Die Sofex war so lala

„Es ist schon merkwürdig, Mann. Alle gehen wirklich herzlich miteinander um. Aber letzten Endes kaufen wir Waffen, um uns gegenseitig zu vernichten. Ich will ja nicht liberal klingen oder so. Aber es ist alles andere als glamourös. Dieser Scheiß kostet Menschen ihr verdammtes Leben.“ Der Typ, der das sagte, war schockierenderweise nicht irgendein Antikriegshippie auf Acid. Es handelte sich um einen 1,95 m großen Sergeant der Fernaufklärung des Marine Corps, der erst kürzlich von zwei Einsätzen in Afghanistan zurückgekehrt war. Wir waren beide Besucher der Special Operations Force Exhibition (SOFEX) 2010 in Jordanien. Die Ausstellungshalle hatte ihn sichtlich aufgewühlt—sie war ein Meer von Auslagen und Ständen der Waffenkonzerne mit Marschflugkörpern, Maschinengewehren, Panzern und Bomben, die wie die neuesten Luxuslimousinen präsentiert wurden. Noch mehr beunruhigte mich, dass die USA der größte Sponsor der Ausstellung waren.
Bei der Ankunft auf der SOFEX kamen Erinnerungen an die Zeit auf, als ich ein kleiner Punk war und Sätze wie „Der militärisch-industrielle Komplex übernimmt die Macht in der Welt“ einfach dazugehörten. Damals wusste ich noch nicht, was genau „der militärisch-industrielle Komplex“ bedeutet, aber die Konferenz lieferte mir ziemlich schnell eine sehr wörtliche Definition des Begriffs. Die SOFEX findet alle zwei Jahre in Amman statt und wurde vom jordanischen König Abdullah II. ins Leben gerufen, der eine Schwäche für Spezialoperationen und gewaltige Artillerievorführungen hat. Im Laufe einer Woche stapften mehr als 12.000 Teilnehmer durch die über 30 in die Wüste gepflanzten Zelte, die um die 300 Anbieter beherbergten. Die Atmosphäre war latent aggressiv, aber offen; ein großer freizügiger Basar, bei dem amerikanische Unternehmen wie Northrop Grumman, Boeing und General Dynamics Waffen an so gut wie jeden verkauften, der sie sich leisten konnte.
Ich wurde Zeuge, wie Repräsentanten fast aller Nationen Millionen von Dollar für schweres Kriegsgerät ausgaben. Ich hörte von hochrangigen Offizieren Sätze wie: „Wenn ich in den Ruhestand gehe, sitze ich auf der anderen Seite des Tisches—ha ha ha ha.“ Das bedeutet, dass es für Generäle mit staatlichen Bezügen von circa 100.000 Dollar im Jahr nichts Ungewöhnliches ist, das Ende ihrer Karriere damit zu verbringen, Waffen im Wert von Milliarden von der Rüstungsindustrie zu kaufen, die diesen älteren Offizieren wiederum im Gegenzug „Beraterposten“ auf staatlicher Seite mit Multimillionen-Dollar-Gehältern anbietet. Es ist unverfrorene Bestechung. Das Ganze ist so korrupt, dass es ans Absurde grenzt. Und Absurdität war, wie sich herausstellen sollte, das durchgängige Motto der Konferenz.
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