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Es gibt ein Festival in China

Während den besinnlichen, ruhigen und verdammt langweiligen Feiertagen wollen wir nochmal einen Blick in die Vergangenheit werfen und erinnern uns daran, wie verdammt verwirrt wir von der chinesischen Festivalkultur waren.

Die netten Leute des Zebra-Festivals luden mich dazu ein, zu beweisen, dass man in China Spaß haben kann und dass das Land eben keine kommunistische Hölle ist und irgendwann jedwede Kreativität verbieten wird, sobald es erstmal die Weltherrschaft an sich gerissen hat. Mit diesem Auftrag fuhr ich in das entlegene Sichuan.

„China hat großartige Bands!“, erzählten sie mir mit absoluter Ernsthaftigkeit, „Und jeder ist herzlich dazu eingeladen, sie zu hören!“ Eigentlich haben sie mit dieser Aussage nicht gelogen, dennoch haben sie nicht erwähnt, dass „jeder“ auch wirklich jeden Polizisten der Provinz mit einschloss.

Doch abgesehen von den Polizisten gab es wirklich ein gesamtes Wochenende lang Bands und anderes Zeug, das man so von einem Festival erwartet, auf einem Feld vor den Toren von Chengdu. Außerdem hat es wirklich Spaß gemacht, das kann ich nun bestätigen. Hier sind einige Beweise dafür, dass es wirklich Festivals in China gibt.

BEWEISSTÜCK A—EINE BÜHNE

Wie auch bei uns im Westen hätte das Publikum ohne eine Bühne keinen Fixpunkt, auf den sie zielen können, wenn alle anfangen, ihr Bier und/oder ihre Pisse durch die Gegend zu werfen. Durch einen echt seltsamen evolutionären Umstand ist die Pisse von Chinesen zudem leichter als Luft, weshalb man Festivals in China leicht daran erkennen kann, dass über ihnen gelb-grüne Colaflaschen durch die Luft schweben. Ein schöner Anblick, wie ein Schwarm Vögel auf seiner Reise in den Süden.

BEWEISSTÜCK B—FANS

Die chinesische Festival-Kultur steckt noch in ihren Kinderschuhen und diese Typen haben deshalb nicht den Luxus, von vorherigen Generationen Wissen über die richtige Etikette auf einem Festival vermittelt bekommen zu haben. Ihr kennt bestimmt die Geschichten über das chinesische Publikum, dass sich Auftritte in bedächtigem Schweigen ansieht, um danach den Müll, den sie gemacht haben, aufzusammeln und wieder mit nach Hause zu nehmen. Nun, das gesamte Wochenende war genau so.

BEWEISSTÜCK C—TOILETTEN

Das hier sind die Toiletten. Von außen wirken sie opulent und geräumig, doch ich kann euch versichern, dass sie im Inneren genauso ekelhaft und widerwärtig sind wie die Toiletten, die wir von zuhause gewohnt sind. Witzigerweise stehen sie in bestern Punk-Manier direkt neben den Grundstücken von Chinas neuer Geldelite. Man könnte ihnen also direkt vor die Tür kacken, doch sollte sich das gründlichst überlegen, wenn man nicht weggekarrt und in ein Kellerloch geworfen werden will, wo man dann nur die Gesellschaft von Ai Wei Wei hat.

BEWEISSTÜCK D—BANDS

Es spielten wirklich eine Menge echt guter Bands aus China, wie zum Beispiel Bigger Bang, Mosaic und Brain Failure, doch daneben spielten auch äußerst bizarre International Acts, von denen man abseits dieses Festivals noch nie zuvor gehört hat. Dieser Typ spielt in einer französischen Band namens Success und war eine Kreuzung zwischen Dick Valentine von Electric Six und Dan, dem Swinger aus dieser Alan Partridge-Episode, in der Alan ständig und immer wieder „Dan!“ brüllt. Der Typ hatte diesen Spleen, ständig seine Jacke verkehrt herum anzuziehen und so zu tun, als wäre es eine Zwangsjacke. Das ging natürlich voll nach hinten los, denn anstatt eine Geisteskrankheit mit ihm zu assoziieren, glaubte jeder, er würde den großen Vorsitzenden Mao verarschen.

BEWEISSTÜCK E—POLIZEI-KAMPFHUBSCHRAUBER

Moment, wie bitte? Oh, na gut, das Festival war doch ziemlich abgefahren. Das Ding zirkelte das gesamte Wochenende über dem Festival und wartete wahrscheinlich nur darauf, ein paar Kids vor der Bühne in die Luft zu jagen, sobald sie subversiv gegen den Staat vorgehen würden.

