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Der Mann, der den Schatten scheuerte

Wir haben Dr. Rottensteiner, der lange Zeit Stanislaw Lems Agent war, gebeten, uns seine nicht immer einfache Zusammenarbeit mit einem der kontroversesten Philosophen und Autoren unserer Zeit zu schildern.

Intro von Tom Littlewood
Fotos mit freundlicher Genehmigung von DR. Franz Rottensteiner sowie Barbara und Tomasz Lem

In den 70er Jahren veröffentlichte Dr. Franz Rottensteiner in seiner Buchreihe Science Fiction der Welt im Insel Verlag Autoren wie Philip K. Dick, Kobo Abe oder Cordwainer Smith, oft zum ersten Mal auf Deutsch. Später veröffentlichte er in New York die Anthologie View from Another Shore, die dem amerikanischen Publikum europäische Science-Fiction näherbringen sollte und Autoren wie Stanislaw Lem überhaupt erst in den USA einführte. Dr. Rottensteiner agierte lange Zeit als Lems Agent, und beide führten eine enge, wenn auch nicht immer freundschaftliche Beziehung, die 1995 auf unharmonische Weise endete, als Lem Dr. Rottensteiner vor dem österreichischen Gericht auf 100.000 DM verklagte. Für diese Ausgabe haben wir Dr. Rottensteiner gebeten, über seine Zusammenarbeit mit Lem zu schreiben und seine doch sehr persönlichen Einblicke in das Leben und die Gedankenwelt eines der kontroversesten Philosophen und Autoren unserer Zeit zu schildern. Dies ist sein Zeugnis.

Wie man seit zumindest Lukians Vera Historia weiß, ist die Betonung der eigenen Wahrhaftigkeit ein beliebter literarischer Kunstgriff beim Erzählen von Lügengeschichten, und dass Amicus Plato, sed magis amica veritas zu den Lieblingssentenzen des polnischen Science-Fiction-Autors Stanisław Lem gehörte, hätte mich misstrauisch machen sollen, aber ich war damals wohl doch, wie Lem es in einem Brief an seinen amerikanischen Übersetzer Michael Kandel ausdrückte, ein „fürchterlicher Einfaltspinsel“, der ihn für einen wahrheitsliebenden Menschen hielt, obwohl er die Phrase gerne dann gebrauchte, wenn er Bosheiten über andere Menschen von sich geben wollte. Bekanntlich wird nirgends so viel gelogen wie in der Liebe, im Krieg—und vor Gericht, wie ich herausfand, als mich Lem gegen Ende unserer Beziehung vor dem Handelsgericht Wien verklagte.

Als ich mit Lem in Kontakt kam, war ich ein begeisterter Leser von Science-Fiction, vorwiegend der amerikanischen, aber mit einem großen Interesse an fantastischer Literatur aus aller Welt. Ich hatte Lem in verschiedenen DDR-Ausgaben gelesen, und als Der Unbesiegbare erstmals in deutscher Sprache erschien, sandte ich ihm eine Rezension. Lem schrieb mir daraufhin einen Leserbrief, und daraus entwickelte sich ein lebhafter Briefwechsel. Lem wollte damals ein Buch über die westliche Science-Fiction schreiben, hatte aber keinen Zugang zu den Quellen. In mir sah er wohl einen willkommenen Lieferanten, denn ich sandte ihm Unmengen von Science-Fiction, die er nicht zurücksandte, weil das damals, wie er sagte, verboten war, denn der polnische Staat ging von der Annahme aus, dass für den Kauf wertvolle Devisen aufgewendet worden waren. Diese Bücher und andere, die ihm zugesandt wurden, verkaufte Lem dann in polnischen Antiquariaten. Um 1970 erhielt ich dann die Gelegenheit, im Insel Verlag, später dann bei Suhrkamp, Science-Fiction herauszubringen, und publizierte Lem als den Autor, der meinem Ideal von Science-Fiction am nächsten kam. Die Bücher waren von Anfang an sehr erfolgreich. Irgendwann kam mir dann der Gedanke, dass ich mehr für Lem tun konnte, wenn ich sein literarischer Agent würde, und arrangierte in der Folge bis etwa 1995 alle seine Ausgaben im westlichen Ausland, an die 300 Verträge, mit Ausnahme Deutschlands, wo ich nie sein Agent war. Suhrkamp war für Lem ein Glücksfall, zwar wäre seine Science-Fiction auch so erschienen, aber schwerlich—in Anbetracht der enormen Übersetzungskosten—die umfangreichen essayistischen Schriften wie Phantastik und Futurologie oder Philosophie des Zufalls und andere, die kaum Resonanz hatten. Dass er von Insel/Suhrkamp verlegt wurde, hat zum Ausmaß der Beachtung beigetragen, die er im deutschen Sprachraum fand.

