Ein Guide für deinen ersten Besuch in Las Vegas

Alles über Partys, Glücksspiel und das Überleben in dieser stadtgewordenen Reizüberflutung: Wir haben es für dich recherchiert.

Dein erstes Mal in Las Vegas? Mach dich darauf gefasst, das verruchte Wüstenjuwel zu lieben – insbesondere, wenn du gerne zockst, bis zum Morgengrauen durchmachst, alles in "super deluxe" liebst und generell kein Mensch für halbe Sachen bist.

Vor ein paar Monaten hat sich eine Gruppe von VICE-Autorinnen und Autoren auf den Weg nach Vegas gemacht, um einen Travelguide für Amerikas Vergnügungshauptstadt zu schreiben. Wir hatten uns auf fünf wilde Tage eingestellt, was sich ziemlich schnell als richtig erwies. Las Vegas ist wirklich so durchgeknallt, wie du es dir vorstellst. Während unseres Aufenthalts entdeckten wir ein paar Wege, um semikontrolliert durch die schillernde Nichtrealität der Stadt zu navigieren und dabei so viel Spaß zu haben, dass wir es teilweise mit der Angst zu tun bekamen.

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Direkt vorweg: Las Vegas macht mit dir, was es will – egal, was ursprünglich dein Plan war. Aber ein bisschen Pragmatismus schadet nicht, um dich in diesem riesigen Erwachsenenvergnügungspark zurechtzufinden. Die folgenden Dinge haben uns dabei geholfen, mit der unsäglichen Hitze, dem Wahnsinn und der Euphorie klarzukommen, mit der diese Stadt dich mitreißt. Und falls du es noch nicht weißt: Alkohol, Cannabis und Glücksspiel gibt es in Nevada erst ab 21. Falls du jünger bist und trinken, kiffen und zocken willst, solltest du mit deinem Vegas-Besuch noch ein bisschen warten.


Alle Illustrationen von Melcher Oosterman

1. Ehrlich währt am längsten? Nicht in Vegas. Wenn du hier in einen Club willst, musst du zum Bullshitter mutieren. Drängle dich in der Schlange vor, behaupte, auf der Gästeliste zu stehen, und wenn das alles nicht hilft, leg einen möglichst empörten Abgang hin. Als wir einmal vor einem Megaclub abgewiesen wurden und dem Laden beleidigt den Rücken kehrten, ließen sie uns sofort rein.

2. Geh einmal (1) den Las Vegas Boulevard, aka Strip, entlang und dann nie wieder. Idealerweise erledigst du das mit einem großen Bier in der Hand – das billigste Bier auf dem ganzen Strip gibt's übrigens im CVS-Drogeriemarkt. Auf dem Strip findest du die ganzen berühmten Orte, die du aus Filmen wie Ocean's 11 kennst – das Bellagio! Caesars Palace! Das MGM Grand! Und dann sind da noch die ganzen wunderbaren Gestalten, die den Las Vegas Boulevard bevölkern: Frauengruppen in aufwendigen Showgirl-Kostümen, zwei alte Typen, die an einer Fußgängerbrücke "Veteran's Karaoke" machen, oder rappende Kinder, die sehr wahrscheinlich eigentlich in der Schule sein sollten, es aber offensichtlich nicht sind. Beim ersten Mal macht der Strip noch ziemlich Spaß, aber danach wird dieses Meer aus schwitzenden Körpern und schlechten Restaurantkettenrestaurants vor allem anstrengend. Es ist wie mit dem Times Square in New York. Einmal abhaken und dann ist gut.

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3. Für Glücksspielneulinge empfehlen wir die Fremont Street, die berühmte im Neonlicht leuchtende Casinomeile, die sich knapp zehn Kilometer entfernt vom Strip befindet. In vielen Casinos dort kannst du schon mit kleinen Beiträgen an Tischen einsteigen. Hier reichen fünf Dollar Einsatz für eine Runde Blackjack oder Roulette, auf dem Boulevard wollen Casinos mindestens 25 Dollar pro Runde sehen. Fang im El Cortez an, einem kleinen, dunklen, leicht abgeranzten Laden, den es bereits seit 1941 gibt und der einen besonderen Platz in unserem Herzen hat, weil er a) einfach cool ist und b) eine von uns hier 180 Dollar gewonnen hat. Danach gehst du am besten ins Golden Nugget, einem schickeren Laden mit abgefahrenem Teppichboden, ebenso abgedrehter Beleuchtung und einer noch größeren Spielauswahl als im El Cortez.

