Musik

These New Puritans sind die schlechtestangezogene Band des Planeten

von Stefan Lauer

These New Puritans haben uns verboten, zu schreiben, dass sie eine Stylerband sind. Dem entsprechen wir natürlich gern: Diese schlechtangezogenen stinkenden Hippies von TNP könnten wirklich mal ein bisschen mehr auf ihr Äußeres achten. Sie sehen echt scheiße aus. Wenigstens ist ihre Musik ganz ok. Sie bringen nächstes Jahr ihre zweite Platte raus.

Es gibt auf ihr einen Kinderchor, ein Blasorchester aus Prag (weil die da billiger sind), eine Melone mit Crackern, um den Sound eines eingeschlagenen Schädels zu simulieren und ein obskures ostasiatisches (Blas?)Instrument, das aus einem menschlichen Oberschenkelknochen gemacht wurde. (Wir würden sowas nicht in den Mund nehmen.)

Ich habe gehört, dass ihr im Nahen Osten Touren wolltet, aber dann wurde die Tour abgesagt?

George: Ja, das war enttäuschend. Wir hatten schon all diese Termine in diesen gefährlichen Staaten. Deshalb wären die Sicherheitskosten wirklich, wirklich hoch gewesen. Wir hatten schon Clubs und ein paar Promoter. Es hätte sich einfach nicht gelohnt, im Vergleich zu dem Geld, das es gekostet hätte. Dann hätten wir fast im Libanon gespielt, was ja eigentlich ein relativ westliches Land ist, aber das wurde auch gecancelt. Das meiste ist über das Management gelaufen.

Seht ihr eure Musik als Statement?

George: Ja, klar. Es ist ein Spiegel, aber es sind keine Protestsongs dabei. Oder vielleicht ein bisschen. Krieg ist offensichtlich ein Thema für uns, aber das ist dann eher ein fiktiver Krieg. Und es ist eher ein Song über Selbstbefreiung, als alles andere.

Ihr habt mal über Manipulation von Medien gesprochen und behauptet, dass alles, was ihr sagt, gelogen ist. War das gelogen?

Jack: Ich habe nicht damit gemeint, dass ich ein manipulierendes Arschloch bin, das mit allen spielt wie mit Handpuppen. Es ging eher darum, dass man in so einer normalen Interviewsituation nicht man selbst ist. Normalerweise würde man ja nie soviel über sich selbst reden.

Wie, denkt ihr, ist euer Image in den Medien?

George: Wahrscheinlich das so einer trendy Band. Einige Leute denken wahrscheinlich, wir wären irgend so eine hochgestochene Intellektuellenband. Was wir nicht sind. Wir sind eigentlich nur ein paar Leute, die Musik machen. Wir haben nichts zu tun mit dieser ganzen Hipster-Styler-Band-Szene in London. Und mich nervt es, wenn wir so dargestellt werden. Schreib ja nicht, dass wir so sind.

Wo wir grade bei Image sind. Ihr habt ja mit Dior zusammen gearbeitet. Seid ihr mit denen oder mit Hedi Slimane immer noch in Kontakt?

George: Also nicht mehr mit Dior. Die sind nicht mehr gut, seit Hedi weg ist. Kris Van Assche macht nur Müll. Ich war Hedis Assistent in Italien und so kamen wir dann auch dazu, den Song für seine Kollektion zu machen. Ich würde gerne nochmal mit ihm arbeiten, und das wird vermutlich auch passieren.

Es gibt ja Gerüchte, dass er wieder zurückkommt.

George: Ja, aber man weiß ja nie, ob sowas stimmt.

Was hat sich geändert, seit eurem letzten Album?

George: Starke Drogen Cocktails. Ein Album, das mit Drogen gefüllt ist. Nein, das ist nur ein Witz. Einfach neue Ideen.

Diesmal habt ihr ja auch mit Heather Marlett von Salem zusammengearbeitet.

George: Ja, das lief über Email. Wir haben ihr unser Zeugs geschickt. Aber sie war echt nett und ihre Stimme ist wirklich gut. Salem sind sowieso sehr gut. Vor allem Water. Sie sind irgendwie das Gegenteil von uns. Alle ihre Songs stehen für sich. Aber wir denken sowieso darüber nach, für das nächste Album eine Sängerin zu engagieren, und wir machen nur noch alles im Background. Wir könnten ja auch Tänzerinnen haben. Nein, aber im Ernst, wir denken wirklich über eine Sängerin nach. Aber dann könnte es sein, dass sie eine Zicke ist und irgendwann keinen Bock mehr hat, mit uns zu arbeiten. Wir müssten sie komplett kontrollieren können.

Vielleicht mit Drogen?

George: Ja, so wie Michael Jackson. Wir könnten den Arzt von Michael Jackson buchen. Aber im Ernst, wir müssen anfangen, Frauen Drogen einzuflößen.

Die erste Single, die ihr rausbringt, ist We want War. Die ist ziemlich lang und klingt, als hättet ihr zwei Lieder kombiniert.

George: Ja, dafür drehen wir am Freitag ein Video in London, das wird sehr cool. Wir werden wie Pistolenkugeln rumgeschossen. Wir müssen wahrscheinlich aus zehn Metern Höhe ins Wasser springen. Mal sehen, wie das wird. Aber We Want War ist uns superwichtig, weil es repräsentiert, wie wir klingen. Es wird wahrscheinlich trotzdem nicht grade ein Radioliebling werden. Wir haben dafür dieses südostasiatische Instrument benutzt, das aus einem menschlichen Oberschenkelknochen gemacht wurde. Willst du einen Keks?

Klar, danke.

George: Die haben extra Kekse für uns gekauft. Da sind Bilder drauf. Ich hab die Tower Bridge.

Jack: Cool, ich hab das Brandenburger Tor. Ist das das Kolosseum da drauf?

Sieht so aus. Ich habe auch die Tower Bridge. Naja, zurück zum Album, da sind ziemlich viele Percussions drauf. Hast du die alle selbst eingespielt?

George: Ja, und ich musste noch so ein paar Sachen dazu lernen. Aber es  war cool. Wir haben einen Kinderchor mit drauf und eine Bläsergruppe. Die haben wir in Prag aufgenommen und sie waren besonders billig, wegen der Finanzkrise.

Könnt ihr denn von der Band leben?

Jack: Also ich lebe davon, George nicht.

George: Nein, ich muss noch ein paar andere Sachen machen um an Geld zu kommen. Ich muss auf den Strich gehen. Nein, aber ich muss Geld dazu verdienen.

Ok, aber was machst du?

George: Ich arbeite für die Schönheit.

Für die Schönheit?

Jack: Er ist ein Masseur.

George: Ja, ich mache es für Geld. Aber ich brauche die Kohle um die Arbeit mit der Band zu finanzieren.

Jack. Wir verdienen eigentlich fast kein Geld, höchstens wenn wir in Japan touren.

George: Echt? Da verdienen wir Geld?

STEFAN LAUER

These New Puritans Hidden erscheint bei Domino.

 

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