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Popkultur

'Batman V Superman: Dawn of Justice' ist überraschenderweise ziemlich super

Hier sind 3 gute und 3 schlechte Dinge über ,Batman V Superman'.

von Josef Zorn
23 März 2016, 11:30am

(c) Warner Bros.

Ich mag Batman. Jeder mag Batman. Es ist ein bisschen wie zu sagen „Ich mag Pizza". Ich bin ziemlich sicher nicht alleine mit meiner Vorliebe und den thematisch passend bedruckten T-Shirts. Der Superman-Film aus dem Jahr 2013 hat ein Sequel bekommen, trägt noch plakativer den Messias-Komplex vor sich her und ratet mal, wer dabei ist (nicht so schwer, da im Titel vermerkt)? Genau, Batman.

Batman V Superman: Dawn of Justice ist—auch wenn es uns Zynikern echt komplett unmöglich erschienen ist—ziemlich cool geworden. Regisseur Zack Snyder sei Dank hat der Film natürlich auch seine Scheißmomente—wie etwa der zum tausendsten Mal aufgerollte Elternmord von Batman gleich zu Beginn oder der Umstand, dass eine große Kreatur immer plakativ wie ein T-Rex oder Bergtroll in die Kamera grölen muss. Es gibt einfach ein paar Blockbuster-Klischees, die sich auch dieser Film nicht nehmen lassen wollte. Hier sind jedenfalls die essentiellsten Plus- und Minuspunkte dieses zweieinhalbstündigen Filmmonsters.

Alle Bilder sind offizielle Stills (c) Warner Bros.

GUT: Ich lag echt falsch!

Erwartungshaltungen sind eine komplizierte Sache. Manche meinen, dass das, was man von einem Film erwartet, dafür ausschlaggebend ist, ob man in Folge positiv überrascht oder enttäuscht sein wird. Vielleicht ist es aber auch einfach das Verlangen, im „richtigen" Team zu sein—es war schon hart, als ich damals der einzige war, der auf Partys immer Keshas „Blow" auflegen wollte.

Wie fast alle, mit denen ich vor meinem Kinobesuch gesprochen habe, hatte auch ich Batman V Superman völlig abgeschrieben. Die geistigen Säbel waren gewetzt und der Verriss im Kopf quasi schon ausformuliert. Doch nicht nur im Kontrast zu meinen niedrigen Erwartungen ist der Film gut—sondern auch ganz für sich alleine.

Damn you, Batfleck, ich hätte dich so gern gehasst.


Wer hätte das gedacht. Man of Steel war schon eher mies, Batman V Superman soll mal eben ein neues cineastisches Comic-Universum kickstarten, Ben Affleck ist Batman, Jesse Eisenberg ist Lex Luthor und diese sehr entmutigenden Trailer—das waren schon nicht wenige (wenn auch ziemlich vorurteilsbehaftete) Omen für Schwarzseher wie mich.

Alles deutete auf einen Kübelkandidaten hin, so wie der schreckliche Fantastic Four-Reboot. Nach den ersten zehn Minuten merkt man aber, dass Batman V Superman wirklich funktioniert. Die komplexen Handlungspunkte sind gut geschrieben, ordentlich verbunden und dieses ganze Geflecht völlig abstruser Figuren ist nachvollziehbar ausgelegt.

Plötzlich spielt Eisenberg den perfekten psychopathischen Comic-Fädenzieher. Ein guter Gegenspieler tut so einer Geschichte immer gut. Auch unser Emo-Superman funktioniert so auf einmal viel besser. Seine etablierte Beziehung zu Lois Lane—pointiert gespielt von Amy Adams—, die gesellschaftliche Reaktionen auf seine desaströsen Weltrettungen und den Hass von Bruce Wayne haben die Schreiber wirklich gut hinbekommen. Sogar die Dialoge treffen meistens ins Schwarze.

GUT: Das ist der beste Kino-Batman!

Und nicht nur wegen des mächtigen Kinns. Ben Affleck ist ein extrem großer Batman-Fan, was auch Hauptgrund für seine peinliche Daredevil-Verfilmung aus 2003 war. Er wollte einfach so sehr als maskierter Rächer durch die Gassen hüpfen, dass ihm dabei schon wieder egal war als welcher. In Batman V Superman sehen wir jetzt zum ersten Mal einen militaristischen, psychisch kranken und eigentlich erzkonservativen dunklen Ritter—und ich liebe ihn.

