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Macht uns das Internet zu Messies?

Das ist die Frage, die in der Kolumne Mim's Bit des MIT Technology Review gestellt wurde.
29.9.10

Das ist die Frage, die in der Kolumne Mim's Bit des MIT Technology Review gestellt wurde. Haben wir das Sammeln von Informationen über das Netz so verinnerlicht, das wir sie wie alte Magazine und leere Pizzakartons mit Notizen in unseren viel zu kleinen Wohnungen, a.k.a. Dreckslöchern, aufeinander stapeln? Viele von uns haben einen pathologischen Zustand entwickelt, der zwar vollkommen unsichtbar, aber trotzdem gefährlich ist, denn die sichtbaren Stapel Müll wurden zu Cyber-Ramsch.Kurz Zusammengefasst:

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Hat der unbegrenzte Zugang zu einem unendlich großen Pool an Informationen und Ablenkungen, der unmittelbar über Google abrufbar ist, das pathologische Sammeln von Informationen gehoben, indem die physische Präsenz des gesammelten Objekts eliminiert wurde. Oder ist das Netz so etwas wie Crack für einen cleanen Süchtigen, indem es uns alle–sogar diejenigen die noch keine krankhaften Symptome entwickelt haben–dazu bringt, sich mehr und mehr Dinge anzugewöhnen, die uns die eine Sache kosten, die selten ist auf dem Marktplatz der freien Ideen: Zeit.

Ein Artikel aus dem OCD Newsletter von vor ein paar Jahren listet eine ganze Anzahl an theoretischen Gründen für die psychologische Motivation des Informationssammelns auf:

Das Sammeln von Gedanken kann etwas mit Perfektionismus zu tun haben (z.B. würde ein perfekter Informationssammler all diese Infos in seinem Kopf haben: Information Hoarding: The Ne LATE FALL 2006 OCD NEWSLETTER 15), mit Übereifrigkeit (etwas für jemanden herauszuschen), mit Annahmen über das Gedächtnis (z.B.: Jeder kann sich daran erinnern, was die Zeitung schreibt, nur ich nicht, deshalb hebe ich die Artikel lieber auf), mit Möglichkeiten (z.B.: diese Information kann mein Leben verändern) und mit der Wichtigkeit von Information (z.B.: Jede moralische Person sollte das Wissen).

Das alles ist also kein Konzept, dass man sich bei Mim's Bit ausgedacht hat, aber es ist bemerkenswert, dass der Post momentan ganz weit oben in den Google-Ergebnissen steht, wenn man nach "Information Hoarding" sucht; das Konzept, oder vielleicht eher die Diagnose, ist also noch recht neu.

Persönlich bin ich vollgestopft mit Cyber-Ramsch, egal ob das ungelesene und gespeicherte PDFs von arxiv.org sind, oder Mp3s mit Musik, die ich mir noch nie angehört habe. Andererseits bin ich sowohl Musik- als auch Wissenschaftsjournalist und bin also vielleicht kein so gutes Beispiel. Mein Job ist es zu eurem Cyber-Ramsch beizutragen, ich darf das also.

Und es ist der Job vieler Leute, einen niemals-abreißenden Informationsfluss in ihre Computer/Telefone/was auch immer zu lenken. Wenn tatsächlich etwas krankhaftes im Sammeln von Informationen liegt, dann tun wir alles was wir können um selbst daran zu erkranken. Wenn du also die Eigenschaften eines Messies besitzt, aber dich bisher zusammengerissen hast, sie auszuleben, dann gibt dir also das Internet ein wunderbares und unsichtbares Ventil für dein kleines Problem.

Ich mache mir da weniger Sorgen, denn so sieht es bei mir aus.