Reisen

Mit Dosenluft lässt sich in China gutes Geld verdienen

Ein kanadisches Unternehmen namens Vitality Air verkauft frische Bergluft an Chinas smoggeplagte Stadtbevölkerung.

von Arielle Pardes
17 Dezember 2015, 9:55am

Wenn diese Szene aus ‚Spaceballs' mal nicht als Inspirationsquelle gedient hat ...

Aus Gründen, die bislang noch nicht abschließend geklärt sind, sind Menschen dazu bereit, für Atemluft gutes Geld auf den Tisch zu legen. Sauerstoffbars erfreuen sich, warum auch immer, weiterhin unglaublicher Beliebtheit. Nach Kanyes Yeezus Tour 2014 verkauften Konzertbesucher unterschiedlichste Luftsouvenire von der Show—inklusive Druckverschlussbeutel gefüllt mit „Yeezus Air". Noisey-Redakteur Dan Ozzi entfachte sogar mal auf eBay einen regelrechten Bieterkrieg über eine Tüte mit der Aufschrift „Williamsburg Air". Seine Auktion schaffte es bis zu einem Gebot von 20.100 US-Dollar, bevor ihm eBay dann den Riegel vorschob.

Jetzt hat auch eine kanadische Firma namens Vitality Air das Geschäft mit der frischen und sauberen Atemluft für sich entdeckt und verkauft Sauerstoff, der direkt aus den kanadischen Rocky Mountains bezogen wird. Die drei Liter Dosen, natürlich „hand-bottled", sehen aus wie Haarspraydosen, kosten etwa 12,50 Euro und enthalten genug Luft für 80 einsekündige Inhalationen. Es ist nicht ganz klar, wie man die Luft genau inhalieren soll (schnüffeln? Durch eine Atemmaske inhalieren? Einfach wie eine Dose Raumduft verwenden und die Luft in den heimischen vier Wänden damit aufbessern?), trotzdem verkauft sich das Zeug wie geschnitten Brot.

In Kanada selbst gilt Vitality Air wenn überhaupt als Nischenprodukt, aber das Unternehmen teilte CNN vor Kurzem mit, dass die Absatzzahlen in China, wo Luftverschmutzung bekanntermaßen ein großes Problem ist, beständig steigen. Die erste Ladung mit 500 Dosen Luft für den chinesischen Markt war innerhalb von zwei Wochen ausverkauft.

Das Konzept mit der Dosenluft ist in China, wo die Luftverschmutzung so hoch ist, dass jährlich mehr als eine Millionen Menschen daran sterben, nicht gerade neu. Letztes Jahr lieferte ein Reiseunternehmen 20 große Beutel frischer Bergluft nach Zhengzhou, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Henan, und ließ die Bürger diese einatmen. Die Promo-Aktion sollte die Menschen dazu motivieren, sich einen Urlaub außerhalb der versmogten Stadt zu gönnen. 2013 begann ein chinesischer Geschäftsmann damit, grüne und orangene Dosen mit „frischer Luft" für etwa 70 Cent pro Stück verkauft. In den ersten zehn Tagen wechselten 8 Millionen Dosen ihren Besitzer.