Nach 263 Jahren ist das wohl fieseste Labyrinth der Gaming-Geschichte bezwungen

Es ist vollbracht: Der erste Gast hat es durch das Experiment in Rollercoaster Tycoon geschafft, aber über 200 von ihnen sind noch immer hoffnungslos verloren.

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12 Mai 2017, 10:43am

Bild: imgur, RogueLeader23

Während Regina F. nach dem Ausgang aus dem Labyrinth gesucht hat, sind 263 Jahre vergangen. Das Labyrinth wurde ihr als wundervolle Attraktion angepriesen, doch tatsächlich ist es ein Martyrium, das nur durch einen einzigen Ausgang ganz am Ende des Parcours wieder verlassen werden kann. Regina F. ist ein NPC, ein computergesteuerter Charakter, der zusammen mit 15 anderen Figuren auf das wahrscheinlich größte bekannte Labyrinth des Freizeitparksimulators Rollercoaster Tycoon Classic losgelassen wurde: Just a Walk in the Park.

Über 250.000 mal wurde der Original-Post über den Park auf imgur geklickt. Erbaut hat ihn ein Gamer, der sich gegenüber Eurogamer als 28-jähriger US-Amerikaner vorgestellt hat und sich RogueLeader23 nennt. Über 14 echte Stunden soll er an der Konstruktion gesessen haben. Per Hand (!) hat er die Pfade in der iOS-Version (!!!) von Rollercoaster Tycoon Classic eingezeichnet.

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Den Zieleinlauf von Regina F. gab es allerdings nicht auf einem Smartphone zu bewundern, dafür musste eine PC-Version gestartet werden. RogueLeader23 hat zum hundertjährigen Jubiläum der Wanderung das Labyrinth auf Open RCT2 portiert, die Open Source-Version von Rollercoaster Tycoon 2, um das Experiment über Twitch zu streamen. Das ermöglichte das Hinzufügen von 200 weiteren Gästen, sowie den Bau einer Bahn, die in einer vierjährigen Odyssee über das gesamte Gelände fährt, und neuen Wanderern (er nennt sie Opfergaben) die Chance gibt, einen möglichen Pfad zum Ausgang zu erkennen – so zumindest die Logik von RogueLeader23.

Für Beverly P. kommt diese Hilfe zu spät. Sie war einer der ersten 16 Gäste, die den Park betraten, und ihr Schicksal bleibt bis heute das wohl tragischste. Nach 100 Ingame-Jahren Irrweg erreichte sie endlich den ersten von fünf Checkpoints – nur um dann unerklärlicherweise wieder zum Startpunkt zurückzukehren, wo nur Meeresfrüchte- und Kakao-Buden auf sie warten. Verlassen kann sie den Park aber nicht. Der einzige Ausgang ist auf der anderen Seite des Labyrinths.

Bild: imgur, RogueLeader23

Der Grund für Beverly P.s Scheitern, das vermutet RogueLeader23, liegt im Persönlichkeitssystem von Rollercoaster Tycoon. Gäste, die wie Beverly P., aufregende Achterbahnen lieben, verlieren schneller das Interesse an eher langweilig und langsam (und grausam!) eingestuften Hecken-Labyrinthen als Gäste, die es lieber ruhig angehen lassen. Ob das stimmt, wollte der Erfinder des Spiels, Chris Sawyer, Eurogamer nicht verraten.

So oder so: Wir fiebern mit Beverly mit und küren RogueLeader23 schon mal zum Motherboard-Minotauros des Monats.