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Blackface bei Sternsingern ist immer noch ein Problem

Im Hinblick auf den Dreikönigstag ziehen jährlich Sternsinger durch's Land, manche von ihnen mit schwarz bemalten Gesichtern. Warum das trotzdem keine Ausrede für Blackfacing ist.

Foto: Norbert Staudt | Flickr | CC BY 2.0 (cropped)

Für die meisten verhält es sich mit den Sternsingern ähnlich wie mit den Zeugen Jehovas. Während der Feiertage sieht man sie schon von Weitem antorkeln in ihren bunten Kutten mit ihrem Weihrauch und diesen komischen Sternenstäben, auf denen hinten immer ein Schummelzettel klebt. Der intuitive Schutzmechanismus: Von der Couch runterrollen, Lichter aus, Jalousien runter, flüstern.

Ich bin keiner von denen. Ehrlich gesagt liebe ich die Sternsinger sogar ein bisschen. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich früher selbst mal einer war, und was man früher selbst mal war, erlebt man ein paar Jahre später einfach gern nochmal als Außenstehender. Man will die Neubesetzungen sehen, die jüngeren Ichs, die Nachfolger. Das gibt einem so ein falsches Gefühl von Erwachsensein.

Sie kamen während der Feiertage. Als ich die Tür öffne, sagen sie kein Wort—müssen sie auch nicht, die Gewänder verpetzen sie ohnehin sofort. Ihre Blicke sind ebenso genervt wie entschuldigend, als würden sie sagen wollen: „Ja, wir sind's, die Sternsinger, lasst uns das einfach hinter uns bringen."

In meiner peinlichen Neo-Großväterlichkeit bewege ich meine Lippen synchron zu ihren Sagern, wie so ein pensionierter Cheerleader, summe sogar leise bei „Stern über Bethlehem" mit. Am Ende kann ich mir ein Klatschen nicht verkneifen, ich stopfe Geld in ihre Kassa und alt gewordene Süßigkeiten in ihre Hände. „Na ihr, geht's euch gut?"—Augenrollen, verlegenes Gemurmel. Ich bin einer von denen geworden. Erst jetzt fällt mir auf: Keines der Kinder ist geschminkt. Zu meiner Zeit (ha!) war das noch anders.

Es gibt zahlreiche Überlieferungen der „Weisen aus dem Morgenland" und damit verbundene Abweichungen, vor allem was ihre Herkunft, ihre Bezeichnung, Namen oder gar ihre Anzahl betrifft. Die bei uns am weitesten verbreitete ist die, in der Caspar, Melchior und Balthasar Könige sind und von drei verschiedenen Kontinenten stammen—Europa, Asien und Afrika.

Foto: Dierk Schaefer | Flickr | CC BY 2.0

In den uns bekannten bildlichen Darstellungen sehen die drei Weisen immer irgendwie exotisch aus. Einer ganz schwarz, einer ganz weiß, einer irgendwas dazwischen—manchmal auch einfach zwei Weiße. Laut der katholischen Jungschar, die die Dreikönigsaktion in Österreich initiiert, steht diese Symbolik dafür, dass „alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, gleiche Rechte und Würde besitzen".

Jede Pfarre, in der es Sternsinger gibt, hat eigene Traditionen was das Schminken der Kinder angeht. Viele verzichten mittlerweile gänzlich darauf, in anderen wiederum werden die Gesichter aller Könige bemalt. Der Asiate wird da beispielsweise gelb geschminkt, bekommt sogar Schlitze an die Augen. In meiner Pfarre musste immer das Kind, das als letztes am vereinbarten Treffpunkt erschien, der Schwarze sein.

Dass das im Grunde genommen Blackfacing war, war damals niemandem von uns bewusst. Der vermeintliche Gedanke der Solidarität mit Menschen aller Hautfarben greift zumindest nicht (und noch weniger, wenn die Rolle des dunkelhäutigen Königs wie in meinem Fall als Bestrafung gesehen wird). Dementsprechend viel internationale Kritik gab es in den letzten Jahren an dem Brauch.

Denn in den USA mittlerweile klar als beleidigend gesehen, wird Blackface in Österreich und Deutschland weiterhin als relativ harmlos und eigentlich ja ganz lustig betrachtet. Eine leichte Sensibilisierung ist zumindest insofern spürbar, als dass zu Fasching am Land nur noch selten Afrikaner-Kostüme zu sehen sind—ähnlich wie auch geschminkte Sternsinger.

Im spanischen Sevilla gibt es eine eigene Dreikönigs-Parade mit Blackface. Foto: Paul Asman and Jill Lenoble | Flickr | CC BY 2.0

„Es gibt in den Gemeinden und auch an Theatern genug schwarze Menschen, die diverse Rollen bekleiden können", so Vanessa Spanbauer vom Magazin Fresh - Black Austrian Lifestyle. Außerdem sei es an der Zeit, Rücksicht auf die sehr problematische Geschichte dieses Phänomens—das Stereotype und Rassismus schürt—zu nehmen. Auch hierzulande.

Traditionen sind wertvoll, dürfen—und sollten—aber auch hinterfragt werden. In einer Zeit, in der die Hautfarbe eines Menschen nicht auf seine Heimat schließen lässt, sind Sternsinger mit schwarz oder gelb geschminkten Gesichtern einfach nicht mehr zeitgemäß. Und wenn eine ungeschminkte Sternsinger-Gruppe immer noch gefragt wird, „wo denn der Neger sei", dann weiß man auch, wieso.

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