Im Gespräch mit einem Bukkake-Party-Girl

Wir haben uns mit Sarah Jane darüber unterhalten, was ihre Familie von ihrem Job hält, wie die Teilnehmer der Bukkake-Partys so drauf sind und welche Risiken bestehen, wenn man Sperma ins Auge bekommt.

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23 April 2015, 11:36am

Alle Fotos: bereitgestellt von Sarah Jane

Mein Sexleben ist nicht gerade spektakulär. Ich schaue keine Pornos, habe noch nie jemanden gefistet, war noch nie in einen Dreier involviert und es wurde mir noch nie ins Gesicht gespritzt. Deshalb war ich auch ein wenig nervös, als ich ein Treffen mit der Porno-Darstellerin Sarah Jane vereinbarte, die sich auf Gangbangs und Bukkake spezialisiert hat und auch gerne mal ordentlich Party macht. Sarah lebt in meiner Heimatstadt und könnte vom Alter her meine Schwester sein.

Als Treffpunkt haben wir einen Pub in der Nähe einer heruntergekommen Bar ausgemacht—in besagter Bar war ich mal als Kellnerin tätig und habe den Spielern der lokalen Fußballmannschaft die Getränke gebracht. Als ich im Pub ankam, küsste ich Sarah auf die Wange und es fühlte sich so an, als hätten meine Lippen gerade ein Baby aus Kaschmir berührt.

VICE: Hi Sarah. Deine Haut ist ja richtig zart.
Sarah Jane: Ja, das habe ich dem Sperma zu verdanken. Bukkake tut der Haut richtig gut. Mir wird immer gesagt, wie zart meine Haut ist—vor allem im Gesicht und auf meinen Brüsten.

OK, das merke ich mir. Aber was ist, wenn du mal eine Ladung ins Auge bekommst?
Das sollte man auf jeden Fall vermeiden. Das brennt höllisch und so lassen sich auch Geschlechtskrankheiten übertragen. Jetzt gerade trage ich Kontaktlinsen, aber später steht noch eine Bukkake-Party an. Da nehme ich die Linsen dann raus und trage stattdessen meine Brille. Die ist zwar schon mit Stärke, aber ich habe sie nur in einer Drogerie gekauft. Danach landet sie nämlich sowieso im Mülleimer.

Und wenn etwas hinter das Brillenglas kommt?
Die Teilnehmer sagen mir, wenn sie kurz vorm Abspritzen sind, und dann kann ich meinen Kopf so drehen, dass auf keinen Fall etwas ins Auge kommt. Danach spüle ich meine Augen sicherheitshalber noch mit Wasser aus. Und falls ich mal keine Brille tragen sollte, dann sage ich einfach, dass sie mir auf die Titten spritzen sollen. Ich habe das Sagen—ich bestimme, wohin und wann sie kommen dürfen. Wenn mir ein Typ auf die Schulter klopft und meint, dass er kurz vorm Höhepunkt ist, dann sage ich einfach: „Warte noch kurz!" Selbst wenn ihm die Eier schon fast platzen, wird er das trotzdem auf jeden Fall tun.

Du meintest, dass später noch eine Bukkake-Party ansteht. Wie bereitest du dich darauf vor?
Ich trage einfach nur ein wenig Make-up auf—aber nur das günstige Zeug, weil es ja sowieso wieder verschmieren wird. Einige Typen stehen voll drauf, wenn die Schminke verläuft. Zu Beginn des Abends fixiere ich das Ganze noch mit Haarspray, aber wenn die Party mal richtig in Schwung gerät, dann ist ein verschmierter Look das Beste. Ich verwende auch niemals Bräunungscreme. Das habe ich einmal gemacht und letztendlich hat das Sperma dann weiße Flecken auf meinen Brüsten verursacht.

Wie genau läuft eine Bukkake-Party ab? Ist das genau dein Ding?
Ja. Normalerweise geht alles recht schnell über die Bühne. Die Jungs machen nach dem ersten Abspritzen eine kurze Pause und dann folgt Runde Zwei. Manchmal dauert das Ganze auch über zehn Minuten. Wenn die Teilnehmer kurz vor dem Orgasmus stehen, dann rücken sie immer näher. Normalerweise habe ich immer zwei oder drei Kerle ganz nah bei mir und rede dann versautes Zeug. Sie spritzen schließlich auf mein Gesicht ab. Blowjobs sind eigentlich nie drin, wenn die Typen nicht auf Geschlechtskrankheiten getestet sind. Ich hole ihnen höchstens einen runter. Aber das kann ich richtig gut. Wenn alles vorbei ist, denke ich mir immer: „Meine Herren, ich habe all diese Typen zum Orgasmus gebracht. Sie sind glücklich und ich bin glücklich."

