"Zur Not erzwingen wir es": CDU irritiert mit internem Motivations-Video

Ist ein verurteilter Finanzbetrüger wirklich ein gutes Vorbild für eine Volkspartei?

13 September 2021, 10:26am

Jordan Belfort ist einer der größten Finanzbetrüger der US-Geschichte, er saß in den Neunzigern knapp zwei Jahre im Gefängnis. Starregisseur Martin Scorsese drehte über ihn das Biopic The Wolf of Wall Street. Für die CDU, die in Umfragen immer weiter abrutscht und inzwischen hinter der SPD liegt, ist Belfort offenbar inspirierend. 

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Am gestrigen Sonntag, am Abend des Kanzlertriells auf ARD und ZDF, zeigte die CDU laut Teilnehmern in ihrer Parteizentrale vor Mitarbeiterinnen und Unterstützern einen internen Motivationsfilm: eine Schlüsselszene aus The Wolf of Wall Street, der aufgepeitschte Finanzbetrüger hält eine Rede vor Mitarbeitern.

Versehen ist der Clip mit neu gedichteten Untertiteln. "Ausgeschlumpft, lieber Olaf", steht dort zu lesen. "Lasst uns jetzt raus gehen und lasst uns die Leute mit Armin Laschet gemeinsam überzeugen und notfalls erzwingen wir es." Aufnahmen des parteiinternen Screenings kursieren im Netz. Im Hintergrund hört man Jubel und Applaus. Neben der Leinwand ist das große rote CDU-Logo zu sehen. Ein Pressesprecher der CDU Sachsen hatte die Aufnahme zunächst gepostet, später wieder gelöscht. Verschiedene Augenzeugen bestätigen das Screening gegenüber VICE.

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Irritierend ist der Clip auch deshalb, weil die CDU zuletzt von verschiedenen Korruptionsskandalen erschüttert wurde. Neben der Maskenaffäre um Bereicherung einzelner Abgeordneter hat die Partei noch immer mit der Aserbaidschan-Affäre zu kämpfen. Was sagt die Parteispitze um Kanzlerkandidat Armin Laschet zu diesem Clip? Und: Was bedeutet es, wenn die CDU im Clip ankündigt, “es” notfalls “erzwingen” zu wollen?

Auf VICE-Anfrage teilt ein CDU-Sprecher mit, dass es sich nicht um ein offizielles Partei-Video handle und Kanzlerkandidat Armin Laschet noch nicht im Haus gewesen sei als das Video gezeigt wurde.

Die augenscheinlich gute Stimmung im Konrad-Adenauer-Haus greift offenbar nicht auf potenzielle Wählerinnen und Wähler der CDU über. Laut einer Umfrage der "Forschungsgruppe Wahlen" hat Olaf Scholz das Kanzler-Triell mit 32 Prozent Zustimmung gewonnen. Armin Laschet kam auf 20 Prozent. Annalena Baerbock belegt in der Umfrage mit 26 Prozent den zweiten Platz im Triell.

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CDU, Politik, CDU/CSU, Aserbaidschan-Affäre, Maskenaffäre

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