Tiere Vs. Menschen

von VICE Staff

Was ist nur momentan los? Nicht genug, dass Gott die halbe Welt mit Fluten, Erdbeben, Tsunamis, Katy Perry, Schneestürmen, Aufständen und Idioten, die nicht aufhören können, über 2012 zu sprechen, heimsucht—nun lässt er langsam auch noch die Tiere durchdrehen. Die momentane Häufung von seltsamen Vorfällen mit Tieren hat uns veranlasst, ein paar Experten zu dem Thema zu befragen und dann für euch eine kleine Auswahl der erschreckendsten Albträume aus der Welt der Fauna zusammenzustellen, und zu erklären, wie diese sich in näherer Zukunft noch verschlimmern könnten.

Vice: Hallo. Du bist Programmbeauftragte bei der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, richtig?

Wendy Foden: Ja, das stimmt. Wir haben Berichte gelesen, laut denen der Klimawandel sich zunehmend auf das Verhalten von Tieren auszuwirken beginnt. Anzeichen für eine Verhaltensveränderung bei Tieren in Folge des Klimawandels—darunter Veränderungen der Verbreitungsgebiete, der Verhaltensweisen und der zeitlichen Entwicklung—werden immer häufiger.

Tatsächlich?

Aktuelle Studien zeigen uns, dass die Aussterberate von Tieren schon 100 bis 1000 Mal höher ist, als wir zuvor angenommen hatten, und dass dies vor allem mit dem vom Menschen verursachten Verlust ihrer Habitate, deren Übernutzung oder ihre Vertreibung durch invasive Arten zusammenhängt. Der Klimawandel verschärft diese Probleme noch und wird wahrscheinlich bald an erster Stelle der Bedrohungen stehen. Während ein paar dieser Veränderungen im Tierverhalten vorhersehbar waren, sind einige völlig überraschend für uns. Manche Tiere sind Gewinner, andere Verlierer des Klimawandels.

Was wird denn passieren?

Werden die Tiere das Ende der Welt noch beschleunigen? Es ist schwer vorherzusagen, wie Tiere auf sich verändernde Klimaverhältnisse reagieren werden—wir müssen das Unerwartete erwarten. Schön gesagt! Danke, Wendy. Wir werden unseren Lesern nun eine Liste der aberranten Verhaltensweisen bei Tieren präsentieren, die uns veranlasst haben, uns überhaupt erst mal an dich zu wenden.

 

ARMEEN VON KILLERQUALLEN

killer-jellyfish2 Quallen sind schon unter normalen Verhältnissen eher gruselige Gestalten. Aber wenn sie zu Zehntausenden ausschwärmen, sind diese Urschleimhaufen nicht mehr nur eklig, sondern regelrecht furchteinflössend. Dank einer Kombination aus Überfischung und Klimaerwärmung finden die Quallen in immer größerer Nähe zu Küste Nahrung, was dazu führt, dass Arten wie die Würfelquallen immer häufiger Menschen mit ihren giftigen Tentakeln stechen. Schon die sanfteste Berührung mit einem ihrer ekeligen Fortsätze kann einen Menschen binnen 180 Sekunden unter unsäglichen Schmerzen in den Tod befördern. Die japanische Fischwirtschaft sieht sich gerade mit einer Plage der sogenannten Noruma-Quallen konfrontiert. Diese fies aussehenden Kreaturen erreichen Durchmesser von bis zu zwei Metern und haben verheerende Auswirkungen auf die Fischbestände, zerstören Netze und können mit ihren riesigen Körpern sogar Fischerboote zum Kentern bringen. Es sind zwar bereits ein paar halbherzige Versuche unternommen worden, Quallen als eine leckere Alternative zu Sushi oder Lachs zu vermarkten, aber ihre glibberige Konsistenz ist selbst für den an Experimente gewohnten asiatischen Gaumen eine Nummer zu krass.

