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Bundestagswahl 2013

CDU-Politiker und ihr iPad-Fetisch

Wie Leute ihre digitalen Geräte halten, verrät alles über sie. Wann sie zum letzten Mal Stuhlgang hatten, ob sie ihre Frau schlagen, wie es mit ihrem Ödipuskomplex aussieht. Wir haben die CDU analysiert.
6.9.13

Viele kritisieren ja, dass das „C“ in CDU schon lange keine Bedeutung mehr habe. Doch CDU-Politiker sind immer noch religiös. Nur leider haben sie einen neuen Gott. Er heißt Apple. Und er gibt ihnen iPads, iPhones und MacBooks. Keine Partei hat so viele Tablets auf ihren Wahlplakaten, Politikerporträts und Facebook-Fotos. Wer der Union also skeptisch gegenüber steht, sollte bei der nächsten Berührung eines Apple-Touchscreens bedenken, welch konservatives Terrain die eigenen Finger gerade betatschen.

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Es geht bei dem aussagelosen Wahlplakat los, auf dem ein Mann einem blonden Mädchen irgend etwas Technisches auf einem Tablet erklärt. Im Internet kursiert bereits ein Fake, der noch weniger aussagt:

Oder die hessische CDU, die auf ihrem Sommerfest 2012 einen riesigen iPad-Rahmen als Foto-Gag verwendet hat. Familienministerin Kristina Schröder konnte nicht nein sagen, als es darum ging, auf einem Foto symbolisch in die Zukunft zu blicken.

Kommen wir nun zur ultimativen christdemokratischen Touchscreen-Orgie. Für die Bundestagskandidaten bietet die CDU-Zentrale einen Service an: Man kommt ins Konrad-Adenauer-Haus und lässt sich von einem Profi fotografieren. Solche Fließband-Shootings haben nur leider zur Folge, dass nun ein und dasselbe Tablet auf mehreren Wahlplakaten von Kandidaten in der ganzen Republik abgebildet ist. Und nur die wenigsten scheinen so recht zu wissen, was sie damit anfangen sollen. Denn meistens liegt es nur irgendwo rum, und die Politiker tun so, als kritzelten sie etwas in ein Notizbuch. Hauptsache, das heilige Gerät kann seine Aura auf dem Bild entfalten.

Man kann sich mühsam durch die CDU-Bilddatenbank klicken, man kann aber auch Felix Schwenzels schöne Übersicht anschauen.

Ich habe schon sehr viele Menschen mit Apple-Produkten in der Hand gesehen. Und ich wage zu behaupten, dass die Art, wie Leute ihre digitalen Geräte halten, alles über sie verrät. Wann sie zum letzten Mal Stuhlgang hatten, ob sie ihre Frau schlagen, wie es mit ihrem Ödipuskomplex aussieht. Einfach alles. Deshalb möchte ich die CDU-Politiker einem kleinen Test unterziehen. Ich werde ihnen aus der Hand lesen und euch alles über sie verraten.

Franz-Josef Jung, du schlimmer Finger. Laut deiner Website bist du verheiratet und hast Kinder. Und wo ist bitte dein Ehering? Ein Signal an alle weiblichen CDU-Fans. Sind das Elitepartner-Kontake, die du dir da von deinem Tablet notierst? Aber wenn man mal genau hinsieht, schreibst du gar nicht. Wer schreibt auch mitten in ein leeres Notizbuch? Da findet deine Sekretärin ja nichts!

Norbert Lammert, wie schaffst du es, mit denselben Requisiten so viel anständiger auszusehen als Franz-Josef Jung? Der Ehering sitzt, die Schreibhand schreibt. Schließlich steht bei dir einiges auf dem Spiel: Von der Plagiatsaffäre um deine Doktorarbeit hat man zwar schon seit Wochen nichts gehört, aber es kann nie schaden, etwas Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Deine Hand versichert uns: Ich komme aus einer Zeit, als es noch kein Copy&Paste gab, ich schreibe selbst!

Kai Whittaker, du geile Sau! Dein Slogan heißt „Gemeinsam anpacken“. Auf deinem Facebook-Coverfoto krempelst du die Ärmel deines weißen Hemds hoch. Wenn du dir ein neues Hemd kaufst, ziehst du es sofort an, ohne lästiges Bügeln. In deiner badischen Heimat arbeitest du bei der Firma HERRENKNECHT und verkaufst TUNNELBOHRMASCHINEN. Du hast der Berliner U5 ihren Bohrer geliefert. Als Klaus Wowereit den Herrenknecht-Bohrer namens „Bärlinde“ einweihte, war ein neues Gay Icon geboren. Man wird dich in Berlin mit offenen Armen empfangen!

Wilfried Lorenz aus Hannover, du christdemokratisches Styleopfer! Deine Krawatte vereint die Farben der Trainingsanzüge eines gesamten Aerobic-Kurses von 1985. Dein tiefblauer Siegelring schafft Vertrauen—aber ob er auch mit dem Touchscreen deines Tablets funktioniert? Du bist auf jeden Fall der Rebell unter den CDU-Models: Du pfeifst auf Stift und Papier, du benutzt dein weinrotes Smartphone.

Es ist wirklich sauschwer, bei diesem Fotoshooting nichts Peinliches zu tun. Man muss das iPad nur in die Hand nehmen und schon zeigt man den Wählern den Stinkefinger.

Dafür wurde der erzbürgerliche Steglitzer Kandidat Karl-Georg Wellmann von bild.de sogar schon mit Bushido verglichen. Volker Mosblech ist die gleiche Scheiße passiert, und das auch noch unscharf.

Es gibt natürlich einen Grund für die iPad-Obsession der Union: purer Nachahmungstrieb. Denn die Kanzlerin und Parteivorsitzende selbst ist iPad-süchtig, wenn man den Bildern der dpa Glauben schenken darf. Letztes Jahr hat sogar Horst Seehofer Angela Merkel als Apple-Opfer kritisiert: „Auf so einem Ding tippt auch die Kanzlerin herum—selbst im schönsten Gespräch“, sagte er der Welt am Sonntag.

Spätestens vor dem nächsten Wahlkampf in vier Jahren, für den sich Peter Altmaier eine Datenbrille und Hermann Gröhe eine Smartwatch implantieren lassen werden, sollte sich die CDU in APPD umbenannt haben: Apple Produkt Partei Deutschlands.

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Hat sich da der Teufel in die Partei Bibeltreuer Christen eingeschlichen?