Worin liegt deiner Meinung nach der Reiz von Bukkake?
Darüber habe ich eigentlich noch nie wirklich nachgedacht. Mir gefällt es einfach. Vielleicht hat das etwas mit Unterwerfung zu tun?

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Wie sind die Typen so drauf?
Das sind ganz liebe Kerle. Vor der Party schreiben sie mir immer Nachrichten, so nach dem Motto „Ich freue mich schon auf dich". Außerdem sind sie alle richtig sauber und gepflegt. Wenn es um Hygiene geht, dann muss das alles aber auch schon ordentlich sein.

Wenn irgendetwas nicht stimmt, dann sage ich dem Veranstalter Bescheid oder nehme die betroffene Person direkt selbst beiseite und sage ihm dann ganz diskret: „Du solltest dich mal untersuchen lassen." Unhöflich werde ich dabei nie und ich würde auch niemals jemanden bloßstellen. Wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich: „Sorry, aber mit dir kann ich nicht spielen." Ich gebe ihnen dann auch Tipps und Anweisungen. Ich informiere mich immer ausführlich über sexuelle Gesundheit und bin bei diesem Thema immer auf dem neuesten Stand. Ich habe bei einem Typen sogar mal Hodenkrebs festgestellt, als ich einen Knoten in seinem Hodensack bemerkt und ihm dann gesagt habe, dass er lieber schnell einen Arzt aufsuchen sollte. Das tat er dann auch und es stellte sich wirklich heraus, dass es sich um Krebs handelte.

Ich bin auch im Escort-Service tätig und ein paar meiner Kunden sind Krebspatienten. Ein 21-Jähriger hat mich dafür bezahlt, dass ich ihm die Jungfräulichkeit nehme. Er wurde auf seiner Arbeit gemobbt und hatte keine Ahnung, wie er seinen Penis in eine Frau stecken sollte. Inzwischen hat er eine Freundin. Er meinte zu mir, dass er ohne meine Hilfe niemals da sein würde, wo er heute ist.

Einige meiner Männer sind auch extrem übergewichtig und haben kein Selbstvertrauen. Sie brauchen einfach nur jemanden zum Kuscheln und zum Reden. Oftmals sind die gar nicht auf richtigen Sex aus.

Bei den Partys sind 95 Prozent der Teilnehmer verheiratet. Wir filmen die Typen auch immer nur von der Hüfte abwärts. Wenn sie Tattoos haben, dann weisen wir sie an, langärmlige Oberteile zu tragen, damit sie auf keinen Fall erkannt werden können. Ein Typ hatte mal den Namen seiner Frau auf seinem Bein tätowiert. Wir meinten, dass er das Tattoo mit seiner Hand verdecken sollte, aber so war dann natürlich direkt sein Ehering sichtbar.

Menschen sind auch schon an meinen Vater herangetreten und haben ihn gefragt: „Bist du nicht von deiner Tochter angewidert, so wie sie ihr Geld verdient?" Er antwortet dann immer, „Nun ja, offensichtlich bist du derjenige, der ihr dabei zuschaut. Du bist der, der ihr Gehalt bezahlt."

Du hast eben die Gesundheit der Männer erwähnt, wie achtest du auf deine eigene und auf deine Sicherheit?
Ich lasse mich alle 30 Tage untersuchen, um ein Zertifikat für die Arbeit zu bekommen. Das dauert eine Stunde und dann noch mal fünf Tage, bis ich die Resultate bekomme. Sie machen dort Abstriche und testen mich auf HIV. Die Sexindustrie wird immer sicherer—überall werden Kondome benutzt—und das finde ich auch gut so. Ich mache momentan nicht mehr viel „Mainstream", weil dort keine Kondome verwendet werden. Die Tests bedeuten am Ende nichts—du lässt einen machen und die nächste Nacht hast du dann wieder ungeschützten Sex. Wenn mich jemand für eine Zweier-Szene buchen will, dann informiere ich mich genau darüber, was sie wollen und wen sie in letzter Zeit gebucht haben.

Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht?
Ja, ich hatte einen Stalker und als ich das meldete, fragte mich die Polizistin, womit ich mein Geld verdiene. Als ich ihr das sagte, musste ich mir anhören, dass ich es ja selber Schuld sei. „Du musst dein Leben ändern." Ich habe dann eine offizielle Beschwerde eingereicht und sie wurde suspendiert.

