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So hältst du deine guten Vorsätze fürs neue Jahr wirklich ein

Neues Jahr, neues Ich? Eher nicht. Wir haben Lebensberater gefragt, warum sich die meisten von uns nicht an ihre Vorsätze halten und wie wir das ändern können.

von Kate Leaver
02 Januar 2017, 8:00am

Photo by Lucas Ottone via Stocksy

Ihr kennt das. Es ist kurz nach 12 am 1. Januar und ihr seid auf einer Party, die nicht so spektakulär geworden ist, wie gedacht. Während ihr gelangweilt an eurem Glas nippt, tut sich das neue Jahr vor euch auf—mit all seinen Möglichkeiten und Gefahren. Ihr könntet in den kommenden Monaten ein komplett neuer Mensch werden oder zumindest öfter als alle zwei Wochen ins Fitnessstudio gehen, wenn ihr schon einen Zwei-Jahres-Vertrag abgeschlossen habt!

Egal, wie enthusiastisch man sich vornimmt, dieses Jahr alles anders zu machen, in der Rege, sind Menschen ziemlich schlecht darin, sich auch an ihre guten Vorsätze zu halten. Sei es nun der Vorsatz, endlich mit dem Rauchen aufzuhören, oder der, bis Mitte des Jahres einen Job gefunden zu haben, den man nicht abgrundtief hasst.

Daisy und ihr Mann zum Beispiel haben sich zu Beginn des vergangenen Jahres felsenfest vorgenommen, jede Woche zwei Filme zu gucken: einen zu Hause und einen in ihrem örtlichen Kino. Das Ergebnis? Zusammengenommen haben sie genau drei Filme gesehen und waren öfter in der Kinobar als im Kinosaal. Die Stand-up-Komikerin Lucy hatte sich das weit verbreitete Ziel gesetzt „fit zu werden", was darin endete, dass sie zum Fitnessstudio fuhr und eine Stunde lang im Auto las. Alex hat mit seinen Kumpels um fast 1.500 Euro gewettet, dass er es schafft, in einem Jahr 20 Kilogramm abzunehmen. Tatsächlich hat er dieses Ziel auch erreicht—nur um kurz vor Weihnachten alles wieder auf den Hüften zu haben.

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Es liegt also oft gar nicht unbedingt daran, dass man keine Zeit oder absolut keine Motivation hat, seine Vorsätze einzuhalten. Irgendwas scheint uns im letzten Moment dann aber doch von der Erfüllung unserer Ziele abzuhalten. Um herauszufinden, warum das so ist, habe ich mich an mehrere Lebensberater gewandt.

Laut Dr. Perpetua Neo sind die häufigsten Vorsätze die folgenden: „Die überflüssigen Pfunde zu verlieren, die uns schon immer geärgert haben; endlich diesen deprimierenden Job zu kündigen, um einfach mal herumzureisen und zu unserem wahren selbst zu finden; jeden Tag eine Stunde früher aufzustehen, um zu meditieren oder Sport zu machen; keinen Alkohol mehr zu trinken; reich zu werden, endlich glücklich zu sein oder sich in die Person seiner Träume zu verlieben. Die Faktoren, die diese Ziele unerreichbar macht, ist es, dass wir oft keinen Plan haben, wie wir sie erreichen sollen, eine negative Umgebung oder Beziehung, oder dass wir die Dinge verkomplizieren."

Es ist zu einer Art sozialen Norm geworden, sich gute Vorsätze für das neue Jahr zu setzen, aber wir neigen dazu, uns damit zu geißeln und abzuwerten.

Neos Rat? Sucht euch keine oberflächlichen Ziele, sondern etwas, was euer Leben wirklich bereichern könnte. Ihren Kunden sagt sie, dass sie ihre Wünsche überdenken sollten und ihre Vorsätze niemals aus Angst, sondern aus Liebe und Hoffnung auf etwas Besseres heraus fassen sollten. „Was meinen Klienten und auch mir selbst hilft, ist es, die Fragen, die wir uns stellen, neu zu formulieren. Fragt euch lieber: Wie möchte ich mich fühlen? Stärker, glücklicher, mutiger? Wie möchte ich mich selbst nächstes Jahr behandeln? Wie kann ich mich im nächsten Jahr mehr lieben und respektieren? Oder, für die Leute, die sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen wollen: Welche Welt möchte ich meine Kinder, Neffen, Enkelkinder hinterlassen? Sobald wir uns das bewusst gemacht haben, ist kein Vorsatz unerreichbar."

Die Psychologin und Expertin für „Innere Weisheit" Jackie Fletcher sieht das ähnlich: Wir fokussieren uns zu stark auf große, irgendwie vage Ziele wie eine glückliche Beziehung oder ein gesunder Lebensstil. „Es ist zu einer Art sozialen Norm geworden, sich gute Vorsätze für das neue Jahr zu setzen, aber wir neigen dazu, uns damit zu geißeln und abzuwerten", erklärt sie. „Wir sind gut darin, uns Dinge vorzuschreiben: Ich sollte Gewicht verlieren, ich sollte fitter werden, ich sollte dieses oder jenes aufgeben. Wenn du dir Ziele setzt, weil du Angst vor etwas hast, weil du glaubst, dass du etwas tun solltest oder weil du eine externe Motivation brauchst, wirst du sie nicht erreichen."

