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Labornotizen von Alexander Shulgin

Wir präsentieren hier eine Auswahl bisher unveröffentlichter Seiten: von Alexander Shulgins ersten Psychedelika-Synthese bis zu seiner späteren Forschung über MDMA-Derivate und Gammastrahlen emittierende radioaktive Psychedelika.

Archivmaterial mit freundlicher Genehmigung des Shulgin Kollektivs

Reproduzierbarkeit ist wesentlich für die wissenschaftliche Methodik, deshalb führen alle guten Chemiker ein Labornotizbuch. Zeichnet man seine Laborarbeit nicht in allen Einzelheiten auf, ist es für andere Forscher später unmöglich, sie zu rekapitulieren. Meist fristen solche Aufzeichnungen auf den vergilbten Seiten vergessener Fachblätter ein trostloses Dasein, aber es wird nie an Chemiebegeisterten mangeln, die darauf brennen, Alexander „Sasha“ Shulgins Synthesen zu wiederholen. Vom ersten Chemiekurs an, in der Zeit seiner Anstellung bei Dow Chemical und auch in den Jahren unabhängiger psychedelischer Experimente mit seiner Forschungsgruppe dokumentierte Shulgin seine Synthesen akribisch in immer neuen Notizbüchern, die zurzeit digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Wir präsentieren hier eine Auswahl bisher unveröffentlichter Seiten: von seiner ersten Psychedelika-Synthese bis zu seiner späteren Forschung über MDMA-Derivate und Gammastrahlen emittierende radioaktive Psychedelika.

Die erste Seite aus Sashas Sammlung. Es handelt sich um eine Fotokopie, die er um 1989 bei Dow machte, als er seine bisherigen Recherchen für PiHKAL zusammentrug, sein Meisterwerk über Phenylethylamine. Die Seite beschreibt die Darstellung der Nitropropenvorstufe für TMA bzw. 3,4,5-Trimethoxyamphetamin, sein erster Vorstoß in die Synthese psychedelischer Amphetamine. TMA ist eine aktive Mischung, der es allerdings an der glückselig machenden Ausgeglichenheit ihres 2-C-Homologs, dem Meskalin, fehlt.

Diese Seite beschreibt die Synthese von α-Ethylmeskalin durch Reduktion der Nitrobutenvorstufe mittels Lithiumaluminiumhydrid. α-Ethylmeskalin erwies sich als inaktives Meskalin-Homolog, doch α-Ethylierung aus anderen Phenylethylaminen brachte so vielversprechende Verbindungen hervor wie MBDB und ARIADNE, deren (R)-Enantiomer unter dem Handelsnamen Dimoxamine zur Wiederherstellung der Motivation seniler Geriatriepatienten patentiert wurde. 

Darstellung von 3,4-Methylendioxyphenylaceton aus Isosafrol mit Ameisensäure und Wasserstoffperoxid. Dieses Keton ist eine frühe Zwischenstufe bei der Synthese diverser bekannter Entaktogene. Der berühmt-berüchtigte Druckfehler in Michael Valentine Smiths Buch Psychedelic Chemistry liest sich wie folgt: „100 ml H2O2 hinzufügen“, obwohl es eigentlich heißen müsste „100 ml H2O hinzufügen“. Nur eine tief gestellte Ziffer zu viel und schon wird aus einer einfachen Substitutionsreaktion eine explosive, nicht enden wollende schwarze Fontaine! 

Darstellung der Nitropropenvorstufe für MADAM-6 (oder über das Keton und die reduktive Aminierung mit Methylamin, 2-Methyl-4,5-Methylendioxymethamphetamin). Sasha stellte fest, das MADAM-6 inaktiv ist, aber wie alle inaktiven Verbindungen eröffnete sie einen wertvollen Einblick in die Struktur-Wirkungsbeziehung verwandter Substanzen. Neuesten Einzelberichten zufolge soll die eng verwandte Aminotetralinverbindung MDMAT bei einer Dosierung von etwa 500 mg aktiv werden und Substitution an der 6-Position die Wirksamkeit entaktogener Substanzen des Typs MDMA reduzieren.

Diese Seite zeigt die Vorbereitung einer Synthese mehrerer radioaktiv markierter Amphetamine zu mit Iod-131 markiertem DOI. Radioaktiv markiertes DOI war ein wirksames Werkzeug zur Bildgebung der zentralen Verteilung serotonerger Psychedelika sowie der Durchblutung des Gehirns. Schließlich entwickelte Sasha eine sehr schnelle Synthese, mit der sich radioaktiv markiertes DOI123 in weniger als der Halbwertszeit von I123 produzieren lässt.