Der deutsche Erfolg hatte auch seine Schattenseiten, weil Lem sich einbildete, er müsste überall in der Welt so erfolgreich sein, was aber beileibe nicht der Fall war. In Deutschland hat er mehr verdient als in allen übrigen westlichen Ländern zusammen. Es gab zwar viele Lem-Ausgaben, vor allem im Gefolge seiner amerikanischen Bücher, aber die Verkaufsziffern waren mäßig und die Tantiemen überschritten kaum die geringen Garantiehonorare. Nur Solaris war, vor allem dank der Tarkowski-Verfilmung, ein bescheidener Erfolg. Zuweilen haben mich polnische Fans zum „Bestsellerstatus“ von Lem in den USA befragt; aber dort war der Absatz so gering, dass sein Verlag Harcourt in Anbetracht der hohen Übersetzungskosten mit ihm nie Geld verdient haben kann. 3.000 bis 4.000 Stück für gebundene Ausgaben scheinen das Limit gewesen zu sein, und die Taschenbücher verkauften sich kaum besser.

Als es schließlich zum Bruch zwischen uns kam, weil er einen Agenten an Ort und Stelle haben wollte (aber nach meiner Zeit erschien kein einziges neues amerikanisches Lem-Buch mehr), sagte Lem auch, er wünsche sich einen „dynamischeren“ Verlag. Allerdings ist es in den USA selten, dass ein erfolgloser Autor lieferbar gehalten wird, und die meisten Verlage hätten seine Bücher schon längst makuliert. Er trennte sich von Harcourt nach einer Serie immer beleidigenderer Briefe an den Verlag, weil er die Rechte an einer Kurzgeschichtensammlung zurückhaben wollte. Er stellte sich wohl vor, die schon übersetzten Geschichten gleich an einen anderen Verlag verkaufen zu können, aber sie sind bis heute nicht erschienen.



Ich habe Lem im Lauf der Jahre mehrmals besucht und getroffen. In Krakau bewohnte er ein bescheidenes Einfamilienhaus, er war ein überaus aufmerksamer und liebenswürdiger Gastgeber. Der einzige Luxus, den er sich leistete, war ein Mercedes und der Schinken, den ihm eine Bäuerin regelmäßig heimlich über die Felder von hinten ins Haus brachte. Später baute er sich von seinen ausländischen Einkünften eine riesige Villa, die zum bestaunten Objekt für die lokale Bevölkerung wurde, die zur Besichtigung hinpilgerte. Für Dollar, die heimliche polnische Währung im Kommunismus, bekam man alles, was es in Polen eigentlich nicht gab. Die Badezimmer waren aus italienischem Marmor, weil gerade die Wawel-Burg renoviert wurde, das Blech für das Dach kam vom Überschuss einer ländlichen Genossenschaft und die Bauarbeiter, die das alles anfertigten, nahmen eben manchmal „Urlaub“ von ihren offiziellen Baustellen und rückten mitsamt ihren Baumaschinen an, um am Haus Lems zu schaffen.

Ich schlief in dem Häuschen im Keller zwischen Stößen von Lems Belegexemplaren.

