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Beim „/slash einhalb“ werden wir wieder Tränen der Angst vergießen

Das Filmfestival zeigt uns geballten Horror aus Deutschland, eine Home Invasion in bunten Bildern und leider keinen Ryan Gosling, der steht nämlich hinter der Kamera.

Warten ist etwas für Pensionisten und Müßiggänger, aber nicht für Fans von faszinierend verstörenden Horror- und Fantasy-Filmen. Neues Blut muss fließen und das am besten bald. Zum Glück kann der Blutdurst Ende April wieder gestillt werden, wenn das /slasheinhalb in eine neue Runde geht. Drei Tage lang wird in Wien trotz frühlingshaften Temperaturen und Gefühlen das nackte Grauen Einzug finden. Und obwohl das /slash sich vor allem an Szene-Publikum richtet, sind Filme dabei, bei denen man sich im Kino ganz harmlos an den Spring Fling drücken kann, ohne ihn wegen springbrunnenartigen Blutfontänen anzuspeiben.

Nur um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen: German Angst (Mi, 29. April, 20:00) ist für diese Kuscheltiere unter den Kinogängern nicht geeignet. Die Bezeichnung „German Angst" steht im englischsprachigen Raum für eine typisch deutsche Herangehensweise an Dinge steht, geht es hier vielmehr um das nackte Grauen, der sich wie ein nass-kalter Lappen um den Hals legt und immer enger geschnürt wird, bis man der eigenen Psyche nicht mehr vertraut.

Für diesen Episodenfilm haben sich drei Großmeister des deutschen Horrors zusammengefunden. Und die Herren Jörg Buttgereit, Andreas Marschall und Michal Kosakowski geben sich bei diesem Triptychon der Angst alle Mühe, die Fans nicht zu enttäuschen. Buttgereit steuert Szenen von einer Frau mit Selbstverletzungslust bei, Marschall beobachtet einen Modefotografen im Sexclub und Kosakowski lässt Neonazis mit einem polnischen Pärchen kollidieren. Was diesen Film zu einem anti-harmlosen Epos der Gewalt macht, ist vor allem der rohe Stil der Filmemacher. Die Kamera wird draufgehalten, während geschlitzt, geblutet und gekreischt wird, ohne auch nur ein Bildchen der Fantasie des Publikums zu überlassen.

Hier treffen die Werewolf Women of the SS auf Buttgereits blutende Frauen in Badewannen. Gemeinsam tanzen sie den Bluttango, bis niemandes Körperteil an der richtigen Stelle sitzt. Und das Publikum sitzt hilflos da und kaut Nägel. So muss Horrorkino, damit Horrorkino kann.

Aber wie schon gesagt, müssen die Zartbesaiteten nicht drei Tage lang das Filmcasino meiden, denn da gibt es noch Lost River(Do, 30. April, 20:30). Und das ist nicht nur der Name des Filmes, sondern auch das Phänomen, was in den Höschen vieler passiert, wenn sie hören, dass Ryan Gosling hier Regie führt. Das Schnuckelchen hat Frauen in den Anfang-30ern die Möglichkeit zurückgegeben, wie in ihrer Teenie-Zeit für jemanden auf der Leinwand zu schwärmen, ohne dass es peinlich ist. Schon allein dafür muss man ihn lieben. Leider spielt er bei seinem eigenen Regiedebüt nicht auch noch mit, aber dafür scheint dieser gar nicht schlecht bei der Kritikerriege angekommen zu sein.

In Lost River driftet eine alleinerziehende Mutter in die Unterwelt ab, während ihre Söhne auf sich allein gestellt sind. Dieser Film begrüßt seine märchenhafte Seite, denn er soll als Metapher für den Verfall großer amerikanischer Industriestädte wie Detroit dienen. Die Filmsprache lebt von bunten, aber geheimnisvollen Bildern. Da ist noch diese Liebe zu den Elementen (also für alle Nicht-Esoteriker: Feuer, Wasser, Erde und Luft), weswegen die von grün überwucherten Ruinen ebenso eine große Rolle in der Szenerie spielen, wie lichterloh brennende Gegenstände. Dieser Film verleitet eher zum Träumen, als zum Gruseln. So wie Gosling selber, eben.

Und weil wir schon bei Gosling sind, sollte auch noch The Guest (Do, 30. April, 23:00) erwähnt werden, obwohl der weder so träumerisch auf einem Wölkchen daherfliegt wie Lost River, noch Mister Right in der Hauptrolle hat. Aber irgendwie kann man bei diesem Film das Gefühl nicht abschütteln, es dabei mit der Kehrseite von Drive zu tun haben. Wer sich nicht an diesen großartigen Thriller mit der unglaublichen Musik und der herzzerreißenden Love-Story erinnert, dem ist nur mit sofortigem Anschauen zu helfen.

Da tritt ein irrsinnig höflicher, junger Mann ins Leben einer Mutter, die ihren Sohn im Irakkrieg verloren hat. Er hat mit dem Verunglückten gedient und will nun die Verantwortung für Familie übernehmen. Das klingt wahnsinnig amerikanisch und soll auch so rüberkommen. Hinter der Fassade des Verlusts fängt es schon bald an zu brodeln, als David anfängt, sich in die Dinge der einzelnen Familienmitglieder einzumischen.

Warum dieser Film an Drive erinnert? Weil hier auch sanfter, eher stiller Mann im Vordergrund steht, der nicht nur total höflich, sondern auch ziemlich sexy ist. Mit seinem Welpenblick und gespielter Loyalität gaukelt er Sicherheit vor, die er aber selber zerstört. Das alles wird von einem Electronica-Soundtrack begleitet, der nur so vor Italo-Disco Einflüssen strotzt. Und das erinnert an? Genau, an Drive.

Und weil wir wollen, dass ihr euch genauso auf das Festival freut, wie wir es tun, verlosen wir 2x2 Tickets für The Guest, 2x2 für Lost River und 2x2 für German Angst. Schreibt uns einfach eine Mail an win@vice.at mit dem gewünschten Film im Betreff. Mit ein bisschen Glück sitzt ihr dann Anfang Mai Nägel kauend im Kino, während die Tränen der deutschen Angst und der Freude aus euren Augen quellen.