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Militär

Eine Blitztour durch die Militärnahrung dieser Welt

Eine Tour durch die Gaumenfreuden, mit denen die tapferen, heimatliebenden Soldaten dieser Welt von ihren eigenen Leuten bestraft werden.

von David Whelan
02 Februar 2015, 8:00am

Die meisten kriegsfreudigen Länder dieser Welt haben irgendeine Art Nahrung, die der deutschen Einmannpackung (EPA) oder dem amerikanischen Meal, Ready-to-Eat (MRE) entspricht und hier ist eine Tour durch die Gaumenfreuden einiger dieser Nationen. Sie haben die besten Köpfe mit den schlechtesten Köchen gepaart, um einen landes- und kulturspezifischen Weg zu finden, diejenigen zu bestrafen, die ihr Leben im Namen der Nation opfern.

Ich habe mein Bestes gegeben, um herauszufinden, welche Nationen ihre Soldaten wie verpflegen—um mich dann über sie lustig zu machen.

Vereinigte Staaten von Amerika Die Amerikaner haben sogar verschiedene sogenannte „MRE"-Packungen je nach Anlass: die FSR (First Strike Ration), die RCW (Ration Cold Weather) und die MCI (Meal, Combat, Individual).

Die am häufigsten vertretene Küche in den amerikanischen MREs ist die italienische. Nicht, dass italienisches Essen nicht das beste der Welt wäre, aber irgendwie ist es doch eigenartig, dass die amerikanische EPA italienischer ist, als die italienische EPA, die wiederum französisch angehaucht ist.

Die USA haben es geschafft, eine Pasta Bolognese zuzubereiten, die genau wie die von Mama damals schmeckt. Derzeit sind sie gerade damit beschäftigt, eine MRE-Pizza zu produzieren, möglicherweise aus einem 3D-Drucker. Dazu gibt es Beilagen wie Brot und Käse, Heidelbeerkuchen und Amerikas absoluten Liebling: Erdnussbutter.

Zu den weiteren Kuriositäten zählt mit Koffein versetztes Beef Jerky, was nach einer recht logischen kulinarischen Kombination, wenn du ein Freund der Experimente bist oder keine Geschmacksnerven besitzt.

Großbritannien

In Großbritannien gibt es eine Militärration mit sämiger Muschelsuppe, was grauenhaft klingt. Glücklicherweise ist das Lieblingsgericht der Briten verbreiteter: Chicken Tikka Masala. Weil die Briten so nett und gewissenhaft sind und ganz und gar nicht teuflisch, beinhalten die britischen Militärfresspakete auch Schwarztee und Minzbonbons. Schließlich will man im Krieg ja keinen schlechten Atem.

China Obwohl die Chinesen eigentlich gar keine EPAs brauchen—immerhin gab es schon seit mehr als 40 Jahren keinen „offiziellen" Krieg mehr—, enttäuscht uns China trotzdem nicht. 2009 wurde ein neues Menü ins Sortiment aufgenommen bestehend aus Egg Rolls mit Schweinefleisch, eingelegter Senfwurzel, Gemüse und etwas, das sich „festes Instant-Getränk" nennt.

Norwegen

Norwegen—das da auf seinem Nicht-EU-Podest thront—verbindet in seinen EPAs auf interessante Weise amerikanische Hi-Tech und nordeuropäische Aromen. Konkret heißt das, es gibt ein flammenloses Heizgerät neben Dingen wie Rowntrees Tooty Fruities. Die haben Süßigkeiten, verdammt. Wenn ich Soldat wäre, würde ich mir nach einer anständigen Schießerei bestimmt am sehnlichsten Fruchtgummis wünschen.

Die Vorspeisen variieren von Spaghetti Bolognese (die Leute lieben dieses Gericht einfach) bis zu regionaleren Mahlzeiten wie Müsli, Kabeljaueintopf, Rindfleischeintopf oder Hühnerfleischeintopf. Hab ich Eintopf schon erwähnt? Real Turmat bietet eine Version für Zivilisten an, die du selbst probieren kannst.

