Die kämpfenden Bauersfrauen von Mexiko

von Rodrigo Cruz

Im Mai jeden Jahres bereiten die Bauern von La Esperanza—einem Nahua-Dorf im mexikanischen Bundesstaat Guerrero—ihr Land für die Aussaat vor. Die Felder sind gepflügt und die Saat keimt, aber hier in der Gegend ist allgemein bekannt, dass der Regen, den die Pflanzen zum Wachsen brauchen, nicht immer ohne Weiteres kommt. Während die Bauern also ihr Land nutzbar machen, bereiten die restlichen Dorfbewohner eine Regenzeremonie vor.

Den Kern dieser reizenden, kleinen Zeremonie bilden Frauen aus ein paar der Gemeinden, die sich gegenseitig die Scheiße aus dem Leib prügeln, damit sie später das verschüttete Blut in Eimern sammeln und damit das Land beackern und bewässern können. Ganz sanftmütiges, spirituelles Zeug also.


Vor dem Kampf, die Frauen dieser Nahua-Gemeinde bereiten ein Festessen im Haus des Ortsvorstehers vor.

Am Eröffnungstag der Zeremonie stehen die Frauen früh auf, um Unmengen an Essen vorzubereiten—Truthahn, Hähnchen, Pozole, Mole, Reis, gekochte Eier und Tortillas. Das alles nehmen sie zum Austragungsort mit, um es mit den Dorfoffiziellen und ihren Familien zu teilen. Sonst dürfen sich auch diejenigen an den Tisch setzen, die an der Zeremonie teilnehmen werden—du nimmst dir einfach deine Schüssel mit und die Frauen geben dir etwas zu essen.



Am Mittag ziehe ich los nach Cruzco, das ist eine heilige Quelle, an der sich die Menschen aus dem Dorf jedes Jahr treffen, um ihren Göttern Opfer zu bringen. Nachdem sie Blumen, Speisen, Harz oder Wachs niedergelegt oder ein Gebet gesprochen oder einen Lied gesungen haben, fangen alle an, sich für den Kampf aufzustellen.

Die Dorfbewohner kommen schnell zu Dutzenden angelaufen und bilden eine menschliche Kampfarena, während sie darauf warten, dass die Gegner das provisorische Schlachtfeld betreten. Sobald die benachbarten Gemeinden aufgetaucht sind, fangen die Frauen sofort damit an, sich ihre Kontrahentinnen auszusuchen, und fordern sie zum Kampf heraus. Die Mütter und Großmütter, von denen viele selbst eine Vergangenheit als Kriegerinnen haben, sind damit beschäftigt, die Mädchen der jüngeren Generation in den Ring zu bekommen, damit diese dort ein paar Schädel zu spalten und ein wenig Blut zu verschütten.

Nachdem sie sich einen Gegner ausgesucht haben, stehen sich die Frauen gegenüber, binden ihre Haare hoch und ziehen ihre Ringe und alles andere, was irgendwie in den Weg geraten könnte, ab. Dann machen sie, oft mit geschlossenen Augen, ihren ersten Schlag. Manchmal heben sie etwas Dreck auf, um ihre schwitzenden Hände zu trocknen oder sie bitten um eine Pause, um ihre blutigen Nasen zu putzen, aber danach verbeißen sie sich, von allen Seiten angefeuert, wieder unbarmherzig ineinander.

Es scheint nicht darum zu gehen, ob man gewinnt oder verliert, und es steht nie zur Debatte, sich an irgendwem zu rächen, wie bei den nächtlichen Wochenendschlägereien vor den Spelunken bei dir in der Gegend.

Nach ein paar Kämpfen fällt mir der Geruch von all dem verschütteten Blut auf dem Boden auf, aber das scheint außer mir niemanden weiter zu stören. Selbst als schon die Sonne untergeht und jedes Kind den kompletten Speicherplatz seines Handys mit Aufnahmen davon voll hat, wie sich die älteren Schwestern gegenseitig die Köpfe einschlagen, hören die Frauen einfach nicht auf, sich mit bloßen Händen zu bekämpfen.

Als die Nacht anbricht, laufen wir alle zurück ins Dorf, wo all die Kämpferinnen unübersehbar sind, mit ihren bluttriefenden Nasen, stolz darauf, Kriegerinnen zu sein und sicher, dass ihr Blut helfen wird, ein weiteres Jahr lang alle hungrigen Mäuler zu stopfen.

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