Ich habe auch mal einen Gangbang gemacht, bei dem dann plötzlich eine Polizeirazzia stattfand. Sie sagten, dass sie Hinweisen auf sexuelle Ausbeutung nachgegangen wären, aber ich glaube, dass eine konkurrierende Firma dahinter steckte. Ich war eigentlich ganz froh, dass sie meinen Ausweis kontrolliert haben—ich will, dass [Sexarbeit] legalisiert wird. Ich glaube, dass sich mehr Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung melden würden, wenn sie keine Angst vor der Polizei hätten. Ich glaube, wir wären dann alle sicherer.

Wissen deine Freunde und deine Familie, was du tust? Wie denken sie darüber?
Meine Mutter und mein Vater unterstützen mich—ich würde das alles nicht tun, wenn sie das nicht tun würden. Als ich mit 18 das erste Mal von einem Fotografen für Nacktaufnahmen kontaktiert wurde, sagte ich zu meiner Mutter: „Ist es OK, wenn ich das mache?" Sie sagte ja, so lange ich dabei sicher und glücklich sei.

Menschen sind auch schon an meinen Vater herangetreten und haben ihn gefragt: „Bist du nicht von deiner Tochter angewidert, so wie sie ihr Geld verdient?" Er antwortet dann immer, „Nun ja, offensichtlich bist du derjenige, der ihr dabei zuschaut. Du bist der, der ihr Gehalt bezahlt."

Gibt es etwas, das du nicht tust? Hast du dich jemals unter Druck gesetzt gefühlt, etwas zu tun, das du nicht tun wolltest?
Ich habe mich noch nie in meinem ganzen Leben unter Druck gesetzt gefühlt. Wenn sie mich drängen würden und ich es nicht tun wollte, dann würde ich das nicht schon seit zehn Jahren machen. Anal mache ich nicht. Das habe ich einmal privat mit einem früheren Freund versucht und es war zu schmerzhaft. Ich mochte es nicht und habe es seitdem nie wieder getan.

Es hab mal bei einem Termin ein Missverständnis, da tauchte ich auf und sie hatten einen Hockeyschläger mit einem Kondom drauf. Den wollten sie mir in den Po schieben. Ich sagte nein und sie haben sich damit abgefunden.

Wie denkst du darüber, dass Pornos beschuldigt werden, die Gesellschaft und insbesondere das Verhalten von Jugendlichen zu beeinflussen? Das Argument, dass Pornos der Grund dafür sind, dass diese Generation unvernünftige sexuelle Erwartungen hat?
Ich denke, es ist leicht, alles auf Pornos zu schieben. Teenager werden aber mehr von Musikvideos und Reality-Shows beeinflusst. Sieh dir Nicki Minajs Video zu Anaconda an—selbst ich trage keine Tangas, ich trage Oma-Unterhosen. Und dann die ganzen Reality-Sendungen—überall Sex, vulgäre Ausdrucksweise, sich zulaufen lassen und One-Night-Stands haben. So etwas normalisiert dieses Verhalten. Das ist es, was Jugendliche beeinflusst. Ich habe schon gesehen, dass diese Reality-Stars 11-Jährige als Fans haben.

Du verbringst viel Zeit nackt vor der Kamera—fühlst du dich selbstsicher, was deinen Körper angeht?
Ich habe Tage, an denen ich in meinem Körper nicht wohl fühle. Die Leute glauben mir das nicht, weil ich Pornos mache, aber ich bin immer noch ein menschliches Wesen. Ich war während meiner Jugend magersüchtig. Ich wollte aussehen wie Victoria Beckham. Jetzt habe ich ein Schilddrüsenproblem, weswegen ich zugenommen habe. Aber in diesem Geschäft ist es egal, wie man aussieht oder welche Größe man hat. Ich werde als BBW eingestuft—Big, Beautiful Woman. Das hat mir viel mehr Selbstvertrauen gegeben, als ich je zuvor hatte.

Was hältst du von der ganzen Diskussion über Frauen in Pornos und Prostitution—selbstbestimmte Lebensentscheidung oder Zwang und Ausbeutung?
Es wird immer das Verhalten von Frauen kontrolliert, nicht das der Männer. In Großbritannien gibt es nun Regeln gegen Face-Sitting und Squirting in Pornos, dann gelten Intimpiercings bei Frauen als weibliche Genitalverstümmelung, aber nicht bei Männern ... Pornografie ist eines der einzigen Gewerbe, in denen Frauen mehr verdienen als Männer.

Vielen Dank, Sarah.