KILLERHAIE, DIE FAST AN LAND KOMMEN

killer-sharks Ratet mal, was passiert, wenn Menschen Haie füttern. Sie erwarten, regelmäßig gefüttert zu werden, und wenn das nicht passiert, fangen ihre Mägen an zu knurren und sie werden ein wenig unleidlich. Also könnt ihr euch ungefähr vorstellen, was passiert, wenn fette, dreckige und unerfahrene Touristen in exotischen Ressorts wie Sharm el-Sheikh in Ägypten in die flachen Riffs wandern und für Fotos posieren, während sie die Haie füttern: Sie bekommen von den prähistorischen, mit zwei Penissen ausgestatteten Kreaturen sofort eine kostenlose Magenbypass-Operation verpasst. Angesichts dieser Fütteraktionen, der Überfischung ihrer natürlichen Beutetiere und der Erwärmung zuvor unwirtlicher Gewässer durch den Klimawandel, ist es wenig überraschend, dass die Haie sich immer öfter an Touristen vergreifen. Im letzten Jahr erreichte die Anzahl der Haiattacken im Roten Meer einen neuen Rekord, weshalb sich einige Verschwörungstheoretiker schon zu der Behauptung verstiegen haben, dass Israel hinter den Zwischenfällen stecken könnte. Leider hält das Regierungen wie die ägyptische aber nicht davon ab, solche Praktiken zu erlauben oder sogar zu unterstützen. Der Strandtourismus macht immerhin 66 Prozent der Gewinne der Tourismusbranche in dem Land aus. Habt ihr etwa noch nicht Der Weiße Hai 5: Killer vor Assuan gesehen?

KILLERBIENEN

killer-bees1Eure Bienen produzieren nicht genug Honig? Dann solltet ihr schleunigst eine Art importieren, die das kann. So wurde es z.B. in Südamerika gemacht, wo, um die Produktion zu steigern, haufenweise afrikanische Bienen eingeführt wurden. Der einzige Nachteil der Sache war, dass afrikanische Bienen die Mike Tysons der Insektenwelt sind: Wenn sie einmal aufgestört oder gereizt worden sind, verbleiben sie 24 Stunden lang in einem „ultra-aggressiven“ Zustand und jagen Eindringlingen zehn mal so weit hinterher wie Bienen anderer Abstammung. Das Witzigste an dem Ganzen ist, dass sie sich in den letzten zehn Jahren in nördlicher Richtung in die Vereinigten Staaten und sogar bis nach Utah oder Louisana hinein verbreitet haben, wo sie nun nichts lieber tun, als ahnungslose Spaziergänger und Hundebesitzer zu drangsalieren. Es ist gut möglich, dass diese unfreundlichen Bienen die Honigindustrie Amerikas, die momentan 140 Millionen Dollar wert ist, lahm legen werden, indem sie einen pollenverschmierten Scheißhaufen in den Genpool der amerikanischen Bienen setzen.

KILLERMOSKITOS

killer-mosquitoes4Mücken und Moskitos sind eine Art Prämenstruelles Syndrom des Tierreichs. Sie führen zu Wasseransammlungen im Gewebe (große, juckende, rote Stiche), produzieren extrem nervige Geräusche in unmittelbarer Nähe deiner Ohren und zwingen Ehemänner und männliche Partner auf der ganzen Welt, aus nervigen Gründen mitten in der Nacht das Licht anzumachen. Aber stellt euch vor, wie entsetzlich es erst wäre, wenn Westeuropa und Nordamerika von ähnlichen Moskitoproblemen heimgesucht werden würden, wie sie in ärmeren Gegenden der Welt ohne ordentliche Sanitäranlagen an der Tagesordnung sind. Ha ha, zu spät! Arten wie die Asiatische Tigermücke sind bereits nach Europa und Amerika vorgedrungen, und diese hungrigen fliegenden Flüssigkeitsbehälter bringen jede Menge feiner Viren mit. Lust auf ein bisschen Chikungunyafieber? Dann solltet ihr einfach diesen Sommer irgendwo in Südengland oder in verschiedenen Teilen der USA grillen—mit etwas Glück knackt ihr den Infektionskrankheiten-Jackpot.

 

FAMILIEN KILLENDE KILLERSCHLAGEN

killer-snakesEin paar kürzliche Bauprojekte in Hoedspruit, Südafrika, haben zu einem Anstieg registrierter Attacken durch Schwarze Mambas geführt. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause fallen die Schlangen über neu Zugezogene ebenso wie die schlecht bezahlten, abrückenden Bauarbeiter her. Der Biss eine Schwarzen Mamba enthält 400 mg zwei verschiedener Toxine—genug, um zehn erwachsene Männer zu töten. Es gibt Gerüchte, laut denen Schlangen in Zelte gekrochen sein und dort komplette Familien ausgemerzt haben sollen, aber selbst das scheint die Baufirmen nicht davon abzuhalten, immer mehr neue Gebäude in dem natürlichen Habitat der Schlangen zu errichten. Auch die Australier haben ihre Schlangentötkünste während der kürzlichen katastrophalen Überschwemmungen trainieren können, als die steigenden Wasserpegel die beiden Spezies in einen direkten evolutionären Überlebenskampf zwangen. Was die Aussies brauchen, ist ein offizieller Schlangentöt-Tag wie bei den Simpsons, um der Opfer auf würdige Weise zu gedenken.

ILLUSTRATIONEN VON ANDREW RAE

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