In Krakau erlebte ich ihn auch zum ersten Mal richtig wütend. Irgendein Funktionär rief an, und er brüllte nur „Nein, nein!“. Seine Frau suchte die Leute dann immer zu besänftigen. Vor seinen Wiener Jahren machte Lem mehrmals Urlaub in Österreich, obwohl er es nicht liebte zu reisen und sich gerne als „Immobilie“ bezeichnete. Er war auch in Österreich, als der polnische Papst zum ersten Mal seine Heimat besuchte, und da Lems Frau eine gläubige Christin ist, kaufte ich eigens einen Fernsehapparat, damit sie sich den Papstbesuch in Wien ansehen konnte.

Mein größter Fehler war wohl, dass ich Lem, als er Polen nach Ausrufung des Kriegszustandes verließ, einlud, nach Österreich zu übersiedeln. In der Öffentlichkeit gab er sich gerne den Anschein eines überlegenen, allein an wissenschaftlicher Erkenntnis interessierten Geistes. In einem frühen Spiegel-Essay gerierte er sich als „Sklave der Logik“, der nicht anders konnte, als logisch zu denken. Er konnte, wenn er es darauf anlegte, äußerst charmant sein. Aber im alltäglichen Umgang, als er in den 80er Jahren mehrere Jahre lang in Wien lebte, ich ihn fast jede Woche sah und aus nächster Nähe studieren konnte, entdeckte ich keinen großen Mann, sondern einen Menschen, der höchst unsicher war, von Zweifeln und Ängsten geplagt, die er durch forsches Auftreten zu übertünchen suchte, voller Launen und Vorurteile. Seine repetitive Konversation bestand aus Monologen, und wenn man ihm widersprach, verstieg er sich zu immer absurderen Argumenten.


Lem auf einem Berggipfel im Tatra-Gebirge in der Nähe von Zakopane, 1955

Er war ein Mensch voller Gegensätze, in gewisser Hinsicht großzügig, in anderer pedantisch kleinlich, Unbekannten blind vertrauend ebenso wie misstrauisch bis zur Paranoia, sehr auf Geld bedacht, aber nicht rational kalkulierend, in der Tat völlig unökonomisch denkend. Eine häufige Redewendung in Wien war „am Hungertuche“ nagen.

Sein Verleger Dr. Unseld empfahl ihm einen Wiener Anwalt, falls er einmal einen bräuchte. Lem brauchte keinen, aber er suchte den Anwalt trotzdem auf, um sich ihm vorzustellen, wofür er nach Jahren eine saftige Honorarrechnung erhielt, obwohl der Anwalt ihm nicht mehr als guten Tag gesagt hatte.

Zuweilen gab er sich als der große Schriftsteller, den Geld überhaupt nicht interessierte, dann wieder feilschte er um jeden Groschen. Im Zweifelsfall siegte der Mammon über den Künstler.
Wenn er etwas durchsetzen wollte, drohte er mit dem „Abbruch der diplomatischen Beziehungen“. „Verhandlungen“ leitete er gerne damit ein, dass er einen Wutanfall darüber bekam, was man ihm schon wieder angetan hätte, und sich erst allmählich beruhigte, wenn man ihm zugestand, was er erreichen wollte.

Er hasste den Kommunismus, und machte im privaten Umgang auch kein Geheimnis daraus, betonte aber, er habe keine Lust, „Märtyrer“ zu werden. In der Öffentlichkeit vollführte er immer elegante Verrenkungen, wenn er auf politisch heikle Fragen angesprochen wurde. Seine Abneigung gegen den Kommunismus entsprang nach meinem Eindruck nicht politischer Überzeugung, sondern rührte vor allem daher, dass er die kommunistischen Funktionäre für Dummköpfe hielt. Und weil er keine Autorität über seinem Willen anerkennen wollte. Er schrieb wohl Protestbriefe an die Staatsführung, aber das war m. E. eine reine Alibihandlung, weil er genau wissen musste, dass diese Briefe bloß abgelegt werden würden und ihm nichts passieren würde, solange er nicht an die Öffentlichkeit ging. Andererseits erachtete er es als selbstverständlich, dass ihn das Regime förderte. Das ZK-Mitglied Szlachcic suchte ihn einmal auf und versprach, man wolle etwas für ihn tun, so für den Nobelpreis nominieren. Allerdings wurde der Mann entmachtet, ehe es dazu kam. Wenn sich Lem gefährdet fühlte, schwieg er, aber wenn er glaubte, in einer Position der Stärke zu sein, wurde er recht heftig, so in seinen Polemiken gegen den Strukturalismus, der auf Werturteile verzichtete, weshalb sich Lem als Verteidiger der „Kultur“ ins Zeug warf. Opportunismus pur.

