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Hiniche Weihnachten

Vor einem Jahren waren wir auf dem alljährlichen Weihnachtskonzert der Hinichen. Dieses Jahr musste das Konzert auf Initiative der Grünen abgesagt werden. Wahrscheinlich wäre es so geworden.

2012 waren wir auf dem alljährlichen Weihnachtskonzert der Hinichen. Es war hart. 2013 haben die Grünen dann dafür gesorgt, dass ihr Konzert im Gasometer abgesagt wurde. Für jeden, der jetzt wissen will, wie das eigentlich so ausschaut dort, und wie es wohl auch 2016 ausschaun wird, gibt es hier einen Bericht von Stefanie Sargnagel.

Ich bin seit Jahren großer Fan der Rockgruppe „die Hinichen" und habe vor ein paar Tagen mein erstes Konzert, das alljährlich stattfindende „Hiniche Weihnachten" besucht. Davor hatte ich außer auf Youtube nicht viel Berührung mit den außergewöhnlichen Musikern und ihren Fans. Manche mögen die unverblümte Ehrlichkeit der Band als problematisch sehen, aber in einer Welt, in der das Verwandeln der Pflanzen- und Tierwelt in Kot und der Austausch schlatziger lauwarmer Säfte zu den stärksten menschlichen Trieben zählt, empfinde ich Lieder wie „DIE MUSCHI VON DER USCHI" als göttliche Offenbarung tiefster Wahrheit. Und es war wirklich das Tiefste, das ich jemals erleben durfte.


Ich war sehr aufgeregt beim Ankommen, die Dichte an Spruch-T-shirts war vielversprechend.

Die Vorband ist „Rotzpipn". Euphorisch rufe ich zu meiner Begleitung „Das ist mein Lieblingslied", weil ich die Klänge vom zeitlosen STS-Klassiker Großvoda vernehme. Als gerade der Refrain beginnt und ich schon berührt mitsingen will, begreife ich meinen ersten Irrtum. Die Männerhorden um mich schreien „HERST JAQULINE, DU BIST DIE GRESTE FUT VON SIMMERING", aus „niemals Gewalt, alles bereden" wird ein emotional vorgebrachtes „NIEMOIS IN ORSCH, IMMER VO VURN". Nicht schlecht.

Hier singen alle, den Refrain zu „OWA IMMAHIN" mit: „OWA IMMAHIN, WOR I MIT MEIN FINGER IN DEIM ORSCHLOCH DRIN"
Dazu halten sie ihre Finger in die Luft, das soll symbolisieren, dass sie damit in einem Arschloch drinnen waren. Immerhin.

Ich bin ja sehr offen und begeisterungsfähig für Fäkales und Anstößigkeiten aller Art, fühle mich aber mit der Zeit immer seltsamer, ähnlich einem Afrikaner auf einer Strache - Kundgebung. Merkwürdig wenn alle temperamentvoll „FUT! FUT! FUT!" schreien und man einer der wenigen Besitzerinnen im gefüllten Saal ist. Als der Typ mit der Glatze rechts mir andeutet, er könnte ja auch mir seinen Finger, usw. beschließe ich mir nach dem Konzert sämtliche Körperöffnungen mit Zement zuzugießen.

Und hier sind sie, „die ordinärste Band von Österreich". Anfangs bin ich etwas enttäuscht, Statt Hits, wie „Gruppensex im Pensionistenheim" oder „Fut, du hast den Schwanz gestohlen", singen sie frustriert über Parksheriffs und Radarfallen. Sie kündigen wie immer an, dass das folgende nix für Lulus, Kerzelschlicker und frigide Emanzen sei. Früher meinten sie auch, es wäre nix für Sockenpuderer, aber jetzt wären sie doch draufgekommen, dass Sockenpudern eigentlich ganz leiwand ist.

Bald komme ich aber auf meine Kosten. Hier ein Duett zwischen Jutta Kotz am Stink und Frontman Waldi. Zur Melodie des Heinz Rühmann Hits singen sie abwechseln „Ich leck die Muschis der heißesten Fraun" bzw. „Ich lutsch die Schwänze der..." Irgendwie romantisch.

Bald folgen auch die bekanntesten Lieder. Bei „die Muschi von der Uschi" überraschen sie immer mit neuen Abwandlungen, die auf aktuelle politische und gesellschaftliche Themen Bezug nehmen. Mein Lieblingspart war „Des Eichelspitzl vom Josef Fritzl stinkt a so, stinkt a so, wie a Kellerklo. Der Champus von der Kampusch, der feult aus wia"

Mutig: „die Mumu von der Vassilakou, die sinkt a so" Anscheinend hatten sie da irgendeinen Streit.

Die Haare von dem Typen rochen extrem gut, ohne Scheiß, wie eine Blumenwiese!

Beim großen Hinichen- Werk „Fut, Oasch, Beidl" kochte die Stimmung im Saal, auch da gibt's immer Neukreationen, so sangen sie unter anderem auch von drogenverkaufenden Asylanwerbern etc-. Auch das Lied mit dem Text „EIER KRATZEN, BODEN SCHLATZEN UND HANDY WOS DAUERND LEIT. WICHSE AM KLO VON WETTBÜRO, IST MEI GRÖSSTE FREID, I BIN DA ÜZGUR" klang schon verdächtig nach John Otti Band. Irgendwie hab ich in meiner Naivität angenommen, Verfasser menschenverachtender Porno- und Fäkaltexte wären trotzdem zumindest im Grunde irgendwie weltoffene, antirassistische Fahrradfahrer. Als meine Begleitung diese Problematik am Pissoir mit seinem Nachbarn bespricht, werden im Prügel angedroht. Na gut, o. k. Sieht so die „neue Rechte" aus?

„JEDER KIEBERER UND JEDER GENDARM, IS BEI MIR IM ORSCH DAHAM". Ich glaub, er hat's auch nicht so gecheckt.

Die Atmosphäre wird trotz dem besungenen Ablehnen derart sexueller Praktiken immer homoerotischer.

Auch ich lerne Freunde kennen. Der junge Mann bietet mir nach der vertrauten Schunkelei „Gang Bang am Heisl" an. So viele sexuelle Angebote wie hier habe ich noch nie bekommen (heiß), ich lehne dankend ab, wobei es natürlich was besonderes wäre, mein erstes Gang Bang nach einem Hinichen Konzert zu erleben und der Typ ist ja ganz im Grunde ganz süß.

Ein paar Fans.

Hier noch ein kurzer Gastauftritt von Bertl Besoffski aus Kalksburg. Er singt ein Liebeslied ans Pissoir und Natursekt, weil „Sex ist so anstrengend, aber Brunzen so entspannend."

Meine Begleitung holt sich noch ein Autogramm. Ein wunderbarer Abschluss eines unvergesslichen Konzerts, ich bin erschöpft, traumatisiert und habe viel über den Menschen gelernt, in diesem Sinne: