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Robert Mapplethorpe

115 Porträts, die die LGBTQ-Bewegung der 1970er verkörpern

„The 1970s: The Blossoming of a Queer Enlightenment“ zeigt euch die Anfänge der Schwulenbewegung.

von Antwan Sargent
06 Juni 2016, 3:49pm

Rink Foto, Lovers in a 1951 Mercury, 1979/2009, Archival inkjet print, 16 x 20 in. Founders’ gift. Collection of Leslie- Lohman Museum.

Das schwarz-weiße Foto von Rink Foto aus dem Jahr 1979 mit dem Titel „Lovers in a 1951 Mercury“ zeigt ein nacktes, schwules Paar in  leidenschaftlicher sexueller Ekstase in einem offenen Auto. Das Bild ist Teil der aktuellen Ausstellung „The 1970s: The Blossoming of a Queer Enlightenment“ im Leslie-Lohman Museum of Gay and Lesbian Art in New York. Zusammen mit 114 anderen Kunstwerken dokumentiert es die sexuelle Befreiung und die politische Ausdruckskraft der LGBTQ-Bewegung in den 1970ern.

„Die 1970er und vor allem die Zeit zwischen Stone Wall und den allerersten Berichten über AIDS beschäftigt mich sehr“, erklärt der Ausstellungskurator Hunter O’Hanian gegenüber The Creators Project. „Die 1970er waren ein sehr entscheidendes Jahrzehnt, das auf gewisse Weise widerspiegelt, was heute so passiert. Obwohl es in der Ausstellung um die 1970er Jahre geht, sagt sie komischerweise gleichzeitig auch viel über das Hier und Jetzt aus.“ 

Cathy Cade, Fat Chance, 1979/2011, Digital print, 12 x 18 in. Foundation purchase. Collection of Leslie-Lohman Museum. 

Aktuell ist das Thema auch, weil die Bilder zu Gesprächen über die jetzige Situation rund um Identität anregen. Die Sammlung von Fotos, Gemälden und Zeichnungen zeigen, wie Künstler damals über ihre Körper, Geschlecht und sexuelle Identitäten gedacht haben. In Cathy Cades „Fat Chance“ beispielsweise ist eine Gruppe lesbischer Frauen zu sehen, die sich an den Händen halten und zusammen im Kreis laufen. Es steht als Sinnbild dafür, wie LGBTQ-Mitglieder Gemeinschaften bildeten. Harvey Milks „San Francisco Gay Parade“ hingegen verdeutlicht, wie junge Leute in den 1970ern Identität und Politik auf einen gemeinsamen Nenner brachten, um ihren Forderungen und ihren eigenen Versionen der Sichtbarkeit Ausdruck zu verleihen. Zudem gibt es in der Ausstellung einen Bereich, der Robert Mapplethorpes Fotoreihe „X“ von 1977 gewidmet ist. Diese besteht aus sehr expliziten Bildern der BDSM-Szene im New York der 1970er, auf denen der Künstler sich auch selbst aktiv sexuell dargestellt hat. Die Fotografien offenbaren ein öffentliches sexuelles Vertrauen, das symbolisch für das damalige Sex-Verständnis der Community steht. 

„Heutzutage sprechen viele über die Genderthematik und viele Menschen leben ihre queeren Identitäten frei und offen aus“, sagt O’Hanian. „Diese Bilder zeigen homosexuelle Leute, die sich selbst betrachten und Themen wie Sexualität und Geschlecht ansprechen“, fügt O’Hanian hinzu, der auch eine Zeichnung von Sandra De Sando mit dem Titel „Flavia“ in die Ausstellung aufgenommen hat. Darauf ist eine stark stilisierte junge Frau zu sehen, die für den Künstler Modell steht. Das Bild legt nahe, dass die Frau genau so wahrgenommen und gesehen werden wollte. Des Weiteren verbindet die Ausstellung die Vergangenheit mit der Gegenwart durch  Bilder wie „Demonstration at City Hall“ und „Gay rights demonstration, Albany“ von 1971, die ganz im dokumentarischen Stil von Diana Davies beispielsweise Aktivisten für Schwulenrechte festhalten, die unter anderem für das Recht auf Eheschließung demonstrierten. Dieses wurde mittlerweile in allen Staaten der USA durchgesetzt. Und doch zeigt die Ausstellung gleichzeitig auch ganz deutlich, mit welchen Ungleichheiten die LGBTQ-Mitglieder auch heute noch konfrontiert sind.   

Harvey Milk, San Francisco Gay Parade, 1974/2009, Archival inkjet print, 8 x 10 in. © The Estate of Harvey Milk. Collection of Leslie-Lohman Museum. 

„Es gab viele Ereignisse, die sich darauf ausgewirkt haben, wie homosexuelle Menschen heute behandelt werden. Und es hat auch einen immensen Fortschritt bei den Rechten von Homosexuellen gegeben. Trotzdem ist es sehr wichtig, daran zu denken, wie wir uns selbst ausdrücken möchten“, sagt der Kurator. „Ich habe den Eindruck, dass wir wieder an der Schwelle zu einer Art Erleuchtung stehen. Die Leute denken heute anders über Sex“, sagt er. „Und wenn diese Ausstellung dazu beiträgt, dass Menschen selbst über ihre Körper und darüber, wer sie sein möchten, bestimmen, weil sie sich von etwas, das vor 40 Jahren passiert ist, inspiriert fühlen, dann ist das einfach nur fantastisch.“

The 1970s: The Blossoming of a Queer Enlightenment ist bis zum 3. Juli im Leslie-Lohman Museum of Gay and Lesbian Art in New York zu sehen. Genaueres zur Ausstellung erfahrt ihr hier

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