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Sisa: Kokain der Armen

Griechenland hat eine neue Droge. Auf Sisa kannst du nicht mehr schlafen, halluzinierst, dein Herz rast und du empfindest extreme Wutausbrüche. Als ob es dem Land nicht schon dreckig genug gehen würde.

Selbst wenn du Junkie bist, jeden Tag Crystal schnupfst, kein Geld in der Tasche hast und zu allem Überfluss auch noch in Griechenland lebst, wo es im Moment sowieso schon allen scheiße geht, kannst du noch tiefer sinken—indem du abhängig von noch beschisseneren Drogen wirst. Sisa ist eine billige, synthetische Variante von Crystal Meth. Anscheinend wird es mit Batteriesäure hergestellt, um die Kosten auf billige zwei Euro zu senken. In Griechenland ist Sisa gerade auf dem Vormarsch. Wenn du dir den Dreck gibst, fühlst du dich, als würdest du innerlich verbrennen, du kannst nicht mehr schlafen, halluzinierst, dein Herz rast und du empfindest extreme Wutausbrüche. Als ob es dem Land aufgrund der Krise nicht sowieso schon dreckig genug gehen würde. 

Wir waren auf den Straßen Athens unterwegs, um dort die hoffnungslose Situation der Obdachlosen aufzudecken, die gezwungen sind, herkömmliche Drogen mit dem billigeren Sisa zu ersetzen, und hingen mit Konstantinos—einem Abhängigen—, einem Dealer, der Polizei, Ärzten und Einheimischen ab, deren Leben alle von Sisa beeinflusst wurden.

In Griechenland sind die Obdachlosenzahlen seit vier Jahren um 25 Prozent gestiegen, gleichzeitig erhalten sie weniger Hilfe vom Staat, und auch die Unterstützung und Auffangbecken für Drogenabhängige sind gekürzt worden. Drogen wie Kokain, Heroin oder Meth sind schon lange nicht mehr erschwinglich. Sisa hingegen ist viel billiger, und seit 2013 fester Bestandteil der Drogenszene, weshalb die Polizei unter dem Namen Operation Thetis eine neue Taktik eingeführt hat, um obdachlose Abhängige aus dem Stadtzentrum zu vertreiben. Sisa: Kokain der Armen dokumentiert ein aufkommendes narkotisches Desaster, das ein verzweifeltes Sinnbild für die Armut in Griechenland darstellt.