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Google Feud: Die Zufälligkeit des Internets als Spiel

Das Internet hat viele Gesichter und nicht alle davon sind schön. Mit dem Spiel „Google Feud" könnt ihr jetzt im Stil von „Familienduell" die hässlichsten Untiefen von Google Autocomplete erkunden.

Das Internet hat viele Gesichter. Es ist gleichzeitig der Porno-Keller und das ausgelagerte Gedächtnis der Welt und vor allem eine ganze Menge Unterwasserkabel. Hier ist die nächste Lemon Party genauso weit entfernt wie die Info, warum die Zeit vermutlich in 5 Milliarden Jahren enden wird und dieses wahrscheinlich verstörendste GIF überhaupt.

Aber das Schönste am Internet ist keine einzelne Sache, sondern der Umstand, dass es all die seltsamen Dinge dieser Welt ohne Kommentar nebeneinanderstellt. Es ist wie ein Museum, das gleichzeitig Penisse, Fertignudeln, Haare und gescheiterte Beziehungen ausstellt (und passenderweise der Ort, an dem es natürlich längst einen Artikel zu allen diesen Museen gibt).

Diese zusammengewürfelte Zufälligkeit wird nirgendwo so deutlich wie bei Googles Autocomplete-Funktion. Hier trifft unsere eigene Suchanfrage innerhalb weniger Sekunden auf den gesammelten Wahnsinn der Welt. Und weil Regel Nummer 34.3. des Internets besagt: „Wenn es existiert, gibt es eine App dafür", war es nur eine Frage der Zeit, bis die ephemerischen Autocompletes in eine (natürlich Web-basierte) Anwendung gegossen wird.

Das Ding heißt Google Feud und ist eine Mischung aus beinhartem Voyeurismus und Familienduell (im Englischen Family Feud und damit Namensgeber des Spiels). Und weil wir uns als kommunikative, neugierige Wesen natürlich für genau so einen Bullshit interessieren und am liebsten ununterbrochen miteinander spielen, ist es auch verdammt süchtigmachend und aufschlussreich.

Zumindest, wenn man Anleitungen wie „How to kill a sim in sims 4", Fetisch(?)-Fragen wie „Where do I buy human skin?", Bekenntnisse wie „I like guys with acne", erkenntnistheoretische Fragen wie „Can pigs eat bacon?" und Verschwörungstheorien wie „Obama is from outer space" als aufschlussreich bezeichnen kann.

Das gab es zwar vor dem Netz auch schon so ähnlich beim Fernsehen, wenn man auf der gezielten Suche nach seiner GZSZ an Musikvideos von Major Lazer oder Vera Int-Veens Umdekorierung von Messie-Wohnungen vorbei zappen musste. Aber der wesentliche Unterschied ist, dass im Internet nicht 40 Sender den Wahnsinn diktieren, sondern jeder selbst zum Sender wird und der Wahnsinn damit nicht mehr die Hürde eines Programmdirektors nehmen muss. Der einzige Filter zwischen uns und der gesamten Verrücktheit der Welt ist heute der Quantifizierungs-Algorithmus von Google.

Hier geht's zum Spiel:

Markus auf Twitter: @wurstzombie