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      Warum L.A. der schlimmste Ort der Welt ist

      December 10, 2012

      Von Jamie Lee Curtis Taete

      West Coast Editor

      Ich bin kürzlich von London nach Los Angeles gezogen. Obwohl L.A. zweifellos der schlimmste Ort der Welt ist, habe ich mir wirklich Riesenmühe gegeben, es zu mögen. Hauptsächlich deshalb, weil ich gerne derjenige bin, der eine Sache mag, die sonst alle hassen, nur um die Leute zu ärgern (das erinnert mich an etwas, liebe Freunde aus dem echten Leben: Ich habe Skrillex oder Twilight nie gemocht. Ihr hättet wirklich eure Gesichter sehen sollen!).

      Es folgen unten nun die Dinge, die mich, seit ich in L.A. bin, am meisten stören.

      ÜBERALL LAUERN GEFAHREN

      Wenn du in London draußen herumläufst, ist das Schlimmste, was dir passieren kann, in eine Pfütze zu treten oder eine gewischt zu bekommen von jemandem, der das ganze filmt. Hier allerdings muss ich mich vor Drive-bys und Waldbränden und Berglöwen und „The Big One“ (die ständigen Erdbebengefahr, wenn es nach einer Ruhephase wieder zu Bewegungen in der San-Andreas-Verwerfung kommen kann) fürchten; und vor Klapperschlangen und gehirnfressenden Parasiten und verdammten TSUNAMIS! Wie kann jemand ernsthaft geglaubt haben, es wäre eine gute Idee, hier eine Stadt zu errichten?

      ES IST UNMÖGLICH, ABENDS EINFACH AUSZUGEHEN

      In Berlin oder London oder New York oder jeder anderen Stadt auf der Welt bedeutet „Ausgehen“, zu laufen oder die öffentlichen Nahverkehrsmittel zu nuten, um zu einer Bar oder einem Club zu gelangen und danach vielleicht noch woanders hinzugehen und danach ein Taxi nach Hause zu nehmen. Das ist in Los Angeles problematisch, denn einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht. Ich bin mir außerdem ziemlich sicher, dass es auch keine Taxen gibt. Das bedeutet, dass jeder trinkt und dann fährt. Ich weiß nicht, ob du diese ganzen Fernsehspots kennst, jedenfalls ist Trinken und Autofahren wirklich, wirklich, wirklich nicht OK. Dann musst du auch noch einen Parkplatz finden, ein Bündel Geldscheine fürs Parken hinblättern und dich dann in einer Schlange anstellen, um hineinzukommen, und bevor du dir dessen bewusst wirst, hast du soeben 25 Tacken dafür bezahlt, zu einem „Yoga Rave“ hineingelassen zu werden, der in zehn Minuten zu Ende ist, dabei hast du vergessen, wo du geparkt hast, und, oh Scheiße, du hast einen Strafzettel. Lustiger Spaß.

      WIRKLICH ÜBERALL GIBT ES DIESEN HIPPIE-MIST

      Jedes Mal, wenn ich mir einbilde, einen normalen Menschen getroffen zu haben, muss ich feststellen, dass dieser extrem auf irgendwelchen New-Age-Unsinn steht. Wusstest du, dass Merkur gerade rückläufig ist? Ich auch nicht, und ich sollte das wirklich, wirklich nicht wissen.

      Ughhhhhhhhh.

      ES GIBT ZU VIELE EXTREMSPORTARTEN

      Wo ich auch hingehe, überall nehmen erwachsene Menschen irgendwelche Transportsportarten sehr ernst. So peinlich und schrecklich das auch sein mag, ich habe mich damit abgefunden und es als Teil meines Lebens akzeptiert. ABER kuckt euch mal diesen Scheiß da oben in dem Video an. Ist das nicht grässlich?

      WO DU AUCH HINSIEHST, ÜBERALL ZERPLATZTE TRÄUME

      Rund 90 Prozent der Leute, die du hier triffst, sind aufstrebende (d.h. „erfolglose“) Schauspieler.

      Nichts zieht mich mehr runter als ein Mensch mit einem unerfüllten Traum. Die einzigen beiden Male, die ich jemals im Kino heulen musste, waren die, als Whoopi in Jumping Jack Flash versetzt wird, und als Jamie Lee Curtis in True Lies in den Spiegel kuckt und ihr klar wird, dass sie kein heißes Luder mehr ist. Ich kann es wirklich nicht leiden, mitansehen zu müssen, wie jemand enttäuscht wird.

