©2016 VICE Media LLC

    The VICE Channels

      Die Reaktionen auf den Holocaust-Kommentar der ARD nach Dummheit sortiert Die Reaktionen auf den Holocaust-Kommentar der ARD nach Dummheit sortiert

      Die Reaktionen auf den Holocaust-Kommentar der ARD nach Dummheit sortiert

      Von Matern Boeselager

      Redakteur

      Januar 28, 2015

      Gestern hat die ARD einen Kommentar von Anja Reschke ausgestrahlt, in dem die Moderatorin die ständigen Rufe nach einem „Schlussstrich" unter die Geschichte der Judenverfolgung scharf verurteilt. Eigentlich sollte man denken, dass das in Deutschland 2015 kein besonders mutiger Schritt mehr sein sollte. Schließlich sagte Reschke im Prinzip dasselbe wie Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Rede gestern: „Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz." So weit, so selbstverständlich—könnte man meinen.*

      Stattdessen hat der kurze Beitrag eine enorme Reaktion ausgelöst. Auf der einen Seite gab es fast überschwänglichen Zuspruch: Der Facebook-Post mit dem Video wurde mehr als 12.000 mal geteilt, in Dutzenden Kommentaren bedanken sich Zuschauer für die „klaren Worte"—einer bescheinigt Reschke sogar, sie habe größere „Eier" als Olli Kahn.

      Das ist die eine Seite. Auf der anderen gibt es die zahllosen Kommentare von Menschen, die die Idee, dass man Auschwitz nicht vergessen soll, scheinbar bis ins Mark empört. Das Spektrum der Reaktionen reicht dabei von einem beleidigten „Warum soll ich mich schämen?" bis hin zu der charmanten Aufforderung, die Moderatorin solle sich einfach „erhängen". Wir haben ein paar dieser Kommentare gesammelt und nach Dummheitsgrad für euch sortiert:

      1. Das waren Menschen, keine Deutschen!

      Beispiele:

      Klingt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so dumm, schließlich gab (und gibt es) Antisemitismus überall. Wird aber grenzwertig, wenn dadurch die Verantwortung der Deutschen komplett auf eine diffuse „Menschheit" abgewälzt werden soll—dann muss sich nämlich kein Deutscher mehr damit beschäftigen.

      Dummheitsfaktor: 3/10

      2. Warum soll ich mich für die Vergangenheit schämen?

      Beispiele:

      Schon etwas dümmer. Natürlich kann man niemandem vorschreiben, sich für die Vergangenheit zu „schämen". Verantwortung sollte man aber für sie übernehmen. Das Schämen geht sowieso nur, wenn man sich mit Deutschland (und damit auch seiner Geschichte) ein bisschen identifiziert. Deshalb ist es völlig OK, sich nicht für Deutschland zu schämen, wenn man sich nicht als Deutscher fühlt.

      Was aber gar nicht geht: sich nicht schämen, dann aber (z.B. bei der WM) stolz sein wollen. Komischerweise sind es aber oft dieselben, die lautstark die ziemlich widersprüchliche Position vertreten, dass sie sich nicht für die „Verbrechen der Vergangenheit" schämen müssten und dass sie jawohl das Recht hätten, auch mal wieder auf ihr Land stolz zu sein.

      Dummheitsfaktor: 4/10

      3. Und was ist mit den Indianern?

      Beispiele:

      Das ist jetzt schon deutlich dümmer. Diese Leute streiten gar nicht ab, dass man als Angehöriger eines Volkes Verantwortung für dessen historische Verbrechen trägt. Aber sie weigern sich, ihre Verantwortung als Deutsche zu übernehmen, solange nicht auch alle anderen Völker sich zu ihren Schweinereien bekennen. Das Verhalten ist auf einem Spielplatz vielleicht angemessen, aber nicht in der Diskussion um den Mord an 6 Millionen Juden. Lasst das mal der Amerikaner Sorge sein, wie sie mit der Sklaverei umgehen.

      Natürlich verbirgt sich dahinter eigentlich ein anderer Gedanke. Nämlich der, dass die Shoa (die gezielte und industriell organisierte Ermordung von Millionen Menschen zum reinen Selbstzweck) auch nur ein Verbrechen sei wie alle anderen auch—und keineswegs irgendwie singulär. Das bedeutet: Bedauerlich wie die anderen historischen Verbrechen auch, aber dann auch wieder nicht so besonders, dass man dauernd dran erinnern müsste. Weitergehen, hier ist nichts passiert.

      Dummheitsfaktor: 5/10

      4. Israel macht jetzt doch das gleiche in Gaza!

      Dieser Vergleich ist besonders beliebt bei Jugendlichen mit arabischem Hintergrund und Leuten, die mit Palästina zwar eigentlich nichts am Hut haben, die das aber für gute Tarnung für ihren verkappten Antisemitismus halten. Die Botschaft: Die Juden sind genauso schlimm wie die Nazis. Dadurch wird natürlich hintenrum legitimiert, was ihnen angetan wurde: Hätte Hitler damals Erfolg gehabt, hätten wir jetzt nicht diesen ganzen Stress in Nahost.

      Dummheitsfaktor: 7/10

      5. Das dient doch nur dazu, die Deutschen zu unterdrücken

      Beispiele:

      Das ist offensichtlich schon sehr, sehr dumm. Die Leute, die so was schreiben, gehören fest ins Lager entweder der Pegida, der AfD oder der NPD.

      Dummheitsfaktor: 9/10

      6. Die Vollblut-Antisemiten

      Beispiele:

      Dazu ist nicht viel zu sagen. Dummheitsfaktor: volksverhetzend.

      7. Die völlig verwirrten

      Diese Leute sind zwar auch meistens Antisemiten, sie sind aber noch ein bisschen verwirrter, wo genau die Weisen von Zion sich jetzt gerade versteckt halten (die meisten tippen aber natürlich auf Washington).

      Dummheitsfaktor: %!?/10

      *Weniger selbstverständlich ist vielleicht Reschkes Seitenhieb auf Pegida. Man kann sich zumindest streiten, ob man die Erinnerung an Auschwitz gegen jeden dahergelaufenen Rassisten einsetzen muss, der aktuell gerade in den Medien rumläuft.

      Themen: ARD, Holocaust, Shoa, Anja Reschke, Antisemitismus, Auschwitz, Jahrestag der Befreiung, 27. Januar

      Kommentare

      Top Stories