Andere Menschen beurteilte er nach ihrer Nützlichkeit für ihn. Werner Berthel z. B. war jener Lektor, dem er das meiste zu verdanken hatte. Berthel hat ihn bei Unseld durchgesetzt. Als Berthel vom Insel Verlag als Cheflektor zu S. Fischer ging, verkaufte ihm Lem während seiner Zeit am Wissenschaftskolleg in Berlin den Roman Fiasko für 95.000 DM. Das hatte er Dr. Unseld zu verdanken, den das gewiss nur einen Telefonanruf kostete. Lem sah dieses Verhalten als Zeichen seiner Unabhängigkeit, weil das Geld nicht aus „Dr. Unselds Tasche“ kam, und weil er nicht so sein wollte wie die „speichelleckerischen“ Suhrkamp-Autoren, die Dr. Unseld zum 60. Geburtstag gratulierten. In Wirklichkeit war es nur schäbig. Berthel war aber für ihn gestorben, als er als Cheflektor beim Deutschen Taschenbuch Verlag ein Vorwort Lems zu einem Buch Bartoszewskis für unpassend hielt. Der Verleger entschied gegen Berthel, aber seitdem verzog Lem grimmig das Gesicht, wenn man den Namen Berthel auch nur erwähnte: Er war zum Feind geworden.
 


Der Autor und Lem bei einem Ausflug im Schloßpark von Schönbrunn

Ich bin überzeugt davon, dass er den Prozess gegen mich mit einem Streitwert von 100.000 DM nur anstrengte, weil er glaubte, ich würde ihn mir nicht leisten können (in Lokaltermin gibt es eine Passage, in der jemand mit viel Geld zu Tode prozessiert wird), und ich hätte Angst vor ihm. Zuvor hatte er mir ein Anwaltsschreiben geschickt, in dem ich mich zur Zahlung von rund 70.000 DM (ohne richterliches Mäßigungsrecht) verpflichten sollte, wenn ich ihn in „irgendeiner Form“ beleidigte (und noch etliche andere kuriose Punkte). Den Prozess, der nichts Sinnvolles einklagte, sondern nur darauf angelegt war, mir Kosten zu verursachen, verlor er nach Strich und Faden. In Berufung ging er nicht. Aber nachdem er vorher versichert hätte, dass mir „selbstverständlich“ für die durch mich abgeschlossenen Verträge die vereinbarte Provision weiter zustünde (er liebte es, Selbstverständliches zu betonen, was ich nie ernst nahm, brach es aber gleich darauf), wies er gleich darauf Verleger an, nur an ihn zu bezahlen, oder zwang sie, neue Verträge zu schließen, die keinen anderen Zweck hatten, als sich Provisionszahlungen zu ersparen. Natürlich hat er nie eine Provision abgerechnet und an mich abgeführt, weil er wohl darauf spekulierte, dass eine Klage wegen solch winziger Beträge sinnlos wäre, die Erfolgsaussichten vor einem polnischen Gericht gegen den „hervorragendsten Sohn Polens“ zu gering, und die Kosten zu hoch, da die englischsprachigen Dokumente ins Polnische hätten übersetzt werden müssen.

Lem hielt sich für einen Mann, dessen Wort etwas galt, zumindest durfte man es nicht anzweifeln, aber die „Naturgesetze“ verhinderten immer, dass er seine oft großzügigen Versprechen hielt.

