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Warum zur Hölle werden 'Spongebob’s Greatest Hits' auf Wikipedia als Deathcore beschrieben?

Wir hätten doch sicherlich bemerkt, wenn Spongebob und Patrick Star durchs Meer gemosht wären und Thaddäus einen Sidekick verpasst hätten, oder?
Fotos: imago | ZUMA Press ; imago | Cinema Publishers Collection

Spongebob Schwammkopf ist eine dieser Cartoon-Serien, die für Kinder harmlos lustig und für Erwachsene teils verstörend wirkt. (Wir erinnern uns mit Ekelschaudern an die Zehennagel-Szene.) Der gelbe Schwamm mit der Steve Urkel-Stimme saugt sich mit seiner naiven Dauerfröhlichkeit trotzdem in jedes Herz. Scheißegal, wie "schlimm" die Situation auch gerade ist, im Hintergrund dudeln immer fröhlich die Ukulelen und auch Spongebob schmettert immer ein nervtötendes Lied durch die Zahnlücke.

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Wer sich unterwegs das Hirn aufschwemmen lassen will, kann das seit 2009 durch die Greatest Hits tun. 25 Tracks lang wird der Kopf unter Wasser und in die Welt von Bikini Bottom gedrückt. Laut Wikipedia bieten die Songs feinsten Pop-Rock und Surf-Rock. Und Deathcore sowie Spongegrind oder sogar Blackened Spongegrind. Moment. Wir hätten doch sicherlich bemerkt, wenn Spongebob und Patrick Star fies grunzend durchs Meer gemosht wären und Thaddäus einen Sidekick verpasst hätten, oder?

Wer auch immer diese Genres in den Wikipedia-Beitrag geschmuggelt hat, er wird dabei höchstwahrscheinlich ein bestimmtes Video im Kopf gehabt haben: "Spongebob's Band - Knee Deep". Das ist ein Video von 2007, in welchem "Knee Deep" von Job For A Cowboy perfekt auf Konzert-Szenen von Spongebob gelegt wurde. Dadurch trifft die quietschbunte Cartoon-Welt zielgenau auf unbarmherziges Gekeife und wütende Blasts – natürlich in feinster 240p-Auflösung. Der Song stammt noch von Job For A Cowboys Doom-EP von 2005. Schon zwei Jahre später brachten die Metaler ihr Debüt raus und waren plötzlich eine der wichtigsten Fahnenschwinger eines neuen Metal-Hypes: Deathcore.

Denn 2006 und 2007 sind genau die Jahre, in denen eine Handvoll Bands mit ihren frisch veröffentlichten Alben den bisher so erfolgreichen Metalcore komplett wegrotzten. Egal, ob Whitechapel, Suicide Silence, Carnifex, All Shall Perish oder Bring Me The Horizon: Plötzlich war Deathcore der Sound einer ganzen Szene und die Emocore- und Metal-Welt wurde komplett über den Haufen gegrunzt, geschrien, geprügelt.

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Damals hingen noch alle auf MySpace rum und keiner konnte mit der Bezeichnung "Meme" etwas anfangen. Trotzdem entwickelten sich in dieser Zeit zahlreiche Szene-Gags – wie zum Beispiel die bescheuerten Beschreibungen für typische oder besonders absurde Mosh-Moves ("Picking-up Pennies") oder die Scene-Kid-Klischee-Bilder. Doch wenig ist so legendär wie Spongebobs Band, die feinsten Deathcore rausballert. Immerhin hat dieses Video ein ganzes Meme begründet – ohne dafür überhaupt gewürdigt zu werden.


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Laut knowyourmeme.com wurden unter "SpongeBob Sings" verschiedene Songs auf Spongebob-Szenen gelegt. Startschuss war dafür ein Video, in dem das jemand recht faul Spongebob Eifel65s "Blue" singen lassen hat. Diese lieblose Version wurde allerdings erst nach dem Job For A Cowboy-Juwel hochgeladen. Zum Glück ist der Eintrag noch nicht final. Wird Zeit, dass Deathcore endlich auch in die Ruhmeshalle der frühen YouTube-Memes einzieht.

Was wir aus der ganzen Geschichte lernen? Auf den Greatest Hits fehlt leider "Knee Deep", der unbekannte Wikipedia-Autor ist ein Deathcore-Fan und wir sollten dringend mal wieder die alten Platten ausgraben. Und jetzt alle: Breeeeee!

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