Italien Das Schlimmste in Italien seit Silvio Berlusconi muss der 40-prozentige Alkohol-Frühstücks-Shot des Militärs sein. Das ist, als würde man sich direkt nach dem Aufstehen ein Glas Wodka runterkippen, einfach nur, weil man sich selbst hasst und seine Leber zerstören will.

Spanien Ich habe echt keine Ahnung. Es sieht so aus, als gäbe es dort Sardinen und Kondome. Sehr viele Kondome. Nach weiterer Recherche bemerke ich, dass die Sardinendosen gar keine Sardinen, sondern Thunfischsalat ist, den man aus unerklärlichen Gründen erhitzen kann. Das war's. Scheinbar haben die spanischen Soldaten nie Hunger.

Die Kondome—leider—sind keine, sondern der Traum jedes Hypochonders: Pillen, Vitamine und Hydrierungstabletten.

Südkorea Das ist verrückt. Das südkoreanische Militär bekommt Bibimbap. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber das ist ein verdammt leckeres Reisgericht.

Das ist aber nicht alles. Wie wir wissen, mampft jeder südkoreanische Bürger 18 kg Kimchi pro Jahr. Das ist die Art von Liebe, die man normalerweise nur mit einem Stalker teilt. Die Regierung ist gutmütig und gibt den Soldaten eine Packung von dem Zeug. Toll.

Frankreich Den Franzosen ist wirklich nichts anzuhaben. Die servieren ihren tapferen Kämpfern Reh-Pâté, Entenconfit und einen Schokoladenjoghurt als Dessert.

Kolumbien Bohnen. Und Reis. Das ist nicht besonders inspirierend. Das kolumbianische Militär erhielt früher mal die MREs der USA, aber beschloss dann, seine eigenen zu kreieren. MUNCHIES hat mit kolumbianischen Soldaten gegessen. Zu den Eigenkreationen zählt beispielsweise ein „süßes Käsegetränk", eine Art bizarre Parodie auf Heiße Schokolade. Das ist scheinbar eine regionale Tradition, geschmolzener Käse in Milch. Interessant.

Japan Wenn du dir Thunfisch-Sashimi und schmutzige Schuldmädchen-Höschen erwartet hast, dann bist du leider am falschen Ort gelandet. Mit den EPAs lassen die Japaner nichts anbrennen. Hamburger, Wiener Würstchen und verschiedene Currys.

Das ist schon ein bisschen überraschend, oder? Wo ist mein verdammter Pikachukuchen und mein sexy Manga? Das ist ja fast so, als hätten sie die EPAs für erwachsene Männer und Frauen konzipiert, die rein gar kein Interesse an solchen Dingen haben. Um ehrlich zu sein, so gut sehen die gar nicht aus.

Russland

In Russland werden regionale Spezialitäten gefeiert. Wie „Sphick", was wohl so etwas ähnliches wie Speck ist, nur, dass das Fleisch durch Fett ersetzt wird und das Fett durch mehr Fett. Andere Mahlzeiten sind „Käse aus der Dose" und Kürbispüree.

Nordkorea Nordkorea hat keine EPAs für seine Soldaten, weil das Land derzeit vor der schlimmsten Nahrungsmittelkrise seit 20 Jahren steht. Manchen Berichten zufolge verwendet das Militär derzeit uralte Packungen, die irgendwann einmal aus Japan und China gestohlen wurden. 2008 holte sich Japan ein altes Schiff zurück, auf dem massenhaft japanische Konservendosen gefunden wurden.

Nordkoreas Rationierungssystem, mit dem das Land in letzter Zeit Probleme hatte, basiert auf einer einfachen Einteilung nach sozialer Wertigkeit. Und die militärischen Truppen (bis zu die 4,5 Millionen Menschen) stehen da scheinbar nicht an oberster Stelle.

Wenn man darüber nachdenkt, ist es doch traurig und ironisch, dass die wahrscheinlich unbeständigste Nation der Welt, die einzige ist, in der weder die lebensmitteltechnischen noch die finanziellen Ressourcen reichen, um die Soldaten mit anständigem Essen zu versorgen.