Politik

Wegen rassistischer Morddrohungen gibt ein geflüchteter Kandidat die Bundestagswahl auf

Schon ein halbes Jahr vor der Wahl schmeißt der Grüne Tareq Alaows hin. Im Moment ist der Bundestag zu 94 Prozent biodeutsch.
1.4.21
Tareq Alaows, ein junger Mann mit Bart schaut nachdenklich, er hat sich als Geflüchteter gerade gegen eine Kandidatur für den Bundestag entschieden
Foto: Imago|photothek

Er hätte der erste syrische Geflüchtete im Bundestag werden können. Aber ein halbes Jahr vor der Wahl schmeißt Grünen-Politiker Tareq Alaows, 31, hin. Rassismus und Drohungen seien ihm zu viel geworden. Alaows hatte sich im Wahlkreis Oberhausen-Dinslaken um ein Bundestagsmandat bewerben wollen, die Ankündigung zog er am Dienstag zurück. 

"Meine Kandidatur hat gezeigt, dass wir in allen Parteien, der Politik und der Gesellschaft starke Strukturen brauchen, die strukturellem Rassismus entgegentreten und Betroffenen helfen", lässt sich Alaows auf der Seite der Dinslaker Grünen zitieren. Es gebe eine "zu hohe Bedrohungslage für mich und vor allem für mir nahestehende Menschen".

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Alaows hatte erst im Februar auf Facebook angekündigt, in den Bundestag zu wollen. Er wollte sich als Politiker für Menschenrechte und die Rechte von Geflüchteten einsetzen, schrieb er.  "Für eine funktionierende Demokratie ist es höchste Zeit, dass wir als Teil der deutschen Bevölkerung endlich im Bundestag vertreten sind." Jede vierte Deutsche hat einen Migrationshintergrund. Im Deutschen Bundestag sind es knapp sechs Prozent

Unter dem Post finden sich neben Gratulationen noch heute etliche Hasskommentare. Alaows wird nahegelegt, nach Syrien zurückzugehen, und unterstellt, sich die deutsche Staatsangehörigkeit erschummelt zu haben.

Tareq Alaows hatte in Syrien Jura studiert und dort für die Organisation "Roter Halbmond" Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. 2015 kam er über das Mittelmeer und die Balkanroute aus Syrien nach Deutschland. Hier angekommen engagierte er sich für die Seebrücke, organisierte Streiks für bessere Bedingungen in Geflüchteten-Unterkünften und trat den Grünen bei. 

Die Dinslaker Grünen suchen jetzt einen neuen Kandidaten für den Wahlkreis, zuletzt hatten sie dort nur 5,6 Prozent geholt. Alaows zieht sich erstmal aus der Öffentlichkeit zurück.

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