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Teenage Riot: Spaniens neue Revolutionäre

Die Großstadtkommunen Barcelonas

Es gibt eine neue Subkultur in Barcelona—bestehend aus Arbeiterfamilien und anarchistischen Punkrock-Jugendbanden, die dank des globalen Wirtschaftszusammenbruchs und des Abbaus im spanischen Sozialwesen zur Koexistenz gezwungen sind.



Der Bezirk Nou Barris in Barcelona ist im Januar geradezu wunderschön. Wenn die Sonne untergeht, werden die umliegenden Hügel und Täler in sanftes Licht getaucht, während der violett leuchtende Himmel sich langsam schwarz färbt. Direkt vor Ort jedoch stinken die Straßen nach Pisse, Fäkalien und Müll, und die Anwohner sondern fühlbare Verzweiflung ab, so als würden sie ihr Elend regelrecht ausschwitzen.



Die hausgemachten Probleme von Nou Barris begannen 2008, als die Banken zusammenbrachen, und lächerliche Hypothekengeschäfte, die mit armen Familien abgeschlossen worden waren, langsam diejenigen zugrunde richteten, denen sie eigentlich helfen sollten. Viele Einwohner arbeiteten im Baugewerbe und verloren ihre Jobs, als über Nacht der Markt für preiswertes Wohnen kollabierte. Anders als auf anderen Märkten dieser Welt ist es in Spanien nicht so, dass einem die Schulden erlassen werden, wenn man die Hypothek nicht mehr zahlen kann. Das Ergebnis sind obdachlose Familien mit Schulden in Höhe von bis zu 200.000 Euro. Nirgendwo in Barcelona wurden die staatlichen Zwangsräumungen so gnadenlos umgesetzt wie in Nou Barris.



Da es kaum mehr soziale Dienste gibt, bleibt es einer stetig wachsenden Gruppe von Anarchisten, Hippies und Punkrockern überlassen, die immer zahlreicher werdenden Massen obdachloser Arbeiter mit dem Nötigsten zu versorgen. Sie zeigen ihnen, wie man aus Mülltonnen gesammelte Lebensmittel zubereitet. In den besetzten Wohnungen befinden sich haufenweise faulendes Gemüse und Garnelenschalen aus den Müllcontainern der Restaurants, in denen reiche Touristen dinieren.



Letzten Monat begegneten wir dem 15-jährigen Tete Delgado. Er ist derart fasziniert von der anarchistischen Punkszene Barcelonas, dass er sich mittlerweile die Nägel mit demselben billigen Nagellack schwarz lackiert wie seine Freunde: Vero, ein Skinheadmädchen, und Pol, ein langhaariger Hippie. Die aktiven Hausbesetzer quartieren Familien um. Auf dem Dach eines Hauses zeigten Pol und Vero uns die Werkzeuge, die sie benutzen, um abgesperrte Häuser mit Licht, fließend Wasser und Schlössern zu versorgen. Wieder ein herrlicher Tag in Barcelona.

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