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Fletcher empfiehlt, möglichst spezifisch festzulegen, was genau man erreichen möchte. Ihren Klienten rät sie, sich etwas möglichst schönes und realistisches zu suchen: „Lasst uns als Beispiel den Vorsatz nehmen, der wohl einer der häufigsten ist: Gewicht zu verlieren. Anstatt zu sagen ‚Ich muss unbedingt abnehmen', sagt lieber ‚Ich möchte in meinem kleinen schwarzen Kleid fantastisch aussehen'. Dabei kann es auch helfen, dass Kleid aus dem Schrank zu holen und es an die Tür zu hängen, sich vorzustellen, dass man es trägt oder es sich vor den Körper zu halten. Diese Visualisierung ist etwas viel positiveres als die negative Stimme im Hinterkopf, die sagt: ‚Das hast du letztes Jahr schon versucht und wirst es nie schaffen.'"

Foto: Unsplash | Pexels | CC0

Das hätte vielleicht auch Lucy oder Alex mit ihren Vorsätzen geholfen. Hätte Lucy sich gesagt „Ich werde mir einen Tanzkurs suchen, der mir richtig viel Spaß macht", statt „Ich möchte fit werden", hätte sie womöglich weniger Zeit in ihrem Auto verbracht. Hätte Alex sich vorgenommen, fünf Mal die Woche zusammen mit seiner Frau etwas Gesundes zu kochen, anstatt sich sein Mittagessen bei irgendwelchen Imbissen mitzunehmen, hätte er vielleicht langfristiger und erfolgreicher abgenommen als mit einer „Ich verliere 20 Kilo in einem Jahr"-Wette. Das bringt uns auch direkt zum nächsten wichtigen Tipp für erfolgreich eingehaltene Vorsätze: Involviere Menschen, die du liebst.

Suzy Phillips vom britischen Lebensberater-Verzeichnis hält es für elementar wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die einen unterstützen. „Sucht euch Verbündete, wenn ihr ein Ziel erreichen wollt", sagt sie. Das bedeutet, seinen Vorsatz mit Personen zu teilen, die man respektiert—und nicht mit der neidischen Arbeitskollegin oder der pessimistischen Bekannten. „Das kann eine Mischung aus professioneller und persönlicher Unterstützung sein, also zum Beispiel einem Lebensberater und einer guten Freundin. Wenn Menschen wissen, was man vorhat, macht das einen großen Unterschied. Natürlich ist das von Person zu Person unterschiedlich, jeder sucht auf eine andere Art nach der Hilfe, die er braucht. Introvertierte Menschen recherchieren vielleicht eher für sich selbst, während extrovertierte offen mit anderen darüber sprechen. Beides ist absolut in Ordnung, es ist nur wichtig, dass man moralische Unterstützung hat."

Die Lösung ist, sich jemanden zu suchen, vor dem man Rechenschaft ablegen muss.

Elite-Lebensberater Michael Sewra ist da deutlich kompromissloser. Wer ihn bucht, um seine guten Vorsätze in die Realität umzusetzen, bekommt knappe Textnachrichten, mit denen kontrolliert wird, was er gerade tut und ob er sich auch wirklich an den festgelegten Plan hält.

„Die Lösung ist, sich jemanden zu suchen, vor dem man Rechenschaft ablegen muss", erklärt Sewra. „Es ist was ganz anderes, wenn man gegenüber einem Fremden oder dem Partner zugeben muss, wenn man sich hat gehen lassen. Wenn du in einem Team bist, willst du deine Mitspieler ja auch nicht im Stich lassen und das sollte dich motivieren. Psychologisch gesehen wollen wir unseren Trainer oder unsere Freunde nicht hängen lassen."

Für Sewra gibt es nichts Besseres, als sich eine Person zu suchen, gegenüber der man sich rechtfertigen muss—also beispielsweise jemand, der uns nach jeder verabredeten Trainingseinheit eine Nachricht schreibt und fragt, ob wir auch wirklich Sport gemacht haben. „Eine andere Option ist, sich eine Gruppe zu suchen, der gegenüber man sich verantworten muss. Tritt einer Fitnessgruppe bei und passt auf euch gegenseitig auf. Die dritte Option sind die sozialen Medien. Lade ein Foto von dir hoch und schreibe dazu ‚Das Bild ist von heute, bis zu diesem Datum will ich so und so viel wiegen, bis dahin lade ich alle zwei Wochen ein Bild meines Fortschritts hoch und möchte, dass ihr mich darauf festnagelt'. Dadurch hast du hunderte von Leuten, die dich auf deinen Vorsatz ansprechen und es ist für dich schwieriger, es nicht durchzuziehen."

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Wenn es nach eurem schlimmsten Albtraum klingt, auf Facebook dafür angegriffen zu werden, dass ihr nicht genug abgenommen hat, dann könnte das daran liegen, dass genau das ist: schrecklich. Sewra besteht allerdings darauf, dass es eine gute Option für Personen ist, die diesbezüglich nicht empfindlich sind.

Am Schluss bleibt die Erkenntnis: Wie bei so vielen Dingen im Leben geht es auch beim Erreichen unserer persönlichen Ziele um emotionale Ehrlichkeit, Unterstützung, Verantwortung und möglichst konkrete Benennung dessen, was man schaffen möchte. Viel Erfolg, auf dass wir bald alle glücklicher, gesünder und zufriedener mit uns selbst sind.


Titelfoto: Unsplash | Pexels | CC0

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