Fotos: Das passiert, wenn 'Dungeons & Dragons' auf Drag trifft

Das Dragqueen-Kollektiv "Queer Arcana" verzaubert sein Publikum mit einer ungewöhnlich frischen Herangehensweise an ein alteingesessenes Rollenspiel.

10 september 2021, 3:43pm

Eigentlich könnte man meinen, dass Drag und Dungeons & Dragons (D&D) nicht wirklich zusammenpassen. Das eine ist eine extravagante Kunstform, die auf öffentlichen Bühnen Geschlechterklischees aufs Korn nimmt. Das andere ist ein vielschichtiges Pen-&-Paper-Rollenspiel, das normalerweise in der Privatsphäre der eigenen vier Wände gespielt wird. Das niederländische Dragqueen-Kollektiv Queer Arcana zeigt, dass die beiden Sachen sehr wohl miteinander harmonieren können.

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Die Dragqueens schlüpfen in ihre aufwendigen Outfits und spielen auf einer Bühne Dungeons & Dragons. Bei der Mischung aus Drag, Cosplay und Theater kommen Äxte, Schwerter und natürlich ein riesiger 20-seitiger Würfel zum Einsatz. Das Ganze wird gefilmt, mit Musik und digitalen Effekten unterlegt und dann als Webserie bei YouTube veröffentlicht.

Hinter den Kulissen machen sich die Dragqueens für ihre Partie 'D&D' fertig

IRIS DE GRAUW hat ihren Charakter ein Jahr lang entwickelt, nur um direkt in der ersten Folge getötet zu werden. Zum Glück konnte sie in Folge drei wieder ins Spiel einsteigen

Die Dragqueen Derk Over hat das Projekt ins Leben gerufen. Over spielt seit 2014 Dungeons & Dragons und steht seit ungefähr vier Jahren in Drag-Outfits auf der Bühne. Nach einem Studium im Fach Spieledesign entschied sich Over dazu, die beiden Leidenschaften zu kombinieren, und gründete ein Theaterprojekt namens "Dungeons & Drag Queens", das jetzt als Queer Arcana wiedergeboren wurde.

Ursprünglich waren Over und ein anderes Mitglied des Kollektivs die einzigen beiden, die von Anfang an sowohl auf Drag als auch auf D&D standen. "Alain Chaney und Lars Reen fingen als Dragqueens an, hatten aber noch nie in ihrem Leben Dungeons & Dragons gespielt", sagt Over. "Bei Billy Cain, Iris de Grauw und Tiva Pam war es genau andersrum, sie spielten das Spiel und fingen erst dann mit Drag an. Für John Togba war beides neu."

Laut Over könne man bei Dungeons & Dragons genau wie beim Drag mithilfe der eigenen Fantasie neue Identitäten erforschen. "Bei beiden kommt es zu einer Verwandlung, durch die man mehr über sich selbst lernt", sagt Over. "Jemand hat mal einen bisexuellen Charakter bei D&D gespielt und ist sich so zum ersten Mal der eigenen Bisexualität bewusst geworden. Durch das Spiel kann man ohne Angst und Sorgen eine queere Identität ausprobieren."  

Auch beim Drag dreht sich alles darum, verschiedene Identitäten auszuprobieren und so herauszufinden, welche am besten passt. "Beim Drag ziehst du ein Kleid oder ein außergewöhnliches Outfit an, blickst in den Spiegel und fragst dich dann, wie sehr dir das gefällt", sagt Over. "Man darf nicht vergessen, dass man niemals nur am Look einer Person erkennen kann, wie sie lebt. Die Zeiten, in denen wir zu wissen glaubten, wie ein Nerd oder ein queerer Mensch aussieht, sind schon lange vorbei." 

JOHN TOGBA als Kriegerin

BILLY CAIN war zuerst 'D&D'-Fan und tauchte erst später in die Drag-Welt ein

Wie einige Fälle gezeigt haben, können Gamer ziemlich schwulenfeindlich werden. Over sagt, dass die Gaming-Kultur eben auch ein Rückzugsort für Reaktionäre sei: "Sie glauben, dass ihre Community zugrunde gehe, wenn die typische Gamer-Identität immer neue Facetten bekommt. Deswegen dann das homophobe Verhalten."

Queer Arcana scheint das aber nichts auszumachen. Das Kollektiv wurde vom Großteil der D&D-Community herzlich willkommen geheißen, man scheint die frische Herangehensweise an das Rollenspiel zu mögen. Sowohl Drag als auch Dungeons & Dragons haben in den vergangenen Jahren so viel mediale Aufmerksamkeit bekommen wie noch nie – dank erfolgreicher TV-Sendungen wie RuPaul's Drag Race und dank Hollywoodstars wie Vin Diesel, die sich öffentlich als Fans des Rollenspiels outen.

"Wenn man Subkulturen vermischt, kommt eine starke Kritik an der Norm heraus. Denn die Subkulturen passen aus verschiedenen Gründen nicht in den Mainstream", sagt Over. "Das zeigt mir, dass die Gesellschaft bereit ist für eine Weltanschauung, die weit über diese Norm hinausgeht."

Alain Chaney ist auch unter dem Drag-Namen Sasa Hara bekannt

Sasa Hara ist für einen androgynen Drag-Style bekannt, der von Gore inspiriert ist

Kevin de Wit, auch bekannt als Miss Vanity Love

Derk Over, auch bekannt als Jessie Depressie

Das Dragqueen-Kollektiv Queer Arcana

Freya Terpstra und Derk Over

Lars Reen gehört zu den Mitglieder des Kollektivs, die zuerst mit Drag angefangen haben

Tiva Pam kam erst durch das Kollektiv zum Drag

Tiva Pam

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