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Popkultur

Meine Top 5 Filme von Wes Anderson

Überwältigend Subjektives zum großen Hipster-Regisseur.
2.6.12

Selten gibt es Männer, die uns alle in einem nickenden Reigen des Wohlgefangens vereinen. Kein Method-Acting, sondern jede von Bill Murrays Rollen wird seine persönliche Kragenweite, vermischt mit unterschwellig-sexueller Aggressivtiät und einer schwer eindrucksvollen Meinetwegen-Attitüde: "Dann spiele ich eben einen Doktor, der mit Techno-Lasern Geister fängt, oder eine kafkaesk-tragische Figur, die den selben Tag immer und immer wieder durchlebt".

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Die Geschichte, dass Murray aus dem Nichts beim Sandwich eines Typen abgebissen hat und ihm bevor er verwand ins Ohr flüsterte: "No one will ever believe you", kennt man ja. Wie bei den meisten der erfundenen Bill "motherfucking" Murray Anekdoten, wünsche ich mir, dass sie stimmt. Sein Slow-Motion-Walk als Autogrammersatz ist übrigens auch Hammer! Als er 1970 am Flugahfen in Chicago für den Besitz von 5 Kilo Ganja festgenommen wurde, hätte man wohl schon in Stein meißeln können, dass er der ultimative Pep-Talker und Meh-Messiahs werden würde. Jeder mag schließlich den Typen mit Gras. Und auch Regisseure aller Genres wissen heutzutage um den Hype seiner Person und denken sich: Wenn ich den Murray habe, dann auch das Publikum auf meiner Seite. Die perfekte Überleitung für die Die Bunker TOP 5 der Wes Anderson Filme …

Nummer 5 - The Life Aquatic with Steve Zissou

Ja ich weiß, dies ist eine vollkommen subjektive Übung, die bei jedem wahrscheinlich anders ausfallen würde, aber ich schreibe hier den elenden Film-Blog, also Ruhe, bitte. Wohl oder übel muss ich mit Aquatic beginnen, die Hommage an Jacques Cousteau, den Unterwasserfranzosen dessen Dialekt man heute nur mehr vom Spongebob kennt. Eine Gruppe vom Leben verwirrter Seeleute gehen auf Haifisch-Rachefeldzug. Ein viel zu selten gesehener Jeff Goldblum, der eigentlich wie für Andersons verschrobene und Mise-en-scène-faschistischen Filme gemacht scheint, ist Zissous Anitgonist. Eine schwangere Cate Blanchett ist auch nicht zu verachten, nur nerven die roten Mützen dann doch einfach mehr, als dass sie cute sind. Solider Spaß, viel Murray und portugiesische Bowie-Covers.

Nummer 4 - Hotel Chevalier

Dieser Liebesleid-komprimierende Kurzfilm ist eigentlich die Einleitung zu The Darjeeling Limited, sozusagen der Prolog zum Hauptfilm. Wir erfahren einfach nur ein bisschen mehr über den amorös-gescheiterten Background der Schwartzmann Figur. Völlig abgesehen davon, dass man Natalie Portman blaugefleckten nackten Arsch zu sehen bekommt, gehören die Dialoge zu dem teilweise befriedigensten, engsten Austausch zwischen zwei emotional gestörten Personen, den ich jemals gehört habe. Jeder kennt die Situation auf die eine oder andere Weise. Wenige Worte, nur harte Wahrheiten, während Peter Sarstedts Gesang schmalzt …

If we fuck I'm gonna feel like shit tomorrow.

That's okay with me.

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I love you. I never hurt you on purpose.