BEWEISSTÜCK F—SECURITY

Es war ziemlich schwer, die Polizei nicht wahrzunehmen. Hier seht ihr, wie sich die Polizei zu Beginn des Festivals aufgestellt hat, um jedem klar zu machen, dass sie auch Bock auf Party hatten. Ich frage mich noch immer, wieviel es den chinesischen Staat gekostet haben, muss all diese Typen einzufliegen.

Mehr Beweise dafür, dass es Festivals in China gibt, findet ihr auf der nächsten Seite.

Schaut euch nur all diese Polizisten an!!!

Aus irgendeinem Grund trug dieser Typ ständig einen Helm und schrie junge Mädchen an, die er eigentlich anmachen wollte.

Trotz der beeindruckenden Präsenz, die sie an den Tag legten, war die schiere Anzahl von ihnen für die Größe des Festivals einfach zu gewaltig, also hatten die meisten nicht viel mehr zu tun, als herumzuhängen, ihren Freundinnen SMS zu schreiben und Frisbee zu spielen.

Mehr auf Seite drei.

Was auch immer ich in meiner journalistischen Karriere noch erreichen werde, ist mir ab sofort egal. Ich könnte sofort tot umfallen und wäre mir sicher, dass irgendwer irgendwann diesem Typen einen Joint in seine rechte Hand photoshoppen wird und damit einen Internet-Meme auslösen wird, der wahnsinnig beliebt sein wird, bis sich die Leute gelangweilt wieder abwenden. Date nur junges Fleisch, lebe auf mittlerem Niveau und hinterlasse ein Imperium, das ist mein Motto. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich übrigens auf dem Festival zu hause.

Vielleicht war eine der größten Leistungen dieses Festivals aufzuzeigen, wie dick die Kids mit den Cops waren. Hier sind ein paar „Am Ende des Tages sind wir doch gar nicht so verschieden“-Momente.

Die Polizisten waren noch immer mit ihrem Frisbee ausgelastet, und so schaffte es diese gestörte Frau auf das Festival. Sie verbrachte die gesamte Zeit damit, irgendwelche unsichtbaren Feinde zu erschießen. Ich wollte sie eigentlich fragen, warum sie soviel Geld für ein Ticket ausgegeben hat, um etwas zu tun, das sie eigentlich auch überall anders tun könnte, doch ich war zu verängstigt.

Die Polizei schaffte es nicht einmal, den Verkauf solcher Hüte zu unterbinden.

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Da wir hier ja immer noch bei Vice sind, wollt ihr bestimmt auch sehen, was man so auf einem chinesischen Festival trägt. Hier sind also ein paar Bilder der Generation, deren Kinder irgendwann unsere Kinder versklaven werden:

Dieser Typ wünschte sich nichts sehnlicher, als in Koh Samui zu sein und dummen australischen Rucksacktouristen zu teure Blowjobs anzudrehen. Stattdessen arbeitet er 36 Stunden pro Tag in einer Fabrik, die Reisverschlüsse auf Gasmasken für die Perversen in Amsterdam näht.

Das ist der Trompeter der chinesischen Ska-band The Trouble. Ich kann nicht einmal versuchen, euch zu beschreiben, wie sich eine chinesische Ska-Band anhört. Das Konzept ist einfach zu fremdartig.

Bebop & Rocksteady.

Das Mädchen in der Mitte war heiß, doch leider Gottes haben sexy Cosplay-Mädchen in China nicht viel zu lachen, bis die Japaner sich für Nanjing entschuldigen.

Sie glaubt bestimmt, sie würde Hugh Grant daten, doch Hugh Grant lief nicht davon, um einen Sandalen und Sari-Nervenzusammenbruch irgendwo in Asien zu erleiden.

Über ihn kann ich nichts Schlechtes sagen. Er hat einfach nur Spaß.

Die Rückreise war hart, da die Cops Anspruch auf die öffentlichen Verkehrsmittel hatten, doch im Großen und Ganzen bekommt das Zebra-Festival zwei nach oben gestreckte Daumen und die Welt weiß nun auch endlich, dass es Festivals in China gibt und sie gar nicht mal so übel sind. Danke China, ein wenig mehr davon und weniger Neo-Imperialismus in Afrika und ich werde mein erstes Kind Deng XiaoPing nennen.

Fotos: Alex Hoban & hugh Bohane