Wie in den Comics schon sehr üblich, stellt Afflecks Batman einen manisch getriebenen Selbstjustizler dar, der sich letztlich sogar selbst als kriminell bezeichnet. Er ist kein Vorbild oder Held, er ist Gothams teuflische Zwangsneurose mit Umhang. Vielleicht mochte ich Christopher Nolans Batman deshalb nie so wirklich. Diese Figur muss kaputt sein und verdammt noch mal wie ein Ninja einen ganzen Raum voller bewaffneter Dudes ausschalten können—eben genau so wie in Batman V Superman.

Dieser Batman ist kein Vorbild oder Held, er ist Gothams teuflische Zwangsneurose mit Umhang.

Und trotzdem bleibt Superman die dramaturgische Hauptfigur des Films—das ist wahrscheinlich der wahre Geniestreich von Batman V Superman. Batman passt perfekt in diese „Nebenrolle", da seine Bad-Ass-Momente gezielt eingestreut werden können und er nicht die Verantwortung hat, die Handlung alleine zu tragen.

Auch Afflecks Bruce Wayne ist cool, authentisch und witzig—party on, Wayne! Einer der Schreiber von Argo hat in den Produktionsphasen auch mitgeholfen, das Drehbuch ordentlich durchzuarbeiten. Es braucht also nur ein paar Oscars, um Batman in einer Comic-Verfilmung ordentlich hinzubekommen. Ach ja, und noch einen Oscar-Preisträger wie Jeremy Irons als Butler. Damn you, Batfleck, ich hätte dich so gern gehasst.

Foto vom Autor

GUT: DIESES DC-UNIVERSUM KÖNNTE ECHT ZIEMLICH GEIL WERDEN!

Marvels Superhelden haben DCs Batman V Superman noch kurz vor seiner Premiere so richtig von allen Seiten her gefickt. Da gab es den Captain America: Civil War-Trailer, in dem Spidermans Augen uns verführerisch zuzwinkerten, die zweite Staffel Daredevil, die Netflix regiert und Punisher im Gepäck hat, sowie Deadpool, der die Türen für die Comic-Unterhaltung ab 18 aufgestoßen hat. Die „Batsy VS Supes"-Rauferei von Warner Brothers und DC kann tatsächlich einiges entgegenhalten.

Als Wonderwoman, hier in Batman V Superman erstmalig vertreten, auf einem Bild aus dem Jahr 1918 mit Trenchcoat in einem Einsatztrupp aus dem Ersten Weltkrieg zu sehen ist, musste ich innerlich jauchzen—das hätte aus einem Hellboy-Comic sein können! Ihr Hans-Zimmer-Musikthema klingt wie ein Led-Zeppelin-Kriegsschrei und ein bisschen nach Amazonen mit ganz viel Gänsehaut. Wir bekommen auch kleine „Der erste Schuss ist gratis"-Vorgeschmäcker auf die Justice League—The Flash, Aquaman, Doomsday und sogar ein bisschen Darkseid. Ich bin echt aufgeregt!

Minireferenzen auf Parademons oder Boom Tubes weisen aufmerksame Beobachter darauf hin, dass es dieses erweiterte DC-Universum todernst mit uns meint. Die Geister werden sich daran scheiden, ob man sich den ganzen wirren Nerd-Scheiß der Comic-Galaxien wirklich zumuten kann, aber ich bin gerne dabei. Diese ganzen sich auftürmenden, ausufernden Storylines mit interstellaren Gegnern, Zeitreisen und Multiversen sind komplett irre. Die Hefte werden lebendig. Ein mehrteiliges Mammut-Epos! Da kribbelt es schon extrem im Popkulturzentrum des Frontallappens.

SCHLECHT: Batman schießt nicht!

Batman feuert eigentlich nicht mit Miniguns, überfährt keine Leute oder wirft mit Autos um sich. Er ist vielleicht brutal und schreckt auch nicht vor Knochenbrecher-Moves zurück, aber er ist nicht grausam. In ein paar Momenten von Batman V Superman geht der weltbeste Detektiv mit der Maske ein bisschen zu weit.

