10 Fragen an ein OnlyFans-Model, die du dich niemals trauen würdest zu stellen

Vor welchen Kunden ekelst du dich? Betrachtest du dich als Sexarbeiterin? Mit welchen Kunden hast du Mitleid?

Wer ziemlich schnell ziemlich viel Geld verdienen möchte, könnte zum Beispiel Drogen verkaufen. Das bringt jedoch einige Risiken mit sich, zum Beispiel Knast. Eine andere Möglichkeit ist, ein Profil auf der Website OnlyFans zu erstellen und dort gegen Geld verschiedene Inhalte anzubieten. Für Bonny Lang alias Bonny Tagesbrise funktioniert dieser Weg jedenfalls ziemlich gut: 50.000 bis 70.000 Euro verdiene sie dort jeden Monat. Mit Dirtytalk, dem Bewerten von Penissen sowie erotischen Fotos und Videos. Etwa vier bis acht Stunden arbeite sie dafür pro Tag, sagt die 26-Jährige. Ihre Kunden, hauptsächlich Männer und viele mit fester Freundin, kämen aus allen Gesellschaftsschichten. Aber warum zahlen sie teilweise mehrere Tausend Euro an Bonny, während das Internet voll kostenloser Pornos ist? 

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Wir haben Fragen.


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VICE: Betrachtest du dich als Sexarbeiterin?
Bonny Lang: Ja, ich würde schon sagen, dass ich eine Art Sexarbeiterin bin. Ich verkaufe auf meiner Plattform ja auch Dirty Talk und ich weiß auch, was mit den Bildern passiert, die sich die Männer kaufen. Aber ich bin wohl eine softe Version einer Sexarbeiterin. 

Etwa zehn Prozent der Männer wollen tatsächlich gar keine Bilder, sondern dass ich ihnen ein Dick-Rating gebe. Da bekomme ich Dickpics und schreibe den Männern im Austausch für ein Trinkgeld meine ausführliche Einschätzung zu ihren Penissen – von der Eichel bis zum Hodensack. Diese Texte enden dann mit Wichsanleitungen. Die meisten Kunden wünschen sich aber natürlich Bilder und Videos von mir.

Wie viel hat dein teuerster Content gekostet?
Das waren so 2.500 bis 3.000 Euro. Diese täglichen Massennachrichten haben alle denselben Preis und dementsprechend auch dasselbe Level an Freizügigkeit. Wenn Kunden etwas noch exklusiveres im Chat haben wollen, kostet das dementsprechend mehr. Das ist wie ein internes Levelsystem. Man kann nicht einfach kommen und sagen "ich will jetzt sofort den geilsten Inhalt sehen". Die Kunden müssen erstmal eine Bindung zu mir aufbauen – auch, um mich selbst zu schützen. Wenn ich allen Kunden direkt die krassesten Inhalte schicken würde, würde ich Gefahr laufen, dass diese Inhalte dann weiterverkauft werden. Ich arbeite mit einem Unternehmen zusammen, das nichts anderes macht, als meine Inhalte auf anderen Websites zu löschen. 

Teuere Produkte sind meist Wunschvideos, die dann zweieinhalb bis fünf Minuten lang sind. Das sind ganz individuelle Wünsche. Manche wollen, dass ich in den Videos strippe. In anderen kommen Spielzeuge oder Eiswürfel dazu. Dann gibt es Videos wo ich mich mit Öl massiere. Das sind die Videos, die im dreistelligen Bereich sind. Videos im vierstelligen Bereich gibt es auch, aber ich will nicht verraten, was ich da genau mache. 

Was ist für dich der Unterschied zwischen OnlyFans und Pornos drehen?
Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich nicht beim Sex gefilmt werde, kann ich viel selbstbestimmter arbeiten. Ich habe keinen Chef. Niemand steht über mir, der mir sagt, was ich machen soll. Ich kann meine Grenzen selbst setzen, ich lege die Preise selbst fest, ich kann mir meine Aufgaben frei einteilen. Ich entscheide, welche Kunden ich annehme und welche nicht. Ich biete auch einfach einen anderen Dienst an: Ich bin immer erreichbar und sozusagen das girl next door. Klassische Pornostars sind viel weiter weg, die kann man nicht einfach kontaktieren. 

Was machst du, wenn sich User in dich verlieben?
Ich hatte damit bisher keine Probleme. Das hört sich jetzt vielleicht doof an, aber ich biete ja auch eine Dienstleistung mit sehr viel Nähe an. Da können schon mal Gefühle entstehen. Dadurch, dass alles online stattfindet, habe ich einen gewissen Schutz.

