Irische Traveller in Fingla bei der Hochzeit und beim Faustkampf
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Fotos: So leben irische Traveller

Sebastiaan Franco lebte zwei Jahre bei Travellern und dokumentierte ihren Alltag, inklusive Hochzeiten und Faustkämpfe.
07 April 2020, 2:45am

Zwei Jahre hat der belgische Fotograf Sebastiaan Franco mit irischen Travellern in Finglas gelebt, einem Vorort an den Ausläufern von Dublin. Die Gemeinschaft der Traveller oder Pavee, wie sie sich auch nennen, stammt ursprünglich aus Irland, lebt aber auch in Großbritannien, den USA und Deutschland. Früher erledigten Traveller saisonale Arbeiten in der Landwirtschaft oder handelten mit Pferden, aber diese Jobs gibt es kaum noch. Die ursprünglich nomadischen Familien werden seit Jahrzehnten von der irischen und der britischen Regierung gezwungen, sich anzupassen, und mussten sich in Orten wie Finglas niederlassen. In beiden Ländern sind sie vielen Vorurteilen und gesetzlichen Einschränkungen ausgesetzt.

Das Interesse an der Traveller-Community hatte den 27-jährigen Belgier nach Irland gezogen. Die Gemeinschaft ist bekannt für ihre Geschlossenheit. Nach anfänglicher Skepsis wurde Franco eines Tages schließlich zu einer Familie in den Wagen eingeladen. "Wir fingen an, Cider zu trinken – ein Glas, ein zweites, ein drittes und so weiter", sagt Franco. "Am nächsten Tag bin ich im falschen Wagen mit dem schlimmsten Kater meines Lebens aufgewacht." Aber der Belgier hatte ihr Vertrauen gewonnen.


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Laut Franco leben die Traveller ein Leben der Extreme. An normalen Tagen passiere nicht viel, aber wenn sie feiern, dann richtig. Innerhalb der Gemeinschaft herrschen zum Teil andere Gesetze als in der restlichen Gesellschaft. Faustkämpfe sind bei Travellern zum Beispiel ein normaler Weg, um Streitigkeiten zwischen Familien zu klären. Damit es auch danach keinen Anlass für Diskussionen gibt, werden die Kämpfe mit einer Videokamera gefilmt.

Traveller haben den Ruf, kriminell zu sein, aber Franco sagt, dass viele im Gefängnis seien, weil das Rechtssystem sie diskriminiere. "Traveller sitzen für Sachen ein, für die andere mit Sozialstunden weggekommen wären", sagt er.

Der Belgier fühlte sich von den Familien aufgenommen. Besonders nah stand er Uncle Paddy, den er bereits beim ersten Cider-Gelage kennengelernt hatte: "Ich liebe diesen Mann", sagt Franco. Zurück in Belgien veröffentlichte er seine Bilder in dem Buch Anásha. Den Namen hat der Fotograf von einem Traveller. Anásha ist shelta, wie die Sprache der Traveller heißt, und bedeutet "Aufgepasst!".

Unten kannst du ein paar von Francos Bildern sehen.

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Martyboy

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Uncle Paddy

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Ein traditioneller Faustkampf. Die Kontrahenten haben sechs Monate, um sich darauf vorzubereiten. Jeder wählt einen Schiedsrichter, zusammen einigt man sich auf einen dritten

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