4. Hab Respekt vor der Sonne. Genau wie du ist sie wahrscheinlich etwas extremer in Vegas als zu Hause. Die Qualität deines Vegas-Aufenthalts wird stark davon abhängen, wie du mit der Hitze umgehst. Mit Temperaturen um die 38 Grad ist nicht zu spaßen. Das haben zwei von uns auf die schmerzhafte Tour gelernt: Nachdem sie sich in einem Wellenbad zum Brutzeln in die Sonne gelegt hatten, durften sie den Rest des Tages wegen eines fürchterlichen Sonnenbrands und allgemeiner Hitzeerschöpfung zwischen kalten Duschen und Bett wechseln. Halte dich so viel im Schatten auf, wie es nur geht. Schmier dich regelmäßig mit Sonnencreme ein. Trink Elektrolyte.

5. Wenn du die schlimmsten Wucherpreise vermeiden willst, solltest du Zigaretten, Alkohol, Wasser und Snacks außerhalb der Casinos und großen Hotels kaufen. Bring deine eigene Sonnencreme mit. Wir haben in einem Resort für zwei Flaschen 60 Dollar bezahlt – sei nicht wie so doof wie wir! Zahl in Casinos nicht für Drinks – die sind nämlich kostenlos, während du oder ein Freund spielt. Der Bedienung, die dir die kostenlosen Drinks auf einem Tablett bringt, solltest du allerdings ein üppiges Trinkgeld geben. Tankstellen sind deine Freunde und dein Taxi/Lyft wird für dich kurz anhalten, wenn du höflich fragst und gutes Trinkgeld gibst. Übrigens: Niemand geht in Vegas zu Fuß. Nimm Lyft, nicht Uber. Wir wissen bis heute nicht wirklich warum, aber die Einheimischen haben da großen Wert drauf gelegt und wir wollen natürlich nicht die Weisheit der Einheimischen infrage stellen.

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6. Kauf keine Drogen im Club – und wenn du sie nicht wenigstens über den Freund eines Freundes besorgen kannst, lass es bleiben. Wie uns erzählt wurde, ist eine Menge falsches und mit fiesem Zeug gestrecktes Koks in Vegas im Umlauf. Wenn du nicht schon länger dort lebst, weißt du nie, ob du halbwegs passablen Stoff bekommst. Die gute Nachricht: Die Stadt selbst fühlt sich wie natürliches Koks an. Und solange du über 21 bist, kannst du in Vegas in offiziellen Dispensarys legal Gras und mit Cannabis versetzte Lebensmittel, aka Edibles, kaufen.

7. Cash ist in Vegas King. Wenn du außerdem zu der Sorte Mensch gehörst, die nach fünf Gratis-Gin-Tonics gefährlich spendabel wird, kannst du dich selbst schützen, indem du dir eine begrenzte Menge Bargeld mitnimmst. Außerdem sind die Gebühren an den Geldautomaten teilweise einfach unverschämt. Du sparst also echtes Geld, wenn du schon mit einem Batzen Bargeld in die Stadt kommst.

8. Was man in Vegas anzieht? Pack gleichermaßen praktisch wie extravagant. Generell kannst du damit rechnen, mit so wenig Kleidung wie möglich auszukommen. Auffallende und campy Styles funktionieren nirgendwo so gut wie in Vegas: Eins der besten Outfits, das wir gesehen haben, war ein Burberry-Seidenkaftan kombiniert mit einem Strohhut, der mit einer gigantischen Strass-Libellenbrosche geschmückt war, die alles bis auf die Krempe vom Hut überdeckte. Was daheim niemand zu tragen wagt, kann in der Taxischlange vorm Caesars Palace für bewundernde Blicke sorgen.

9. Frag Einheimische nach Tipps. Einige unserer Lieblingsorte in Vegas waren die, von denen wir erst durch Gespräche mit Stammgästen, Bartendern, verbissenen Zockern und anderen Vegas-Bewohnern erfahren haben. Die wissen, was cool ist, was scheiße ist und was mal cool war, aber inzwischen scheiße ist, weil der Besitzer gewechselt hat. Schreib dir alle Empfehlungen auf und speichere sie in Google Maps.

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10. Setz dir Grenzen beim Glücksspiel. Entscheide vorher, wieviel Geld du zu verlieren bereit bist und wieviel du gewinnen möchtest. Und dann halte dich daran. Das wird dich davor bewahren, in abgrundtiefem Selbsthass zu versinken, weil du deine komplette Urlaubskasse am Craps-Tisch verballert hast. Ein konkreter Grenzwert hilft dir dabei aufzuhören, solange du es noch kannst. Setz dir für jeden Abend in Vegas so ein Ziel. Beispiel: 100 Dollar gewinnen oder 200 Dollar verlieren. Wenn du eins davon erreichst, nichts wie raus aus dem Laden.

