Facebook 2.0: Meta will unsere körperlichen Bewegungen zu Geld machen

Daten zu sammeln und das menschliche Verhalten zu manipulieren, ist immer schon das Geschäftsmodell von Facebook gewesen. Im Metaverse könnte das Ganze noch schlimmer werden.

Nov 5 2021, 12:57pm

Als Facebook 2014 das Unternehmen Oculus und die dazugehörige, viel gehypte VR-Brille Rift für zwei Milliarden Dollar kaufte, war nicht ganz klar, was der Social-Media-Riese mit diesem Schritt in Richtung virtuelle Realität plante. Aber jeder, der mit Facebooks unzähligen Skandalen und unersättlichem Hunger nach persönlichen Daten vertraut war, hatte eine gewisse Vorahnung.

Die noch nicht lange zurückliegende Vorstellung von Meta, dem mit Virtual Reality und Augmented Reality verknüpften Rebrand des Unternehmens Facebook, ist nun der Höhepunkt einer Vision, die einen nicht wirklich überraschen sollte. Im Jahr 2021 hat Facebook mit seiner Social-Media-Datensammelwut die Grenzen des uns bekannten Internets gesprengt. Die Ziele des Unternehmens verlangen jetzt nach der Erschaffung einer neuen Realität, in der noch mehr Daten über unser soziales und körperliches Verhalten gesammelt und zu Profit gemacht werden können. 

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2016 beschrieb Mark Zuckerberg die virtuelle Realität als die nächste große Plattform – also einen Ort, an dem alle unsere sozialen Interaktionen dank VR-Headsets und Bewegungs-Controllern mit einem neuen Level der körperlichen Präsenz ablaufen werden. Für mich konnte das nur eine Sache bedeuten: Zuckerberg will virtuelle Welten schaffen, in denen man das komplette menschliche Verhalten aufzeichnen, vorhersagen und monetarisieren kann. 

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Damals sagte mir Facebook, dass es "keine aktuellen Pläne" gäbe, mithilfe von Daten zu körperlichen Regungen wie Kopf- und Augenbewegungen das Verhalten der User vorherzusagen und entsprechende Werbung einzuspielen. Seitdem hat das Unternehmen den Login bei Facebook zu einer zwingenden Voraussetzung für die Nutzung des Oculus-Headsets gemacht, bis diese Entscheidung vor Kurzem wegen des großen öffentlichen Drucks wieder zurückgenommen wurde. Und Anfang 2021 kündigte Facebook seinen unweigerlichen Vorstoß in die VR-basierte Werbung an – was zu einem so großen Aufschrei führte, dass ein Entwickler für Oculus-Videospiele seine Pläne für VR-Werbung komplett aufgab.

Zwar kennt man solche opportunistischen Taktiken vom Unternehmen formerly known as Facebook zu Genüge. Aber die Ankündigung von Meta zeigt noch einmal mehr, dass es nicht möglich ist, Mark Zuckerbergs Pläne, jegliche menschliche Interaktionen in geldbringende Daten zu verwandeln, aufzuhalten. Das Rebranding erfolgt natürlich genau dann, wenn das Unternehmen extrem in der Kritik steht, weil es zu einer weltweiten Plattform für Fehlinformationen und Gewalt geworden ist und laut einer Whistleblowerin nur wenig dagegen unternehmen will.

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass bei Meta die gleichen Algorithmen eingesetzt werden wie bei Facebook: Daten über das menschliche Verhalten werden gesammelt, daraus baut man dann User-Profile und spielt den jeweiligen Usern schließlich vor allem Content aus, mit dem sie eher interagieren. Facebook selbst bewies die Wirkung dieser Manipulation mit einem psychologischen Experiment, das das Unternehmen 2012 heimlich mit seinen Userinnen und Usern durchführte.

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Diese Form von algorithmischer Manipulation ist das Kerngeschäftsmodell von Facebook und vielen anderen Social-Media-Plattformen. Ein anonymer Datenwissenschaftler hat es in einer Forschungsarbeit aus dem Jahr 2015 so formuliert: Das Ziel einer algorithmischen Social-Media-Plattform wie Facebook sei es, "das tatsächliche Verhalten der Leute zu ändern, gutes und schlechtes Verhalten zu identifizieren und Wege zu finden, das gute Verhalten zu belohnen und das schlechte zu bestrafen."

Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass dieses algorithmische "Anstoßen" auch in VR-Umgebungen möglich ist. Und das Sammeln von Daten über Körperbewegungen eröffnet ganz neue Wege, das menschliche Verhalten im großen Stil zu beeinflussen. Unternehmen wie RealEyes und Affectiva bieten bereits KI-Systeme an, die angeblich menschliche Emotionen voraussagen können, indem sie Körpersprache und Mimik analysieren. Diese Behauptung wird von KI-Experten jedoch stark angezweifelt. In einer bemerkenswerten Studie haben Forschende derweil herausgefunden, dass KI-kontrollierte, digitale Avatare in virtuellen Räumen dazu genutzt werden können, Leuten bestimmte politische Ansichten aufzudrängen.

Unterm Strich steht Meta also für ein riesiges Investment in genau die Art von algorithmischer Manipulation, für die Facebook schon so oft heftig kritisiert wurde.

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Währenddessen fährt das Unternehmen gerade eine Charme-Offensive, um seine neue Vision gut zu verkaufen. Den Großteil seiner Meta-Präsentation verbrachte Mark Zuckerberg damit, uns eine VR-basierte Social-Media-Plattform schmackhaft zu machen, auf der unsere Avatare wie in einer utopischen Sims-Welt leben und ihre virtuellen Häuser mit virtuellen Gegenständen füllen können. Ansonsten verschickte das Unternehmen mit seinem neuen Image vor allem peinliche und gezwungen lustig wirkende Tweets an verschiedene beliebte Brands.

Trotz des geänderten Namens kann Meta sein altes Facebook-Image nicht einfach abschütteln. Mark Zuckerbergs Unternehmen hat die Kunst des Sammelns und Monetarisierens von Daten ohne Rücksicht auf die sozialen Folgen perfektioniert. Und falls das Metaverse nicht nur ein weiteres bizarres Silicon-Valley-Luftschloss bleibt, dann wird Meta diese neue Realität mit Sicherheit genauso beschissen machen wie die alte.

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