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24.2.2015 Ich sitz in einem Kaffeehaus voller Williamsburg-Hipsters und bis auf einen haben alle ausnahmslos ein MacBook vor sich. Es wirkt so gestellt, ich weiß nicht, ob die echt sind oder Statisten für eine Klischeeshow für mich. Vorher sind eine Gruppe großer, schwarzer Basketballer hinter mir gegangen und haben laut Hip-Hop gespielt. Ich konnte sie nicht anschaun, ohne rot zu wer- den. Riesenstädte haben aber auch was Deprimierendes, jetzt geh ich mal Juden schaun.24.2.2015 Ich schwanke hier ständig zwischen dem Gefühl, an einem fürchterlich lebensfeindlichen Ort zu sein und hibbeliger, gereizter Euphorie.24.2.2015 Diese Stadt gibt einem irgendwie so einen neoliberalen Orschtritt ins Gehirn. Ich meine, ich glaub, hier müsste ich echt was tun, um zu überleben.25.2.2015 Gestern hat mich ein österreichischer Journalist, der in New York lebt, zu einem Abend für deutsch- sprachige Literatur eingeladen. Er will mich offenbar supporten und hat mich Leuten vorgestellt: „This is Stefanie, a young writer from Austria." Und ich hab ihnen Fanzines von mir in die Hand gedrückt als wäre ich karrieristisch ambitioniert. Anschließend hat er mich noch ins elitäre Autorendinner bei einem Nobelitaliener geschleust. Ich saß neben einem alten Schweizer Diplomaten, der über seine Versetzung in irgendein Land erzählte, in dem er dann im Reichenghetto leben muss. Rührend wie er richtig betroffen erzählte, dass er doch lieber mit der Bevölkerung in Kontakt stünde als mit irgendwelchen Expats in isolierten Wohnvierteln. Gegenüber von mir saß eine New Yorker Bestsellerautorin und ich fragte mich, was ich da eigentlich zu suchen habe. Aufgrund meiner gefühlten Deplatziertheit war ich aber sehr befreit. Ein paar Schweizer Jungautoren saßen auch da, die über die Einsamkeit ihrer Writers Residency in Los Angeles jammerten. Es gab so zehn Gänge und ständig schenkte man mir Rotwein nach. Ich war schwer vollgepumpt mit Rotwein und schob mir gierig massenhaft Meeresfrüchte rein.Diese Stadt gibt einem irgendwie so einen neoliberalen Orschtritt ins Gehirn. Ich meine, ich glaub, hier müsste ich echt was tun, um zu überleben.
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28.2.2015 Ich möchte alle New Yorker Neighborhoods sehen, die für ein Provinzmädchen spannend sind. Das russische Lesbenviertel, die afghanischen Mormonen, das karibische Nazighetto …28.2.2015 Ich bin auf einem Open Mic Stand-up Abend und es sind echt nur die Frauen, die Schwulen, die Schwarzen und die Fetten lustig. Die Dudes, die über Vaginas witzeln, möchte man einfach nur schlagen.28.2.2015 Das coole an New York ist, dass es gleich- zeitig kulturelle Hochburg und dritte Welt Land ist und man alle paar U-Bahnstationen in ein anderes Universum abtauchen und Stunden spazieren gehen kann. Sie ist zwar lebensfeindlich, aber für eine Riesenstadt überraschend fußgängerfreundlich, einsam und kalt und pulsierend warm, aufgeschlossen und im Unterschied zu andern Megacitys sehr einfach zu kapieren. Eigentlich die am einfachsten zu verstehende Großstadt für mich, durch das symmetrisch strukturierte Straßennetz, die vertraute Popkultur und die englische Sprache. Man spürt den deprimierenden Struggle, aber tatsächlich auch eine Art von Freiheit.28.2.2015 Ich würde gerne Käsepartys organisieren. Ein- tritt ist zwei Stück Käse. Dafür kann man so viel Käse von den andern Käsen essen, wie man will und das macht man die ganze Nacht wie verrückt und am nächsten Tag wachen alle auf mit schwerem käsigen Kopf, Blähungen, Gorgonzola Stückchen im Haar und Brie am Leiberl und käsigen Fingern, Camembertlippen, Hüttenkäse in der Unterhose, so auf fertig. Creme cremig28.2.2015 In den New Yorker Hipsterkneipen sind die Leute viel notgeiler und ich werde viel öfter angebraten. Ich weiß nicht, woran es liegt. An der amerikanischen Datingkultur, die alles was zwischen Mann und Frau passiert gleich irgendwie auf ein Romantiklevel bringt oder daran, dass alles so scheißteuer ist und die Leute sich aufs Ficken konzentrieren, weil das wenigstens gratis is …Ich glaub das einzige, was mich an der etablierten Kunst und Kulturwelt wirklich reizt, ist das Gratisessen und das Gratistrinken.
