliste des Militärs steht auch ein Team von Genforschern, die einen Weg finden sollen, den Soldaten der Zukunft abgetrennte oder zerstörte Gliedmaßen nachwachsen zu lassen. Viel Spaß, wenn du heute Nacht davon träumst.

      Die Forscher akzeptieren die Tatsache, dass diese genetischen und medizinischen Fortschritte schlussendlich von unserer eigenen Biologie in die Schranken gewiesen werden. Sie akzeptieren es, aber sie lassen sich davon nicht abschrecken—die Soldaten der Zukunft werden nach allem, was man hört, den Cyborgs aus Science-Fiction-Filmen ähneln: halb Mensch, halb Maschine.
      Verteidigungsspezialist Raytheon hat bereits in Anlehnung an Iron Man tragbare Exoskelette entwickelt, die den Soldaten übermenschliche Kräfte verleihen.

      Bewegungssensoren zeichnen die Bewegungen des Trägers auf und der Anzug vollführt sie mithilfe seines eingebauten hydraulischen Systems, wodurch es für Truppen möglich ist, ihr eigenes Körpergewicht selbst über einen stundenlangen Dauersprint hinweg zu tragen.
      Das mag sich jetzt nach Spaß anhören, wenn es erst mal zu uns Normalbürgern durchgesickert ist. Aber während du darüber staunst, wie einfach der Weg von der Kneipe zu dir nach Hause plötzlich wird, denk bitte an all die zitternden Familien, die in einer von Krieg beherrschten Nacht darauf warten, dass ein unbesiegbarer Übermensch vorbeikommt und ihre Häuser in den Boden stampft.

      Es kommt sogar noch besser: Es gibt auf den Gebieten „Verstärkung der Wahrnehmung“ und „Intelligenzerweiterung“ Forschungen mit dem Ziel, die menschliche Intelligenz aufzumotzen, indem sie uns Computer-Hardwear implantieren. Diese Technologie könnte nicht nur unser Erinnerungsvermögen auf radikale Weise vergrößern, es könnte in etwas gipfeln, was einer der Wissenschaftler folgendermaßen beschreibt: Es sei, als ob man an uns einen „USB-Stick, der mit unserem Gehirn interagiert“, anschließt. Das würde bedeuten, dass wir bestimmte Fähigkeiten, deren Aneignung normalerweise Jahre in Anspruch nehmen würde—einen Helikopter fliegen, andere Sprachen sprechen, Chirurgie—, womöglich innerhalb von Sekunden „downloaden“ könnten.

      Unglücklicherweise war kein Sprecher des Pentagons zu einem Kommentar bereit, deshalb fragte ich stattdessen meinen Freund Rob—ein kriegsgeiler 19-jähriger Army-Rekrut, der bald nach Afghanistan gehen wird—, was er von dem Ganzen hält.
      „Diese Cyborg-Anzüge sehen aus, als würden sie ständig kaputtgehen, so wie alles, was wir benutzen“, sagte er. „Und dann was? Du steckst in der Scheiße mit einem tonnenschweren Roboter auf deinem Rücken, der sich nicht bewegen will. Das Ganze ist also ziemlicher Mist.“

      „Um ehrlich zu sein, wenn ich mir einen Mikrochip in meinen Kopf implantieren lassen könnte, der dafür sorgt, dass ich Dinge richtig schnell erlerne, würde ich es tun, so wie jeder andere auch. Aber wenn der Feind das in die Hände kriegt, machst du dir ins Hemd. Was, wenn sie eins deiner Flugzeuge klauen und wüssten, wie man es fliegt?“

      Guter Gedanke, Rob, man wüsste nicht mal, dass die Bastarde im Anmarsch sind.

      ROBOTER

      Ganz genau, Roboter. Mehr als 12.000 kommen bereits im Irak zum Einsatz, und diese Teile lassen Robot Wars alt aussehen. Der „Gladiator“-Roboter der Marines kostet alles in Allem 400.000 Dollar. Für dein Geld bekommst du eine emotionslose Tötungsmaschine, bewaffnet mit einem Maschinengewehr, Panzerfaustraketen, 40-mm-Granatwerfer und Tränengas. Oh, und du kannst ihn mithilfe eines Playstation-Controllers steuern, was doch eine tolle Nachricht bezüglich Karriereaussichten für jeden ist, der gerade einen Abschiedsbrief auf der Rückseite einer Pizzaschachtel verfasst hat.

      Die gruseligste Militärmaschine ist wohl aber der LS3 von Boston Dynamics—ein vierbeiniger Roboter-Packesel, der wie eine gigantische mechanische Kakerlake aussieht. Der Roboter ist technisch gesehen harmlos: Er ist entworfen worden, um die Ausrüstung von Soldaten zu transportieren und ihnen in felsigem Terrain zu folgen.

      Der LS3 fungiert aber auch als mobiles Notstromaggregat und ist somit die größte und teuerste iPhone-Ladestation der Welt. Wobei anstatt iPhones vermutlich eher Sachen aufgeladen werden, die Menschen töten.

      Für die Chefs des Pentagons liegen die Vorteile auf der Hand: Roboter reagieren schneller und zielen besser als menschliche Soldaten, und sie werden weder hungrig, noch müde, noch schwindet ihre Konzentration. Nicht zu vergessen: Die psychologischen Effekte, die damit einhergehen, einen künstlichen Feind zu bekämpfen, der keinen Schmerz, keine Angst und keine Gnade kennt, und der nicht NICHT STERBEN kann, werden für feindliche Truppen als verheerend angesehen.

