Die neue Serie 'The Kardashians': Wie hält diese Familie das aus?

Und sind dreistellige Millionensummen genug Schmerzensgeld?

Ich habe sie alle gesehen: 280 Folgen Keeping up with the Kardashians. Über 14 Jahre habe ich verfolgt, wie die Kardashians immer reicher wurden und sich dabei gestritten, geliebt und gehasst haben. Nie werde ich vergessen, wie Khloe verhaftet wurde (“Kim, would you stop taking pictures of yourself. Your sister is going to jail”), wie Mutter Kris sich in den ersten Staffeln ständig in die Hose gemacht hat, wie Kim Kanye West kennenlernte, Scott zwei Staffeln lang quasi dauerdrauf war und Kourtney von Kim geschlagen wurde. Als ich erfuhr, dass die Sendung für immer abgesetzt wird, war ich ernsthaft traurig.

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Es stellte sich aber ziemlich schnell Erleichterung ein: Nur knapp ein Jahr nach der Ausstrahlung der letzten Folge Keeping up with the Kardashians erscheint am Donnerstag die erste Folge von The Kardashians. Spoiler: Es ist praktisch die gleiche Sendung. Ich habe mir die ersten zwei Folgen angesehen und festgestellt, dass nicht nur die Show dieselbe ist, auch die Probleme der Kardashians wiederholen sich immer wieder. Und angesichts dieser sich immer weiter fortsetzenden Zurschaustellung intimster Details frage ich mich: Wie halten die das aus – und ist das all das Geld wirklich wert?

Kim wird immer noch tagtäglich mit ihrem Sextape konfrontiert

Die erste Folge der Reality-TV-Serie Keeping up with the Kardashians erschien im Oktober 2007. Das beherrschende Boulevardthema war zu Beginn der Show Kim Kardashians Sextape, auf das sie immer wieder reduziert wurde. Bis heute. In der ersten Folge von Keeping up with the Kardashians erklärte sie: "That was with my boyfriend of three years that I was very much in love with and whatever we did in our private time was our private time." In späteren Folgen brach sie wegen des Videos in Tränen aus. 


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Viele Millionen und 16 Jahre später ist das Sextape in The Kardashians immer noch Thema: Auf dem iPad von Kims fünfjährigen Sohn ploppt die Mittelung auf, dass es neues Material von dem Film gebe, das veröffentlicht werden soll. Die erste Folge endet damit, dass Kim weint. Sie erklärt daraufhin: "For twenty years this mistake had been held over my head. Or is it a mistake? It was my boyfriend. It's embarrassing for that to be out there but it's not the most scandalous thing. I am just human." 

Schon die erste Folge der Kardashian-Saga machte 2007 das größtmögliche Reality-Versprechen: Wir werden die Kameras gnadenlos auf die Kardashians halten und die hintersten Ecken ihrer Intimsphäre ausleuchten. Und wir werden – das zeigen die ersten Folgen von The Kardashians – nie damit aufhören.

Khloe wird ständig betrogen

Die Folge, in der Khloe in Keeping up with the Kardashians ihr erstes Kind zur Welt brachte, war damals davon überschattet, dass ihr Freund Tristan, der Vater des Kindes, wenige Tage vor der Geburt fremdging – und alles aufgezeichnet und der Welt präsentiert wurde. Khloe verzieh ihm – Tristan ging wieder fremd. In The Kardashians sieht es zunächst danach aus, als würde jetzt alles besser werden. Khloe Kardashian macht mit ihrem Ex-Freund beziehungsweise fast-wieder-Freund Tristan Thompson eine Therapie, um das Vertrauen, das nach seinem öffentlichen Betrug verloren ging, wiederherzustellen. Wir als Zuschauer wissen aber schon jetzt, dass Tristan sie zu diesem Zeitpunkt auch schon wieder betrogen hat. Drei Monate nach den Dreharbeiten der ersten Folge brachte das Fitnessmodel Maralee Nichols ein Kind zur Welt, das in einem Seitensprung mit Tristan Thompson entstand. Man kann dabei zusehen, wie Khloe ein drittes Mal auf ihn hereinfällt.

In diesem Moment, in dem man als Zuschauerin einen Wissensvorsprung vor den Vergangenheitsversionen der Kardashians hat, fühlt man sich ihnen überlegen. Fast so, als würde man lesen, dass Elon Musk nicht ins Berghain gekommen ist. Ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen. Eine schöne Illusion.

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Was alle diese Probleme vereint, ist wohl die öffentliche Demütigung, die mit ihnen einhergeht. Wahrscheinlich halten in dieser Hinsicht nur ganz wenige Menschen aus, was die Kardashians und ihr Anhang aushalten. Und das zeigt sich ganz besonders in Kourtney Kardashian.

Kourtney will schon lange nicht mehr

In den letzten zwei Staffeln von Keeping up with the Kardashians konnte man dabei zusehen, wie Kourtney zuerst immer wieder wegen den Streitereien mit ihren Schwestern weinte, schließlich sogar vor laufenden Kameras von Kim geschlagen wurde und daraufhin ihren Ausstieg aus der Serie verkündete, um endlich wieder glücklich zu werden. Nun sagt sie in der ersten Folge The Kardashians in die Kameras: "Living my life without cameras was an absolute dream." Offenbar hat sie schon lange keine Lust mehr, jeden Tag ein Kamerateam im Haus zu haben. Trotzdem tut sie es. Warum? 

Warum setzt sich eine der reichsten Familien der USA seit 21 Staffeln so viel öffentlicher Erniedrigung aus? Finanziell haben sie es eigentlich nicht nötig. Verschiedene Quellen schätzen das Gesamtvermögen des Kardashian-Jenner-Clans auf mehrere Milliarden Dollar. Und alleine in der Zeit zwischen 2017 und 2020 soll die Familie 100 Millionen Dollar für Keeping up with the Kardashians erhalten haben. Ein hohes Schmerzensgeld für den Verlust der Privatsphäre. Und offenbar sind sich die Kardashians selbst nicht so ganz sicher, ob es ausreicht.

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