I don't care

Nummer 3 - Moonrise Kingdom

Glücklicherweise habe ich mich getäuscht und meine Befürchtungen letzte Woche sind verwaschen wie Regentropfen im Sturm des Jahrzehnts. Die Beziehung von zwei 12-Jährigen war selten gleichzeitig so herzerweichend wie direkt und ohne billig-schönmalende Unschuld inszeniert. Leidenschaft im Pfadfinderlager und die frühreife Kids haben dabei den Gemütszustand von neurotischen Ende 40ern. Das junge Paar spielt genial. Ansonsten hat auf der 60er Insel wohl jeder über 20 schwere privat-soziale Probleme. Nur Bruce WIllis, auch wenn er passabel spielt, wirft mich ein bisschen aus der kunterbunten Anderson-Trance. Wie hält denn sein Toupe in der Szene mit so viel Regen? Eindeutig bleibt der neueste Wes-Film seiner Form treu, ohne sich von Geschichte her zu wiederholen. Das ist schön und ich bin schwer erleichtert. Und wer weiß, vielleicht rutscht Moonlight Kingdom ja mal einige Plätze nach oben, die Anderson Filme sind schließlich perfekt zum immer wieder Ansehen gemacht.

Nummer 2 - Rushmore

Zunächst, ein Soundtrack der meine zweite Pubertät los getreten hat. Von The Kinks bis The Faces, alles macht mich ganz schiarch senitmental. Es ist zweite, etwas unpoliertere Wes Anderson und vielleicht gerade deshalb so toll. Ein Unterstufler, Theaterautor und Overachiever, der keinen Platz in der realen Welt voller Schulaufgaben ohne Drama und substanzieller Arbeit hat, kämpft mit einem von seiner Familie-deprimierten Geschäftsmann um die Gunst einer Volksschullehrerin. Wir alle würden uns gegenseitig für die filigran-tolle Olivia Williamson Bienen an den Hals hetzen. Die Privatschule Rushmore und deren Klubs sind das Fundament, das bei Aquatic das Boot ist, bei Darjeeling der Zug, bei Mr. Fox der Fuchsbau und bei Tenenbaums das schräg-durchorganisierte Familienhaus. Schreibt wer von euch eine Arbeit über geniales Production-Design? Hint, Hint …

Nummer 1 - The Royal Tenenbaums

Der Film der für mich zum Standard wurde und nach dem sich alle richten müssen, Gwyneth Paltrow in einer ihrer wenigen, erträglichen Rollen - außer natürlich Pepper Potts - als permanent traurige Hundeaugen-Emo-Nymphomanin. Auch wenn Ben Stiller etwas aneckt, passt er letztlich gut rein ins Familiendrama rund um Adoption, Meskalin und Dalamtiner-Mäuse. Gene Hackmann ist der Antivater, Luke Wilson ein gescheiterter Tennisspieler (dessen Look zu Fasching jeder Sack nachahmen versucht) und Bruder Owen macht uns den gefallenen Cowboy-Literaten. Wir sehen eine Beziehung, die nicht sein soll, aus dem heriditären Misthaufen der Tenenbaum Familie erwachsen, umspielt von Nico mitsamt perfekt choreografierten Piloten. Ich habe noch nie ein schöneres Liebesgeständnis gehört, obwohl es von der emotionalen Intonation nach Rain Man klingt. The greatest love story ever told nur eben zwischen Bruder und Schwester. Ich verstehe bis heute nicht warum Richie sagt, er würde sich am nächsten Tag umbringen und es dann aber sofort tut … Hat wer Erklärungen hierfür und ja, ich scheiße auf Spoiler.

Bitte seid mir nicht böse, dass ich Fantastic Mr. Fox ausgelassen habe, aber bis auf einen feinen Soundtrack hat mich das George Clooney Puppenspiel leider etwas zu wenig begeistert. Apropos Musikvideo-Ästhetik, auch damit brilliert Tenebaums, spätestens bei dem Adlerrundflug untermalt von Hey Jude oder die Ramones Montage, die die sexuelle Ausentwicklung von der verkannt abenteuerlichen Margot beschreibt. Außerdem ist Alec Baldwin der Erzähler in diesem Film und diese Stimme ist ein Ohrenschmaus, Bitches. So endet eine Top-5 von vielen in diesem unserem Interweb und in Wirklichkeit hasse ich ja Top-Listen. Jetzt habe ich aber irgendwie Lust auf buntes Wassereis und ein extravagantes-irres Mädel mit zuviel Lidschatten bekommen.

 Alle Screenshots aus den jeweiligen Filmen

Josef auf Twitter: @theZeffo