Das mit den Waffen ist ein wichtiger Punkt, da Batman wie in den Comics eigentlich Schusswaffen abgeschworen haben müsste. Seine Eltern wurden schließlich erschossen. Dafür gebe ich auch Zack „Guns are Fun" Snyder die Schuld. Wenn der nicht 1:1 die Bilder der Comics nachdreht, kommt nur schwindliger Blödsinn raus.

In manchen Szenen von Batman V Superman, in denen Batman Militärs aufräumt wie Bud Spencer seine Gegner mit der Bohnenpfanne, hält er sich nämlich sehr wohl an seinen Vorsatz, keine Schusswaffen zu benutzen. Da holpert die Kontinuität, besonders für den Batman-Puristen—für das NRA-Mitglied wohl eher weniger.

Wayne ist im Film übrigens auch ein ziemliches Muttersöhnchen. Und damit meine ich: mehr noch als Superman. Obwohl ich zugeben muss, dass es in dem ausschlaggebenden Moment, den ich hier kryptisch anspreche, um Spoiler zu vermeiden, hinter meiner IMAX-Brille ziemlich feucht wurde.

SCHLECHT: Die Trailer waren der größte Scheiß!

Ich verstehe ja, dass es Trailer braucht. Ich verstehe sogar Teaser-Trailer. Und ich wehre mich noch nicht mal dagegen, dass es von jeder Gattung circa fünf geben muss, um den Kinostart zu antizipieren. Aber wenn schon, dann müssen sie gefälligst auch als Kunstform ernstgenommen und nicht wie 70er-Jahre-Trailer, die ein reines Spoiler-Fest waren, runtergeschnitten und rausgehauen werden.

Auch bei Batman V Superman wurden die allermeisten wichtige Momente bereits auf YouTube in die Massen gekotzt—und das natürlich völlig aus dem Kontext gerissen. Das kann man echt nicht bringen. Eigentlich kann man den Film auf allen Trailer-Versionen basierend Stück für Stück nachbauen: Erst kam ein cooler Teaser, dann ein mittelmäßiger Trailer, darauf ein schlechter Trailer und dann noch ein echt cooler, der den vorigen schlechten wettmachen sollte.

Es gibt einen gigantischen potentiellen Spoiler am Ende, von dem wir alle nichts geahnt haben!

Versteht mich nicht falsch, der Film hat echt mehr zu bieten als nur die Zitate aus dem Trailer. Es gibt einen gigantischen potentiellen Spoiler am Ende, von dem wir alle nichts geahnt haben—keine Sorge, ich sag nichts. Nur wenn einem im Vorhinein die Rosinen aus dem Filmerlebnis gepickt werden, ziehen sich die wenigen überlangen Szenen in Batman V Superman gleich noch um einiges mehr.

SCHLECHT: Die Moralkeule spielt mit uns!

Für diesen Punkt kann der Film selbst eigentlich nicht viel: Direkt nachdem ich die einnehmende Vorstellung von Batman V Superman verlassen hatte, kamen von allen Seiten Terror in Brüssel, EU-Statements, zynische Hashtags, leere Gebete und die typischen Reaktionen. Gerade ein Film, der überdramatisch gesellschaftlichen Zusammenhalt, Fremdenhetze und explodierende Regierungsgebäude abhandelt, fühlte sich in so einem Moment deplatziert, fast pietätlos an.

Besonders hart ist es, dabei zu realisieren, dass Menschenmassen mit Friedenslichtern, empathielose Aggressoren und blinde Ideologien gar nicht so fiktiv sind, wie es der Flattermann und sein Freund im rotblauen Body aussehen lassen. Batman V Superman kritisiert Terrorpolitik und glorifiziert gleichzeitig kompromisslose, auf bloßen Verdacht hin erfolgende Brutalität.

Und auch wenn das einige Leute vielleicht zum Nachdenken anregen könnte, schlägt der Film doch irgendwie emotionales Kapital daraus, eine der komplexesten Problematiken unserer Zeit und tatsächliches Leid ziemlich einfach abzuhandeln. Grußspurig moralisierende Vorfälle sind an der Tagesordnung, dafür muss man sich eigentlich gar nicht mehr an die fiktiven Übermenschen wenden. Schwierig. Aber Spaß an Filmen sollte man sich wirklich von niemandem nehmen lassen.

Josef auf Twitter: @theZeffo