Wirtschaft

#SneakersforGood ist mehr Marketing-Gimmick als Charity-Aktion

Gestern wurden die „Laureus World Sports Awards" verliehen. Und im Netz für einen guten Zweck Sneaker getragen. Aber war das noch Charity oder schon Ausrüster-Promotion?
19 April 2016, 1:15pm
Foto: Twitter

Für die erstmalig in Berlin verliehenen „Laureus World Sports Awards" hatte sich die Stiftung etwas Besonderes ausgedacht. Unter dem Hashtag #SneakersforGood" erschienen viele Gäste im Joschka-Fischer-Gedächtnis-Outfit. Soll heißen: Anzug und Sportschuhe. Damit sollte auf die Kraft des Sports und die Charity-Aktion „Sports for Good" hingewiesen werden.

Die Sportler haben sich über die Light-Version der „Ice Bucket Challenge" natürlich gefreut. Wer tut nicht gerne etwas Gutes und kann dabei noch seine hippen Sneaker zeigen. Özil und Gündogan halten stolz ein paar Treter ihres Ausstatters in die Kamera, der Kaiser zeigt natürlich sein eigenes Modell und Nico Rosberg beweist, dass der Begriff Sneaker ein dehnbarer ist.

"Sport has the power to change the world" - my #SneakersforGood @LaureusSport! Show me yours @Pele & @LMatthaeus10 pic.twitter.com/IZ9wYjIxDz
— Franz Beckenbauer (@beckenbauer) April 17, 2016

believe in the power of sport!wearing my — Nico Rosberg (@nico_rosberg)April 13, 2016

Leider verfehlten viele Stars mit ihren Tweets den eigentlichen Grund der Kampagne, auf „Sports for Good" aufmerksam zu machen. Hinter diesem Namen verbirgt sich nämlich eine internationale Förderaktion von Laureus und seinen finanzkräftigen Partnern. Laut ihrer Website soll durch Sportprojekte „das Leben von Kindern und Jugendlichen verbessert werden". Oftmals sind prominente Sportler beteiligt und arbeiten direkt mit den Kindern.

Auch die Initiatoren der Kampagne haben vergessen, das genaue Ziel zu erläutern. Sie sprechen lediglich von der „Kraft des Sports" und nicht einmal der offizielle Tweet von Laureus beinhaltet einen Hinweis zu „Sports for good". Außerdem wurden die partizipierenden Sportler weder dazu verpflichtet, sich an einer Aktion zu beteiligen, noch eine finanzielle Hilfe für das Projekt zu leisten.

I believe in the power of sport! Here is my — Stefan Kretzschmar (@kr73)April 15, 2016

Nebenbei ist der Tweet von Stefan Kretzschmar das perfekte Beispiel, worum es vielen Teilnehmern an Charity-Aktionen eigentlich geht: Product Placement. Der Fokus des Bildes liegt bei Weitem nicht auf den Sneakern, aber dafür ist das Logo seines Ausstatters drei Mal zu sehen. Auch hier fehlt der Bezug zu „Sports for Good". Angelique Kerber hat es sogar geschafft, im Zeitraum von #SneakersforGood ein Bild ihrer neuen Tennisschuhen zu twittern und die Aktion dabei komplett zu ignorieren.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass #SneakersforGood ähnlich durchdacht ist wie die Maßnahme, Raúl als Vorkämpfer für eine Martial-Arts-Lerngruppe in der Bronx zu nehmen, und dass viele Sportler nur auf Initiative ihrer Sponsoren teilgenommen haben. Im Endeffekt sind wir jedoch froh, viele Sneaker gesehen zu haben. Und natürlich die Tatsache, dass uns ein Tweet von Jermaine Jones in Schuhen seines Sponsors erspart geblieben ist.