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25 Jahre Mauerfall—Warten auf Paul Kalkbrenner

Eigentlich wollte ich nur Paul Kalkbrenner fotografieren...

von Andreas Meixensperger
10 November 2014, 9:45pm

Was Paul Kalkbrenner im Jahr 6 n. Berlin Calling macht? Er spielt ein Liveset am Brandenburger Tor. Seit der Love Parade gab es an dieser Stelle keinen guten Techno mehr, deshalb muss da natürlich jeder Deutsche hin, schon weil das ein historisches Ereignis ist. Kalkbrenner werde ich jedoch nur kurz sehen an diesem Abend—dafür mehr alte Männer mit jungen Mädchen als jede Betriebsfeier der Hamburg Mannheimer bieten kann. Außerdem werde ich Wowereit sehr oft fotografieren müssen. 

Zuerst aber muss die Bundesregierung mit meinem Vorhaben einverstanden sein. Nach einigem Hin und Her bekomme ich die Akkreditierung und sehe, dass schon andere Fotografen am Brandenburger Tor stehen. Über 10.000 sind es—junge Menschen fotografieren alte Menschen, alte Menschen fotografieren alte Fotos, manche fotografieren auch einfach nur ein Straßenschild. Oft bemühen sie dafür den professionellem Telemark-Ausfallschritt und immer einen sehr tiefsinnigen Gesichtsausdruck. Nebenher reden sie über Salafismus und Udo Lindenberg. 

Das „Bürgerfest 25 Jahre Mauerfall" beginnt und schon nach Clueso geht es gar nicht mehr. Die Musik wird immer schlechter und der Hunger immer größer. Hinter der Bühne beim Sparkassengebäude sehe ich Wowereit (der mit dem Flughafen). Ich kenne den Mann nicht, aber mein Bauchgefühl sagt: Wo Klaus ist, muss es auch Häppchen geben. Also folge ich Wowereit durch die Tür in die Sparkasse. Andere Ex-Politiker warten bereits auf uns (unter anderem Gorbatschow, Tschernomyrdin, Momper und Diepken). Das Büffet ist schon fast leer, immerhin gibt es noch Lachsbrötchen. Zwischen den Mahlzeiten muss ich ein paar Fotos machen, um nicht zu sehr aufzufallen: Wowereit mit dem Sparkassenchef, Wowereit mit dem technischen Leiter der Ballonaktion, Wowereit mit einem zufälligen Kind usw. Das sichtlich geschmeichelte Dauermotiv hält jetzt eine Rede, in der es ankündigt, dass ein Stockwerk weiter oben mehr Essen auf uns wartet. Dort findet auch die Schulung zur Ballonaktion statt.

Wir lernen: Um den Ballon in den Himmel zu entlassen, muss man an so einem Hebel ziehen.

Hinter dem Buffet oben steht eine außerordentlich schöne Frau. Sie fragt mich, wo Gorbatschow sei und beginnt nach meinem Achselzucken sehr eindringlich und in russischer Sprache auf mich einzureden. Es wird hektisch. Ich trete einen Schritt zurück und remple Wolf Biermann an, der sich gerade von seinem Ballonloslassmädchen (Marie) noch einmal den Mechanismus erklären lässt. Instinktiv fotografiere ich die Beiden. Als ich mich wieder umdrehe, ist die schöne russische Geheimagentin weg. Ich treffe dann noch Joachim Gauck mit einem anderen jungen Mädchen auf dem Rückweg zur Bühne. Es ist alles sehr verwirrend, zumal das an diesem 9. November überhaupt die Kombination des Tages zu sein scheint: Alte Männer und junge Mädchen. 

Hier am Beispiel von Udo Lindenberg.

Später spielte dann Paul Kalkbrenner sein Set. Es war leise und langweilig. Ich hab dann mein Foto gemacht und bin wieder heim. Echt schade, der Mann hängt mit den falschen Leuten rum. 

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