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So gehen Frauen mit Trennungen um

Männer reden nicht gerne über Herzschmerz. Frauen hingegen umso lieber.

von Verena Bogner
08 Januar 2016, 6:00am

Foto: Holly Lay via flickr

Vor Kurzem haben wir nach gefühlten Jahrhunderten des Grübelns endlich erfahren, was nach einer Trennung in so manchen Männern vorgeht. Sie leiden zwar, viele tun sich aber allen gängigen Klischees entsprechend sehr schwer dabei, über ihre Gefühle zu reden und sich bewusst mit ihren Problemen auseinander zu setzen. Stattdessen setzen sie auf die altbewährte Strategie der Verdrängung und suchen sich ihren Trost in Alkohol oder anderen Frauen. Sie verstecken sich hinter dem, was sie selbst wohl als Männlichkeit bezeichnen würden: Männer reden nicht, Männer heulen nicht und sie geben auch nicht zu, wenn es ihnen schlecht geht. Für viele Männer bedeuten Gefühle anscheinend immer noch Schwäche.

Bei Frauen lassen sich in dieser Hinsicht etwas andere Muster erkennen—zumindest bei denen, die ich kenne. Nach jeder Trennung, die meine Freundinnen und ich durchgemacht haben, haben wir so ziemlich das Gegenteil von dem getan, womit Männer angeblich ihren Trennungsschmerz überwinden.

Wir zerreden und zerdenken unsere Probleme und teilen uns untereinander jeden noch so schwachsinnigen Gedanken mit, der uns durch den Kopf geht. Sätze wie „Er hat mein Profilbild geliket. Mag er mich doch noch?", „Ich brauche diesen Scheißtypen sowieso nicht!" und penible Analysen des Beziehungsverlaufes helfen mir jedoch, meinen Blick doch noch ein bisschen zu klären. Oder zumindest habe ich irgendwann einfach so lange über ein Thema geredet, bis ich es selbst nicht mehr hören kann.


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Generell neigen meine Freundinnen und ich dazu, unsere Beziehungsfails (manchmal ein bisschen zu) ausgiebig zu diskutieren. Wir versichern uns gegenseitig, dass der betreffende Typ sowieso das Letzte ist und es eigentlich schon immer war, um uns gegenseitig aufzubauen (und kurz danach wieder von vorne und mit „Anfangs war er so lieb" zu beginnen). Wir laufen also nicht vor unseren Problemen weg, wie es der eine oder andere Mann macht, wenn sein Herz kaputt ist.

Stattdessen suchen wir so lange nach einer Erklärung für unseren Misserfolg, bis wir eine gefunden haben. Egal welcher Typ einen abserviert—nachdem man tagelang über das eigene und das Leben des ehemals Angebeteten sinniert hat, gibt es für alles eine plausible Erklärung. Mutterkomplex, Bindungsängste, wahlweise zu kleines oder zu großes Ego, zu viel Koks, zu wenig Einfühlungsvermögen oder einfach nur Dummheit: Irgendwas passt immer (nicht).

Und bevor jetzt jemand schreit, dass wir Frauen manchmal auch selbst Schuld an Trennungen sind: Ohne Zweifel. Um ein Problem zu überwinden, ist es jedoch meist einfacher, die Schuld bei jemand anderem zu suchen, als sich einzugestehen, dass man selbst vielleicht doch nicht so toll ist wie man gern wäre. Das ist zwar ein bisschen traurig, aber auch wahr. Und mir geht es hier immerhin nicht darum, wie es sein sollte, sondern wie es in meinem Freundeskreis tatsächlich ist.

Wir bereden unsere privaten Probleme, fragen unsere engsten Freundinnen um Rat und ja, wir essen auch manchmal Eis aus Familienpackungen, so wie es uns seit Anbeginn der Rom-Coms von allen verlassenen Frauen vorgemacht wird. Und um ganz ehrlich zu sein: Es funktioniert. Diskussionen schaffen neue Blickwinkel und Erleichterung—zwei wichtige Aspekte, wenn es darum geht, eine Enttäuschung zu überwinden.

Damit wir uns richtig verstehen: Klar ist dieses Verhalten abgedroschen und übertrieben. Aber das Ganze hat einen klaren Vorteil: Die „Flucht" in Klischees gibt Rückhalt in Situationen, wo man ihn in sich selber vielleicht nicht findet und ist einfacher, als sich mit dem immer komplexen eigenen Einzelfall zu beschäftigen.

Wir geben uns dem Leid hin und sagen Dinge wie „Vielleicht war er mein Mr. Big", während wir alle Staffeln alle Staffeln Sex and the City rituell noch mal schauen und erneut ein bisschen weinen. Aber eigentlich ist auch gar nichts schlimm daran. Solange ich es immer wieder schaffe, von selbst aus dem Bridget Jones'schen Selbstmitleid auszubrechen, besteht noch kein Grund zur Sorge.

Verena redet auch auf Twitter gerne über Herzschmerz: @verenabgnr

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Titelbild: Holly Lay | Flickr | CC BY 2.0