11. Apropos Zocken: Wenn du wie unser Autor Drew Schwartz nicht besonders viel Casino-Erfahrung hast und das ändern möchtest, solltest du dich vor deinem Vegas-Besuch mit ein paar Spielen vertraut machen. Die Abende vor unserem Trip hat er sich Craps-Tutorials auf dem YouTube-Kanal Color Up angeschaut. Meistens ist er dabei eingeschlafen, was zu dem ein oder anderen bizarren Craps-Traum geführt hat. Außerdem hat sich Drew ein bisschen in Blackjack eingelesen und seinen Roulette liebenden Vater nach ein paar Tipps gefragt. Mit diesen rudimentären Grundkenntnissen und ein paar simplen Strategien hat es Drew schließlich geschafft, sein ganzes Geld nicht schon in 20 Minuten zu verlieren.

12. Noch eine allerletzte Anmerkung zu Glücksspiel: Spiel unbedingt Pai Gow! Also wirklich. Und setz immer einen Dollar auf den Button. Wir haben hier nicht genug Platz, um zu erklären, was das bedeutet oder wie diese Pokervariante funktioniert – das lernst du zum Beispiel hier –, aber vertrau uns. Es macht süchtig. Im Guten wie im Schlechten.

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13. Erwarte nicht, dass Vegas auf deine Gesundheit Rücksicht nimmt. Pack eine Wasserflasche und ein paar gehaltvolle Snacks in deinen Rucksack und mach ein bisschen Stretching oder leichte Sportübungen im Hotelzimmer, bevor du dein Tagesprogram startest. Dein Körper wird dir definitiv nicht dankbar für irgendeine deiner Vegas-Aktivitäten sein, aber wenn du zumindest den Schein einer Wellnessroutine aufrechterhältst, wirst du dich bei deinem Abschied aus Vegas vielleicht nicht komplett zerstört fühlen.

14.  Gib viel Trinkgeld, gib oft Trinkgeld. Jemand hat dir ein Taxi rangewunken? Gib ihm Trinkgeld! Die Lady, die dir gerade dabei zugeschaut hat, wie du in zehn Minuten 200 Dollar am Blackjack-Tisch verzockt hast? Sie hat ein Trinkgeld verdient! Das Reinigungspersonal, das dein zugemülltes Hotelzimmer wieder in Ordnung bringt? Trinkgeld – und dann noch mehr Trinkgeld! Wenn du eh schon mit deinem Geld um dich schmeißt, dann sorge auch dafür, dass Leute vernünftig bezahlt werden. In den USA sind viele Angestellte im Gastrogewerbe auf Trinkgeld angewiesen. Ganz abgesehen davon ist es immer das Richtige, den Menschen zu helfen, die dir helfen, eine großartige Zeit zu haben.

15.  Schau nach oben. Gebäude in Vegas haben die besten Decken der ganzen USA: Schmetterlingsleuchter (im Bellagio), Fresken mit Amorfiguren (in der Little White Chapel und fast überall sonst auch), vergoldete Himmel in fast jedem Raum, den du betrittst. Draußen ist es sogar noch besser: Je nach Tageszeit gibt es tiefblaue oder orangefarbene Töne.

16.  Wenn du an einem Abend ausgehen willst, der … etwas weniger traditionell ist – also eigentlich alles außer Freitag und Samstag –, solltest du dich über die Öffnungszeiten der Läden informieren, die du besuchen willst. Vegas hat vielleicht den Ruf einer 24/7-Party-Metropole, aber einige der größeren Lokale auf dem Strip und Bars in coolen Vierteln wie Chinatown und dem Arts District schließen unter der Woche manchmal früher, als du denkst. Teilweise schon um 22 Uhr.

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17.  Wenn du eine gewisse Zeit in Vegas verbringst, kommst du möglicherweise mal an den Punkt, an dem du keine Wodka-Soda mehr sehen kannst, Casinos in erster Linie anstrengend sind und dich die riesigen Videowerbewände für die Blue Man Group langsam aber sicher in den Wahnsinn treiben. Dann ist es höchste Zeit für einen Ausflug zum Red Rock Canyon. Das Naturschutzgebiet befindet sich nur rund 30 Minuten vom Strip entfernt und ist wirklich Balsam für die Seele. Hier kannst du 66 Millionen Jahre alte rote Felsen hochkraxeln und dich durch die Spalten und Furchen dazwischen schlängeln. Für die volle Experience solltest du dir ein Auto – am besten ein Cabrio – mieten und einen Zeitslot reservieren, um die 21 Kilometer lange Panoramastraße durch den Canyon zu fahren. Mach dir dazu eine schöne Playlist – bei uns klang die so – und lass dich von der Natur überwältigen. Ja, so schön kann die Welt sein.

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Dieser Artikel ist Teil von The VICE Guide to Las Vegas mit weiteren ausführlichen Guides zur legendären Party- und Glücksspielmetropole – allerdings auf Englisch.

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