Wie oft wirst du von Usern belästigt?
In der realen Welt werde ich gar nicht belästigt. Ich habe aber auch eine ganz andere Definition von Belästigung, weil ich Erotik-Model bin. Ich bin darauf eingestellt, dass sehr viele anzügliche Bemerkungen bei mir ankommen. Das sehe ich nicht als Belästigung, sondern denke, dass das zukünftige Kunden werden könnten. Generell bekomme ich aber auch sehr viel Hate. Ich bekomme täglich Nachrichten von Männern, die mich furchtbar finden. Gerade auf TikTok artet das sehr aus. Die schreiben dann "Papa ist stolz auf dich", "Wenn man nichts kann, macht man eben das", "Du bist wertlos", "Du bist dumm", "Wenn man nichts im Kopf hat, hat man es in den Brüsten", "Hure". Ich habe auch schon gelesen, dass es besser gewesen wäre, wenn ich abgetrieben worden wäre. Oder auch, dass ich der Gesellschaft einen Gefallen tun würde, wenn ich sterben würde. Ich bin eben eine Person des öffentlichen Lebens, da gehören solche Anfeindungen leider zum Job dazu. 

Vor welchen Kunden ekelst du dich?
Ich will jetzt nicht direkt eklig sagen, aber ich habe einen Kunden, der es toll fand, seine feste Freundin fertig zu machen. Er hat dann Sprachnachrichten von mir gekauft, wo ich seine Freundin runtergemacht habe. Ich habe ihm dann auch Unterwäsche verkauft, die sie dann tragen sollte. Das fand ich ziemlich krass und da komme auch ich an Grenzen. Ansonsten gab es natürlich auch schon Kunden, die Wünsche hatten, die mit Fäkalien zu tun hatten – das mache ich dann nicht. Das finde ich wirklich eklig. Manche Kunden wollen auch Finger- und Fußnägel von mir haben. Aber Ekel und Fetisch liegen im Auge des Betrachters und solange alles im legalen Bereich ist, finde ich das in Ordnung. 

Wie oft musst du freundlich zu Kunden sein, obwohl du sie unsympathisch oder vielleicht sogar abstoßend findest?
Das kommt schon ab und zu mal vor. Bei vielleicht 20 Prozent meiner Kunden muss ich mich anstrengen, freundlich zu sein. Wenn diese Kunden beim Dirty Talk zum Beispiel darauf stehen, mich sehr zu erniedrigen, muss ich natürlich in meiner Rolle bleiben, obwohl mir das als Privatperson eigentlich nicht gefällt. Ich gehe dort aber in meiner Rolle als Bonny Tagesbrise auf und gebe dem Kunden worauf er steht. Dafür hat er mich ja schließlich bezahlt.

Mit welchen Kunden hast du Mitleid?
Ich habe ja nicht nur Kunden, die im normalen Leben keine Nähe erfahren. Das ist ein bunt gemischtes Publikum. Da sind bestimmte Leute dabei, die ein bisschen Nähe brauchen und sich in der Frauenwelt schwer tun oder sehr schüchtern sind. Aber mit den Kunden habe ich dann kein Mitleid, sondern ich freue mich, dass ich ihnen etwas geben kann, was sie brauchen. Die freuen sich auch immer sehr, das sind sehr dankbare Menschen. Die genießen das, wenn eine Frau, die sie sehr attraktiv finden, ihnen Aufmerksamkeit schenkt – ohne, dass sie sich selbst zeigen müssen und anonym bleiben können. 

Was würde dein zehnjähriges Ich zu deinem Job sagen?
Ich glaube mein zehnjähriges Ich wäre ziemlich beeindruckt von dem, was ich alles geleistet habe: Eine eigene Firma, zwei Mitarbeiter, die ich angestellt habe, eine schöne Wohnung. Ich hätte mit zehn Jahren aber wohl auch nicht so richtig verstanden, was ich da mache. Mein 13-jähriges Ich würde vielleicht ein bisschen skeptisch sein und mich fragen, ob das wirklich das Richtige für mich ist.

Welchen Content von früher würdest du heute nicht mehr so machen?Damals habe ich soften Content gemacht und heute traue ich mich viel mehr. Ich bin froh, dass ich jetzt vor der Kamera selbstsicherer bin.

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