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Wir sollten Montag frei kriegen, verdammt!

Nur weil der 3. Oktober auf einen Samstag fällt, sollten wir den Feiertag trotzdem bekommen. Wenn nicht, machen wir euch den Kapitalismus kaputt!
2.10.15
„Montag oder Tod! Montag oder Tod!“ Foto: imago/CTK Photo

Vor kurzem fragte ein englischer Kollege in die Runde, ob wir denn jetzt eigentlich den kommenden Montag freibekommen würden—weil der 3. Oktober ja unglücklicherweise auf einen Samstag fällt. Wir lachten ihn für diese kindlich-naive Frage natürlich herzhaft aus. Wo sind wir denn hier? Blubberlutschland?

Etwas pikiert erklärte uns der Engländer dann, dass man in England durchaus den Montag freibekommt, wenn der Feiertag auf einem Wochenende fällt. Ich war baff. Bis jetzt hatte ich Feiertage immer für gottgegebene Geschenke gehalten, die einen immer genau dann retten, wenn man kurz davor ist, sich auf seinem Bürostuhl so weit aus dem Büro zu rollen, bis man auf der Autobahn von einem Laster erfasst und endlich aus der endlosen Knechtschaft des Kapitalismus befreit wird. Da kommt plötzlich ein Feiertag um die Ecke, man hat man auf einmal drei—oder vier!—Tage Wochenende, und die Welt sieht wieder ganz anders aus.

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Feiertage waren für mich also immer segensreiche Glücksmomente—und segensreiche Glücksmomente kann man sich herbeiwünschen, aber einfordern kann man sie nicht. Man verlangt nicht lautstark nach ihnen, sondern ist dankbar, wenn sie plötzlich vor einem auftauchen. Es bringt fast schon Unglück, sich zu beschweren, wenn die Feiertage auf ein Wochenende fallen.

Dachte ich, und war damit offensichtlich voll auf die preussisch-protestantische Arbeitskonditionierung hereingefallen. Denn sehr viele Länder sehen das komplett anders, wie ich dann herausfand: Nicht nur in England, nein auch in Spanien, in Belgien, ja in mindestens 86 Ländern der Welt gibt es Kompensationsregelungen, wenn ein Feiertag falsch fällt!

Herausgefunden hat das der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages, der von der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann dazu beauftragt wurde. Zimmermann glaubt nämlich schon länger, dass es nicht nur eine Riesen-Ungerechtigkeit ist, wenn Feiertage einfach im Orkus des Wochenendes verschwinden (es gibt sowieso nur 5 bundesweite Feiertage! Und dieses Jahr fallen ganze zwei davon aus!). Tatsächlich vermutet die streitbare Linke, dass dahinter „wirtschaftliche Interessen" stecken.

Der Vorwurf wäre also: Unsere Arbeitgeber reiben sich jedes mal die Hände, wenn einer unser geliebten Feiertage spurlos an einem Samstag verpufft—weil sie uns nicht mal diese popeligen 5 Tage gönnen, diese Ausbeuter.

Aber ist das wirklich weise von ihnen? Jetzt, wo ich weiß, dass man Feiertage in anderen Ländern durchaus kompensiert bekommt, bin ich nämlich erst richtig wütend. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass die Feiertage womöglich einen essentiellen Teil zum Erhalt der kapitalistischen Werteordnung in Deutschland beitragen—indem sie dem Angestellten genau das gewisse Maß an Extra-Freiheit vorgaukeln, dass er braucht, um weiter zu funktionieren—könnte man als Plutokrat 2015 schon das Fürchten bekommen.

Das Jahr, das nur drei Feiertage hat, könnte gefährlich werden. Es könnte das Jahr sein, dass das Fass zum Überlaufen bringt. Es könnte das Jahr sein, in dem die Angestellten vom Alltagstrott schließlich so zermürbt sind, dass sie gar nicht anders können, als sich zu erheben! Sich von ihren Fesseln zu befreien, das System hinwegzufegen und einen Neuanfang zu wagen! Mögen die herrschenden Klassen zittern!

Es sei denn, ihr gebt uns den Montag frei. Und den nach Weihnachten auch, danke. Und vielleicht eine kleine Gehaltserhöhung? Dann lassen wir vielleicht nochmal mit uns reden.