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Popkultur

​Wie ihr euch im Internet verhalten solltet, wenn das Wetter mal wieder total verrückt ist

Regen, Wind, Schnee und ihr seid kurz davor, eure Meinung zu Sturmtief Niklas zu twittern? Erst solltet ihr diesen Text lesen.
31.3.15

Thomas8047 | Flickr | CC BY 2.0

Der Winter—geschweige denn April—ist noch gar nicht da und trotzdem wirft einen das Wetter von einer Extremsituation in die nächste. Da freuen wir uns, denn über das Wetter reden wir gerne—eben auch, weil wir im Gegensatz zu anderen Regionen der Welt nicht von Hurricanes oder Sturmfluten bedroht sind. Das Wetter tut hier niemandem weh, deswegen kann man sich auch ganz ungehemmt und ohne schlechtes Gewissen darüber beschweren. Und weil Social Media eine Art Live-Spiegel unserer aller Seelen ist, tauscht man sich auf Twitter, Facebook und Co. ganz besonders gerne über die aktuelle Wetterlage aus.

Damit auch ihr up-to-date seid und euch nicht im Wust der Trending Topics verliert, haben wir für euch ein paar Richtlinien zum Thema Internet und Wetter zusammengestellt.

Vermeidet das Offensichtliche

Gerade Twitterer scheinen sich über die kognitiven Fähigkeiten ihrer Follower nicht immer ganz im Klaren zu sein und brillieren gerne mit messerscharfen Situationsanalysen wie „Es regnet" oder „Schnee!" Um weitere Missverständnisse zur aktuellen Wetterlage zu vermeiden, wird dazu gerne auch noch ein verwackeltes Bild durchs Wohnzimmer- oder Bürofenster geschossen. Wer es etwas artsy mag, fotografiert insbesondere bei Regen- und Schneefall gerne schräg ins Sonnenlicht und wertet das Ganze dann noch mit einem warmen Instagram-Filter auf.

Das ist sicherlich gut gemeint, liebe Internetnutzer, bedenkt aber bitte Folgendes: Jeder, der nicht unter der Erde lebt und/oder blind ist, hat wahrscheinlich schon für sich selbst herausgefunden, ob draußen gerade die Welt untergeht. Und wessen Sicht so stark beeinträchtigt ist, dass er den überraschenden Schneesturm nicht mit eigenen Augen wahrnehmen kann, ist wahrscheinlich auch nicht dazu in der Lage, eure Posts zu lesen. Außer Twitter stellt demnächst ein Braille-Plug-In zur Verfügung.

Die Kritik an der Wetterkritik ist auch nicht besser

Vergesst Helter Skelter—sollte es irgendwann zu einem finalen Kampf zwischen zwei Menschengruppen kommen, wird es sich dabei um Wetterkritiker und Wetterkritiker-Kritiker handeln. Wo jemand ist, der mit atemlosem Staunen eines Kindes die aktuelle Wettersituation in die Welt posaunt, wartet ein verbitterter Zyniker mit strengem Zug um den Mund nur darauf, zu intervenieren und sich öffentlich über die Schnee-/Sturm-/Regen-Posts aufzuregen. Einerseits kommt man nicht umhin, ihm in seiner Rumjammerei irgendwie zuzustimmen, andererseits ist die Social-Media-Reaktion auf jeden Captain Obvious da draußen mittlerweile ähnlich vorhersehbar und nervig wie die Ursprungsposts. Deswegen: Schluckt euren Hass hinunter oder kotzt euch bei eurem Lebensabschnittspartner aus. Dafür ist der schließlich da.

Spart euch furchtbare Witze

Ja, es ist schwer, nicht auf irgendeinen Hypetrain aufzuspringen, wo die aktuelle Wettersituation doch immer zuverlässig unter den deutschen Trending Topics landet. Trotzdem gibt es keinen Grund, mit schlechten Wortwitzen, imaginierten Weltuntergangsszenarien, Klimawandelschenkelklopfern oder Aussagen á la „Ist denn schon wieder Weihnachten?" auf Follower-Fang zu gehen. Ja, vielleicht retweeten euch ein paar verlorene Seelen da draußen oder euer heimlicher Büroschwarm kommentiert euren Facebook-Status mit einem mitleidigen „Hihi". Spätestens wenn der Schnee geschmolzen ist, werdet ihr euch für diese billigen Schreie nach Aufmerksamkeit aber zu Tode schämen.

Twittern ist Regen, Schweigen ist Sonnenschein

Das mag jetzt verrückt klingen, aber: Schon in der Vergangenheit hat es des Öfteren mal überraschend geregnet, Schnee fällt nicht nur an Weihnachten und im Sommer ist es mal brütend heiß, mal nicht so. Wenn irgendein Mammut das Ende der Eiszeit über seinen Social-Media-Feed mit der Welt geteilt hätte, dann wäre das angemessen gewesen. Wenn ein Dinosaurier „Leute, seht ihr auch diesen riesigen Feuerball am Himmel oder bin ich der Einzige? lol" in sein Smartphone getippt hätte, dann hätte er vielleicht irgendjemandem da draußen einen Dienst erwiesen.

Wer sich aber als omnipotenter Hashtag-Wetterfrosch mit Schenkelklopfern auf Karnevals-Niveau betätigen möchte, darf sich über den Hass seiner Mitmenschen nicht wundern. Deswegen: Zieht euer Regenmäntelchen an, klappt den Regenschirm auf oder schraubt euch Spikes in die Schnee-Schuhe—aber tut es unter Ausschluss der Öffentlichkeit. (Außer es ist zu irgendeinem Punkt eine abstrus dicke Katze involviert. Das Internet liebt abstrus dicke Katzen.)

Folgt Lisa bei Twitter.