      Es gibt einen Typen, der in der Nähe meiner Wohnung buchstäblich in einem Haufen Müll wohnt und in der gesamten Nachbarschaft Fotokopien seines Profils anhängt (Foto oben) und darauf „YouTube.com“ als seine Internetseite angibt. Ich habe ihn gegoogelt und seine einzigen Freunde auf der ganzen Welt waren einige Tauben, aber dann kam das Veterinäramt und tötete sie und verdammte Scheiße, ich muss wieder heulen :( :(

      DIE RESTAURANTS SIND SO ALBERN, ALS KÄMEN SIE AUS EINEM WIRKLICH UNLUSTIGEN FILM, DER SICH ÜBER L.A. LUSTIG MACHT

      „Urban taco fabricator“?

      Dies ist die Speisekarte eines Laden, der sich Café Gratitude nennt. Alle Gerichte sind eher „positive Bekräftigungen“ als einfache „Namen“. Wenn du bestellen willst, musst du dem Kellner sagen „Ich bin schön“, und der Kellner wird dich ansehen und aufrichtig antworten: „Du BIST schön!“ *schauder*

      Als ich Freunden zu Hause vom Café Gratitude erzählte, reagierten sie so: „Ihh, willst du mich verarschen? Das klingt nach dem schlimmsten Ort überhaupt.“ Die Leute hier regieren eher so: „Ich verstehe echt nicht, was dein Problem ist, Alter. Versuch mal, nicht die ganze Zeit so negativ zu sein.“

      Oh, und an der Wand mit den ganzen Lebensmittelhygienezertifikaten und diesem Kram hängt bei denen dieses Stück Scheiße:

      "On behalf of the present moment, thanks for filling it up consciously"

      :(

      DAVID SPADE WIRD AUF DEM WALK OF FAME AM HOLLYWOOD BOULEVARD MIT EINEM STERN GEEHRT

      Was im Grunde genommen bedeutet, dass David Spade zu den berühmtesten Persönlichkeiten der Stadt gehört. David. Spade.

      DIE LEUTE DENKEN, IMROV-COMEDY SEI LUSTIG

      Ich kann mich nicht erinnern, dass mir in meinem Leben ein Mensch jemals zuvor gesagt hat, ich solle mir eine Improv-Comedy-Show ansehen. Seit ich in L.A. wohne, wird mir das aber nahezu täglich empfohlen. Besonders The Groundlings, die du dir im Video oben ansehen kannst. Hab ich irgendetwas nicht kapiert? Ich verstehe nicht ... Sie sind einfach ... Was?

      NIEMAND WIRD DIR JEMALS SEINEN JOB VERRATEN

      Niemand würde einfach so zugeben, was sein Job ist. Die Leute denken, nicht mega-erfolgreich zu sein, sei irgendwie eine Schande. Wenn du also Leute kennenlernst, werden sie sagen: „Ich bin Make-up-Artist bei True Blood“, und dann wirst du sie 20 Minuten lang ausquetschen und sie werden nur sehr vage antworten und am Ende weißt du trotzdem nicht, was sie da eigentlich machen. Wenn du dann also nach Hause kommst, wirst du sie googeln und herausfinden, dass „ein Make-up Artist bei True Blood“ eigentlich bedeutet: „Ich bin Barkeeper, aber einmal habe ich in dem Gebäude gearbeitet, in dem sie die Special-Effects-Prothesen für True Blood hergestellt haben.“

      ALLE HABEN VOR SCIENTOLOGY ANGST

      Es gab mehrfach Situationen, in denen ich im öffentlichen Raum anfing, über Scientology zu sprechen, und die Person, mit der ich mich unterhielt, daraufhin die Augen aufriss, sich hektisch umsah und hysterisch laut „SCHHHHH!“ zischte und dann etwas von „sofort auf der schwarzen Liste“ und „ein Geländewagen mit verdunkelten Scheiben ist mit einem Freund davongefahren“ murmelte. Anfangs war das ziemlich lustig. Mittlerweile habe ich auch damit angefangen. Während ich das hier schreibe, habe ich mich bei dem Gedanken ertappt: „Ist es OK, Scientology hier überhaupt zu erwähnen? Sollte ich ein Pseudonym verwenden?“ Da ich jetzt aber herausfinden möchte, ob die Leute wirklich Grund dazu haben, paranoid zu sein oder ob sie nur Idioten sind: Scientology ist scheiße!

       


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      Themen: los angeles, London, Berlin, ist ein Paradies, ist die Hölle, Hollywood, omg, scientology

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