Ernährung

Wie man gut isst, wenn man arm ist

Hartnäckig hält sich der Glaube, dass man sich nur mit einem prall gefüllten Geldbeutel richtig gesund ernähren kann. Das stimmt so nicht, wie eine Untersuchung in den USA jetzt gezeigt hat.
3.6.16
Bild via Imago

Gut 45 Millionen US-Bürger sind auf Lebensmittelmarken angewiesen. Pro Woche erhalten sie Marken im Wert von 29 Dollar. Damit können sie pro Tag 4,14 Dollar für Lebensmittel ausgeben, macht pro Mahlzeit 1,38 Dollar [umgerechnet 1,24 Euro]. Klingt erstmal schwer vorstellbar, dass man sich von so wenig Geld gesund ernähren könnte.

Die Rhode Island Community Food Bank und das The Miriam Hospital in Providence, Rhode Island, haben nun gemeinsam untersucht, wie viel eine pflanzenlastige Ernährung (inklusive Olivenöl) im Vergleich zur billigsten Variante nach offiziellen Ernährungsempfehlungen kostet. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) empfiehlt in seinem „Tellermodell" 50 Prozent Obst und Gemüse, 25 Prozent Getreideprodukte und 25 Prozent Proteine aus verschiedenen Eiweißquellen wie Geflügel, mageres Fleisch oder Fisch für eine gesunde Ernährung.

Mary Flynn, Ernährungsexpertin am The Miriam Hospital und Leiterin der Untersuchung, hat sich schon länger gefragt, was an dem Mythos, dass eine fleischlose Ernährung teurer sein soll als eine fleischlastige, wirklich dran ist. Natürlich „gilt hochwertiges Olivenöl als teuer, aber wir haben vermutet, dass es eigentlich das Fleisch ist, das die Lebensmittelausgaben in die Höhe treibt. Olivenöl Extra Vergine ist billiger als Fleisch, selbst in kleinen Mengen." Insgesamt meint sie: „Unser pflanzenlastiger Ernährungsplan war wesentlich billiger und enthielt mehr Obst und Gemüse und Vollkornprodukte."

Wie die Forscher herausgefunden haben, treibt Fleisch die Kosten pro Mahlzeit in die Höhe. Wenn man seinen Fleischkonsum verringert, spart man Geld und umgeht vielleicht auch unschöne Krankheiten wie Diabetes Typ 2, Herzkrankheiten, Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs, die schon oft mit einer fleischlastigen Ernährung in Verbindung gebracht wurden. Das seien genug Gründe, so Mary Flynn, auf eine pflanzliche Ernährung mit Olivenöl umzusteigen.

US-Familien mit geringem Einkommen, die Lebensmittelhilfe beziehen, glauben, dass gesundes Essen teuer ist, und geben ihr Geld vorrangig für Fleisch, Eier, Cornflakes und Brot und Backwaren aus, so die Forscher. Mary Flynn weist darauf hin, dass man mit Tiefkühl- und Dosenprodukten die Ausgaben senken kann und trotzdem genügend Nährstoffe bekommt. Immerhin: Tiefkühlgemüse, das nach der Ernte gefroren wird, enthält teilweise mehr Vitamine als die frische Variante aus der Gemüseabteilung.

Andrew Schiff ist CEO der Rhode Island Community Food Bank und hat an der Untersuchung mitgearbeitet. „Unsere Ergebnisse beweisen, dass gesunde Ernährung nicht teuer sein muss. Selbst wenn man sich hochwertiges Olivenöl kauft ist eine solche Ernährungsweise um einiges billiger und liefert einem viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Das sind gute Neuigkeiten für alle, denen wir als Tafel helfen. Damit zeigt sich, dass eine vollwertige Ernährung auch mit wenig Geld möglich ist."