Dieser Künstler malt die neue Arbeiterklasse

Arnaud Adami will Lieferanten und ihre prekären Arbeitsbedingungen zum Teil der Kunstgeschichte machen.

Arnaud Adamis Arbeitsleben begann 2015 in einer Lagerhalle. Er war 19 Jahre alt. Ein Jahr lang verbrachte er damit, Kisten von einem Ort zum anderen zu bewegen, bis er beschloss, dass er diesen Job auf keinen Fall sein ganzes Leben lang machen will. Er kündigte, obwohl er nichts anderes in Aussicht hatte.

Adami zeichnete gern und hoffte, daraus etwas machen zu können. "Ich habe versucht, in einen Vorbereitungskurs für eine Kunsthochschule zu kommen", sagt er. "Obwohl das einzige vorzeigbare Material drei Zeichnungen in einem alten Notizbuch waren."

Aber Adamis Plan ging auf und er schrieb sich an der Kunsthochschule von Bourges ein, einer Stadt in der Mitte Frankreichs. Anfangs probierte er sich überall ein bisschen aus: Installationen, Keramiken, Skulpturen – alles, bis auf das Medium, mit dem er jetzt arbeitet.

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Erst im zweiten Jahr in Bourges begann Adami, sich mit der Malerei zu beschäftigen. Jetzt, da er sein Medium gefunden hatte, brauchte er auch Motive. So fing er an, Porträts von seinen Kollegen in der Fabrik zu malen, in der er neben dem Studium arbeitete.

« Ludovic », 2021, Öl auf Leinwand, 140 x 115 cm | Arnaud Adami

Ein paar Jahre später setzte Adami sein Studium an der Beaux-Arts in Paris fort, der berühmtesten Hochschule für bildende Künste in Frankreich. "Als ich in der Stadt ankam, ist mir ein neuer Typ von Gig-Economy-Arbeitern aufgefallen: die Fahrradlieferanten", sagt er. "Ich nahm mir vor, die Boten nach den Regeln der Kunstgeschichte zu malen."

Adami fing an, über die Liefer-Apps Essen zu bestellen. Wenn die Fahrer ankamen, fragte er sie, ob er ein Foto von ihnen machen könne, um einen Orientierungspunkt für ein potenzielles Porträt zu haben. Die meisten Lieferantinnen und Lieferanten reagierten misstrauisch.

"Häufig sind sie verängstigt weggegangen", sagt Adami. "Einige von ihnen waren Migranten ohne Papiere und wollten keine Probleme bekommen, was total verständlich ist." Aber selbst die Fahrer, die Papiere hatten, lehnten ab.

Adami ließ sich nicht von seiner Idee abbringen und fing an, fiktive Modelle zu malen. Mit der Zeit freundete er sich aber mit Leuten an, die als Fahrer für Lieferdienste arbeiteten. Sie wurden zu den Motiven seiner modernen Arbeiterporträts.

« Sans titre », 2021, Öl auf Leinwand, 140 x 120 cm | Arnaud Adami

Obwohl seine Gemälde politisch sind, weigert sich Adami, die Arbeitskonditionen der Arbeiterinnen und Arbeiter allzu detailliert zu beschreiben. "Ich spreche nicht für andere", sagt er. "Das ist nicht meine Aufgabe. Ich male nur Bilder. Ich setze Bilder in eine Welt, die schon voll von Bildern ist."

Fragt man Adami nach dem Einfluss seiner Werke, gibt er sich bescheiden. "Hoffentlich ändern sie die Perspektive von ein paar Menschen ein bisschen", sagt er. "Für mich sind sie eine Form von Aktivismus mit einer Prise Poesie." 

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« Sans Titre », 2021, Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm | Arnaud Adami

« CLICHY SOUS LA NEIGE », 2021, Öl auf Leinwand, 120 X 95 CM | ARNAUD ADAMI

« Louchébem », 2021, Öl auf Leinwand, 115 x 115 cm | Arnaud Adami

« Sans Titre », 2021, Öl auf Leinwand, 70 x 95 cm | Arnaud Adami

« Sans Titre », 2021, Öl auf Leinwand, 45 x 30 cm | Arnaud Adami

« Sans Titre », 2021, Öl auf Leinwand, 45 x 30 cm | Arnaud Adami

« Sans Titre », 2021, Öl auf Leinwand, 120 x 140 cm | Arnaud Adami

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Frankreich, Kunst, Malerei, Lieferdienst, vgwrp-ce96d23036c9497fa45fd31144071835

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