Ich habe Lem einmal den „dialektischen Weisen aus Krakau“ genannt, was ein eklatanter Irrtum war. Zweifellos war Lem hochintelligent (er pflegte gerne zu erwähnen, dass er als das intelligenteste Kind in ganz Südpolen getestet worden war), wenn auch mit gewissen Defiziten (in mathematischer Hinsicht war er Analphabet), aber „weise“ war er beleibe nicht. In gewisser Weise ist er immer ein Kind geblieben, und noch dazu ein oft ziemlich bösartiges Kind. Seine Menschenkenntnis war sehr bescheiden, und seine Sozialisation rudimentär. Es muss ihn arg getroffen haben, dass seine engsten (und wohl einzigen Freunde), der Literaturtheoretiker Jan Błonski und der Schriftsteller Jan Jozef Szczepa´nski, so gar kein Interesse an seiner Literatur hatten. Szczepa´nski hat ihm in einem kurzen Artikel nur bestätigt, dass er Fantasie habe, und Blonski schrieb einen einzigen Essay über seine Science-Fiction, der zeigte, wie fremd sie ihm war.

Obwohl Lems Leistungen in der Science-Fiction formidabel waren, wollte er mehr scheinen, als er war. Seine Behauptung, dass er ohne wissenschaftliche Literatur nicht leben konnte, gehört dazu. Gerade, dass er den Scientific American überflog, der laut Lem für die „Science Fictioneers“ nur Arschwischpapier war. Dem Science-Fiction-Autor Gregory Benford (einem prominenten Physikprofessor, der u. a. mit Edward Teller zusammengearbeitet hatte), sprach er das Recht ab, über Fragen der Kosmologie zu schreiben. Es gibt viele Science-Fiction-Autoren, die als genuine Wissenschaftler nicht auf populärwissenschaftliche Zeitschriften angewiesen sind. Besonders Frauen hielt er für Geschöpfe zweiter Klasse. Als sich Ursula K. Le Guin bei ihm beschwerte, dass er sie in einem autobiografischen Essay im New Yorker nicht erwähnt habe, erwiderte er ihr völlig richtig, dass sie in seiner Entwicklung als Schriftsteller keine Rolle gespielt habe. Aber er nahm das als Anlass, mir ausführlich zu dozieren, dass Frauen eine zweitrangige Fantasie hätten und nie so gut schreiben könnten wie ein Mann. In Fiasko schrieb er, dass Frauen als Kinder gebärende Wesen im Weltraum nichts zu suchen hätten (eine Stelle, die in der amerikanischen Fassung gestrichen wurde).

Als Schriftsteller zeichnet er sich durch einen erstaunlichen Einfallsreichtum aus, aber dass er über keinerlei Beobachtungsgabe verfügte, beweist eine Episode, die Jacek Rzeszotnik ausgegraben hat. In Zu Gast in drei Welten erzählt Christian Graf von Krockow folgende kleine Anekdote von seinem Kollegen aus Krakau: „Von 1982 bis 1983 habe ich mit ihm ein Jahr im Wissenschaftskolleg zu Berlin verbracht. Aber bald nach unserer Ankunft erschien er bei mir und erklärte: ,Herr von Krockow, es tut mir Leid, ich muss wieder abreisen.‘ ,Um Himmels willen, Herr Lem, warum denn?‘ ,Weil vor mir ein Schwein hier gehaust hat. Ja, ein Schwein, ein Schwein. Ich brauche meine Badewanne, sonst fällt mir nichts ein. Aber ich kann sie nicht benutzen.‘ ,Und was hindert Sie?‘ ,Der dunkle Drecksrand in der Wanne. Dieser Kerl hat ihn nicht entfernt, und jetzt ist er eingefressen. Seit drei Tagen scheuere ich schon, mit den schärfsten Mitteln, die ich in der Stadt finden konnte, und ich kriege ihn nicht weg.‘ Ich versprach, mich sofort um die Sache zu kümmern, und holte den Hausmeister. Gemeinsam betraten wir das Badezimmer. ,Sehen Sie da, dieser dunkle Rand—dieses Schwein!‘, empörte sich Lem einmal mehr. Der Hausmeister und ich sahen uns an, und ich sagte: ,Gestatten Sie, Herr Lem, dass ich die Lampe anstoße?‘ Sie schaukelte—und mit ihrem Schirm die Dunkelheit in der Wanne. Drei Tage lang hatte der berühmte Science-Fiction-Autor einen Schatten gescheuert.“