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Weil ich ein Mädchen bin

von Johanna Scheer

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Es gibt diese schlimmen Mottopartys, wo Frauen als Männer, Männer als Frauen und alle richtig peinlich erscheinen müssen. Wenn schon ein Teilzeit-Mann sein, dann richtig. Ein Wunsch, den viele Mädchen (neben dem nach einer sprechenden Katze) in sich tragen. Welch angenehme Vorstellung, endlich offensichtlich auf Brüste stieren, bereits morgens Alkohol konsumieren und Unterwäsche nur alle zwei Tage wechseln. Für einen Freund von mir wird der Wunsch des Geschlechtertausches endlich wahr. Er ist transsexuell und beim Hüpfen merkt er bereits einen kleinen Brustansatz. Nach langer Überlegungen (wegen seiner unglaublich maskulinen Größe von knapp zwei Metern) steht sein Endschluss fest. Aus Mister wird eine Miss. Natürlich ist der medizinische Weg um einiges schwieriger als der einer lächerliche Einladung zu einem lächerlichen Themenabend. Hier ist das Interview von meinem Kumpel, der eine Frau werden möchte.

VICE: Erinnerst du dich noch, wann du das erste Mal deutlich gespürt hast, dass du lieber eine Frau sein möchtest?

Mit der Pubertät fing alles an. Zu Beginn hatte ich nicht das Gefühl, irgendetwas wäre falsch mit mir. Es war eher der Reiz, mit „verbotenen Sachen“ zu spielen. Mit Girly Zeugs halt. Diese Neigung habe ich lange Zeit heimlich in meinem Zimmer ausgelebt. Karneval war eine der wenigen Möglichkeiten, das Frau-Sein offen auszuleben.

Welcher Boyband-Sunnyboy hat dir deine Jugend versüßt?

Ich konnte Boybands noch nie etwas abgewinnen. Blümchen war meine große Heldin, sie war so süß...

Großartig, ich war dem Techno von Blümchen auch verfallen, inklusive einem Konzertbesuch. Das waren die Neunziger! Hast du heimlich den Look von ihr nachgeschminkt?

Schminken war immer eine gruselige Angelegenheit. Meine Mama hatte nie die Farben, die mir standen. Ich sah dann immer aus wie eine Drag Queen. Faszination galt eher Klamotten und Styling. Auch heute schaue ich lieber den hübschen Outfits als den hübschen Frauen hinterher.

Wie haben deine Eltern reagiert, als du ihnen gesagt hast, dass dein Penis gegen eine Vagina eingetauscht wird?

Meine Mama wollte schon immer lieber ein Mädchen. Sicherlich war es zu Beginn etwas schockierend. Mittlerweile hat sie sich damit abgefunden und steht hinter mir.

Transsexualität wird laut Weltgesundheitsorganisation WHO als „psychische Störung“ und „Krankheit“ eingestuft. Ich finde diese Etikettierung ziemlich hart. Fühlst du dich denn krank oder eher verwirrt?

Ich bezeichne mich auf jeden Fall als psychisch gestört, denn „normal“ ist anders. Irgendein neurologisches Problem wird da schon vorliegen. Aber „krank“ in dem Sinne fühle ich mich nicht. Die Zeit der Verwirrung ist vorbei. Ich weiß jetzt, wo mein Weg hinführt.

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Du hast die ersten Schritte, der medizinischen Maßnahme, schon erfolgreich hinter dich gebracht. Wie kann ich mir solch eine Therapie vorstellen?

Bevor man mit seinem Anliegen zu einem Arzt geht, sollten erstmal Kontakte zu Gleichgesinnten aufgebaut werden. „Gerede e.V.“, eine Beratungsstelle für Schwule, Lesben und Transsexuelle, hat mir da sehr geholfen. Die Therapie beginnt mit einem Psychologen, bei dem man ein Jahr in Behandlung geht. Der nächste Schritt ist ein Endokrinologen (Hormonarzt), die weibliche Hormonzufuhr erfolgt über zwei Jahre. Wenn man diese Schritte positiv bewältigt hat folgt die geschlechtsangleichende Operation.

In welcher Phase steckst du jetzt?

Seit zehn Monaten in psychologischer Betreuung. Vor vier Monaten bin ich bereits zum Hormonarzt gegangen, damit könnte ich dieses Jahr noch „fertig“ werden. Ziel ist die finale OP, darauf freue ich mich wirklich sehr.

Was möchtest du als erstes mit deiner „neuen“ Möse anstellen?

Spielen! Ich werde mir einen hübschen Kerl suchen und testen was man damit alles anstellen kann. Hast du eine Empfehlung für mich?

Ja, als erstes Cunnilingus, das wahre Geschenk für die Frau. Ich hab gelesen, nur 60% der rekonstruierten Vaginas sind orgasmusfähig. Hast du Angst davor?

Nein. Es gibt so viele echte Frauen, die noch nie einen Orgasmus hatten. Wenn dieser Fall eintritt würde ich den Höhepunkt trainieren. Die künstliche Vagina hat aber auch einen nicht zu verachtenden Vorteil. Die Penisspitze ist deutlich empfindsamer, daher wird meine Klitoris sehr viel sensibler sein als die von biologischen Frauen.

Das ist ja...GEMEIN!

Ja, das ist es. Für dich!

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