      Während das Design der derzeitigen Kampfroboter noch vor allem auf den praktischen Aspekten ausgelegt ist, bemüht sich das Militär darum, die Leute in Zukunft so doll wie möglich zu erschrecken, indem sie das Aussehen der Roboter verändern. Eine Firma wurde bereits damit beauftragt, ein System zu entwickeln, das wie ein T-800-Terminator aussehen soll.

      Die Roboterspezialisten des Militärs sind außerdem erpicht darauf, den „Angstfaktor“ noch ein bisschen höher zu drehen. Sie wollen sich zwei Dinge zu Nutze machen: die Urangst des Menschen vor Insekten und das Phänomen, dass Roboter, deren Auftreten und Verhalten beinahe (aber nicht perfekt) lebensecht ist, eine fest verankerte Abscheu hervorrufen (siehe „Uncanny Valley“).

      Im Jahre 2015 wird ein Drittel der militärischen Truppen der USA aus Robotern bestehen. Aber was ist mit dem Terminator? Was ist mit der Matrix? Was ist mit Einzigartigkeit? In der unmittelbaren Zukunft stellen Softwarestörungen eine viel größere Bedrohung dar als künstliche Intelligenz. 2007 gab es während des Testlaufs eines Flugzeugabwehrroboters eine Panne. Der Roboter begann, sich im Kreis zu drehen und spuckte dabei mit hochexplosiven Granaten um sich—bei einer Geschwindigkeit von 550 Stück pro Minute.
      Neun Soldaten verloren dabei ihr Leben und vierzehn weitere wurden verletzt—als das letzte Mal dein Blackberry verrückt spielte, waren die Folgen vermutlich nicht ganz so schlimm.

      Ein in absehbarerer Zukunft stattfindender Krieg gegen Maschinen scheint ziemlich wahrscheinlich. DARPA arbeitet derzeit an der Entwicklung eines Roboters für das Schlachtfeld. Der sogenannte „Energetically Autonomous Tactical Robot“ scheint seinen Namen schlicht der Tatsache zu verdanken, dass seine Initialen das Beinahewort „EATR“ ergeben, und er soll sich angeblich selbst unendlich mit Energie versorgen können, indem er rein theoretisch menschliche Leichen frisst. Was könnte dabei schief gehen?
      Robs Beurteilung:

      „Roboter? Ja, die, die all dein Zeug schleppen, sind ziemlich cool—wer würde keinen von denen haben wollen?! Aber die kann jeder Depp steuern, was einerseits gut und andererseits auch schlecht ist: Der Iran hat erst kürzlich seine eigenen Drohnen gebaut und das macht mir ein bisschen Angst! Wenn man die Roboter mit Waffen und Verstand ausstattet, fängt es an, riskant zu werden. Die würden wahrscheinlich des Öfteren gegen das Kriegsvölkerrecht verstoßen.“

      LASER UND TEILCHENSTRAHLEN-WAFFEN

      Neben Lasern entwickelt das Militär auch eine Menge anderer „Teilchenstrahlen“-Waffen. Das „Active Denial System“ funktioniert ähnlich wie eine Mikrowelle und soll den Feind zum Kochen bringen, ähnlich wie ein billiges Fertiggericht. Bitte? Du möchtest noch mehr und genauere Informationen dazu? Ein Schuss dieser gebündelten elektromagnetischen Strahlung dringt in deine Haut ein und bringt dort Wasser und Fett zum Kochen. Ein scheußliches Gefühl.

      Für Militär und Polizei wird gerade eine Reihe von tragbaren Mikrowellen-Handwaffen und Laser-Gewehren entwickelt, die imstande sind, tödliche Plasma-Salven abzugeben, lähmende elektromagnetische Impulse und infrarote Folterstrahlen zu schießen. Bitte? Was mit den Laserschwertern ist, fragst du? Sorry, aber das ist leider physikalisch nicht möglich, obwohl Spezialeinsatzkommandos schon das nächste tolle Ding ausprobieren: Ein Plasma-Messer, das mittels einer „Klinge“ aus glühend ionisiertem Gas durch Fleisch schneidet.

      Wie auch immer, am bedrohlichsten und finstersten scheint das MEDUSA-Projekt, ein Versuch, eine Waffe zu entwickeln, die Mikrowellen von schwacher Strahlungsenergie dazu benutzt, die „Stimme Gottes“ und andere unterschwellige Botschaften direkt in die Köpfe der Feinde zu projizieren. Ärgerlich, dass diese spezielle Technologie anscheinend eher für aggressive Großflächenwerbung an Bushaltestellen und Einkaufszentren genutzt wird als auf dem Schlachtfeld.

      Das scheint Rob aber einen Scheiß zu interessieren, denn er gibt Teilchenstrahlen-Waffen zwei Daumen hoch: „Ich habe viel darüber gelesen und sie sind wirklich sehr beeindruckend, obwohl sie etwas ‚unmenschlich’ sind“, erklärte er. Ich erschrak über die Anführungszeichen, die er dabei mit seinen Fingern machte. „Du könntest eine Menge Geld für Munition und auch Zeit beim Waffenputzen sparen. Außerdem ist es ein totaler Kopffick für den Feind. Du würdest dir in die Hosen scheißen, wenn du wüsstest, dass die Leute, die du bekämpfst, verfickte Laser haben!“

      Letztendlich sind alle dieser neuen Technologien bislang nicht offiziell bestätigt worden.


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