40sibenefuuscht vs. 4056-Multikulti-Gated Community: Die Basler Wasserschlacht 2014

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40sibenefuuscht vs. 4056-Multikulti-Gated Community: Die Basler Wasserschlacht 2014

„Nüt mit Wasserschlacht das isch e Bluetbad!"-Die Bilder der traditionellen Wasserschlacht auf der Dreirosenbrücke.

Etwa 200 Lokalpatrioten und Söldner aus anderen Postleitzahlzonen versammelten sich letzten Samstag auf der Basler Dreirosenbrücke zur jährlichen Wasserschlacht. Die Wasserschlacht zwischen dem unterem Kleinbasel (Postleitzahl 4057) und dem St. Johann (Postleitzahl 4056) ist die Übersetzung von Quartierkrawallen in eine Stadt, in der die Anzahl Pharma-Headquarters nur von der Anzahl international bedeutender Messen geschlagen wird. Ein wunderbar friedlicher Kanal für Aggression und Energie. Und eine Art Nachmittags-Bad Taste-Party, an der jeder, der sich nicht die Postleitzahl auf ein T-Shirt gedruckt hat, in pinken Leggins erscheint.

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Im Vorfeld tobte der Medienkrieg: „Nüt mit Wasserschlacht das isch e Bluetbad!" „Alli an e Wand draa …" und „56-Multikulti-Gated Community" sind nur die originelleren Passagen aus dem Agitprop-Rap von Kleinbasler Seite. Das „Stand up for your Hood"-Video vom St. Johann war dagegen harmlos.

Am Tag der Schlacht verhielt sich das anders. Während das „Vierzigsiibenefuuscht"-Bataillon von einem selbstironischen Samurai angeführt wurde, verhüllte die Horde aus dem St. Johann ihre Ankunft in schwarzen Rauch. Ein Kleinbasler JUSO-Vertreter meinte dann auch, dass die Ausgangslage nicht fair war, da die Vertreter vom Revolutionären Aufbau im St. Johann nicht nur mehr Demo-Erfahrung hätten, sondern sich auch alle mit Hightech-Wasserpistolen eingedeckt hatten.

Verstört schauten arabische Touristinnen, die das Schlachtfeld im Auto passierten. Verstört waren auch die Gäste der äthiopischen (oder eritreischen) Hochzeit, die an der nahen Tramstation warteten. Unter der Wasserschlacht gelitten haben aber nur die Brillenträger (Wem gehört eigentlich die zerschlagene Brille, die auf unserem Migros-Wägeli geblieben ist?), die von Wasserballon-Mörsern zerschlagenen Putzkübel und das städtische Reinigungspersonal, das wohl einen Sondereinsatz einlegen musste.

Alle anderen nutzten Erinnerungen an Counterstrike-Teamtaktik, Demo-Erfahrung und die Freude an Hetzparolen gegen das Nachbarquartier, um sich mit Wasser, Wasserballons, Pflanzenspritzer, gasbetriebenen Wasserpistolen, modifizierten Wasserpistolen und fabrikneuen Bonzen-Wasserpistolen zu duellieren. Nach einer halben Stunde reklamierten beide Quartiere den Sieg für sich. Das Wasser war aus.

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Alle Fotos von Alain Appel