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Anfängerfehler, die wir alle schon an der Street Parade begangen haben

Als fachmännische Street-Parade-Veteranen haben wir unsere Fehler gesammelt, die du nicht begehen solltest. Kurz: So überlebst du diesen Rave.
26.7.17
Foto: Dominik Meier

Techno in Zürich ist jetzt offiziell Kulturgut. Doch bis es dazu wurde, mussten so einige Raves stattfinden und einer davon zum Millionenanlass werden. Und auch die Kunst des Ravens selbst muss gelernt sein. Jeder hat sich wohl an der Street Parade seine Sporen verdient und Fehler begangen. Heute wollen wir mit dir dieses Wissen teilen – oder dich auch etwas an deine ersten Gehversuche am Seebecken erinnern. Deshalb: Lass einen Moment alles Andere liegen und konzentriere dich auf die Instruktionen der Fachleute. Das ganze Konzept wurde unter Beachtung von eigenen Erlebnissen erstellt, ist idiotensicher und Street-Parade-proof.

Nur berauschende Gebräue trinken

Saufen muss wie Raven gelernt sein. Foto: Dominik Meier.

Eine der besten Sachen an der Street Parade kann dir auch mal zum Verhängnis werden: Zwölf Stunden raven ist toll – dabei ständig Alk in dich hineinzukippen, kann dir schnell zum Verhängnis werden. Spätestens wenn du nach der ersten Flasche Wodka, die du bei 30 Grad in praller Sonne im Schlepptau eines Love Mobiles gekillt hast, kotzend in einer Seitengasse endest, ist die Street Parade für dich gelaufen. Deine Blödheit wird dir dann spätestens bewusst, wenn du früher in der S12 zurück in dein Heimatdorf sitzt, als dir lieb ist – mit all den anderen Trotteln, die besser im Saufen als im Raven waren.

Schuhe anziehen, die du eigentlich noch tragen möchtest

Warst du jemals im Exil feiern? Kannst du dich an den klebrigen Boden der Tanzfläche erinnern? Jetzt nimm diesen Boden und multipliziere das mal einhundert. Dann hast du die Konditionen der Strassen an der Streetparade. Die Street Parade ist nicht mehr nur eine Techno-Fasnacht, sondern auch zu einer Art Laufsteg geworden und dort will sich jeder von der coolsten Seite präsentieren. Also ziehst du deine neuen liebsten Vans an, um dein Outfit zu perfektionieren. Toll ist es dann, wenn du mit den neuen Schuhen durch den knöchelhohen Müll watest – plus kannst du noch das Glück haben, dass es regnet. Heisst: Die Müllsuppe wird durch ganz Zürich gespült, damit sich die Schuhe auch richtig damit vollsaugen können. Und vor der Bühne beim Opernhaus herrscht eine einzige Schlammschlacht. Irgendwann erkennst du nicht einmal mehr, dass es Sneakers waren. Nach verzweifelten Putz Versuchen finden sich die Schuhe dann im Müll wieder. Komplett auf Schuhe verzichten, ist übrigens eine genauso bescheuerte Idee: Ein Street-Parade-Ausflug kann auch mal für die gesamte Clique im Sanitätszelt enden. Beim zuschauen, wie einer Freundin der Fuss genäht wird.

Einschlafen

Wenn du keine wachhaltenden Substanzen an der Street Parade zu dir nimmst, kann es sein, dass dich die Kombi aus Tanzen, Sonne und Alkohol schläfrig macht. Vor allem, wenn es gegen den Abend geht und du dir dein wohlverdientes, möglichst ungesundes und völlig überteuertes Essen von einem Foodstand erbeutest. Spätestens wenn du in einer Seitengasse sitzt und deine erjagte Beute verzehrst, ist das Risiko zum einschlafen sehr hoch. Angelehnt an die Schulter deines Freundes, machst du ein verdientes Nickerchen. Wenn du wieder aufwachst, ist dein Freund zwar noch da, aber neben dir hockt ein fremder Typ. Wahrscheinlich hast du noch nie im Leben jemanden so sehr mahlen sehen wie diese Person und das erste, was du gefragt wirst, als er merkt, dass du wach bist, ist: "Willst du Coci?" Wenn dir dann dein Glück treu bleibt, wirst du den Typen den ganzen Abend nicht mehr los, bis du dich in einer Menschenmasse unauffällig aus dem Staub machst.



Nach 16:00 Uhr am HB sein

Die Hinfahrt zwischen den verkleideten Halbstarken und den Möchtegern-Kardashians zur Street Parade zehrt ja bereits an den Nerven. Was noch eine dümmere Idee ist, als sich am HB zu treffen – da man dort eh nur nach Drogen gefilzt oder angelallt wird und seine Freunde sowieso nicht findet: sich allgemein nach 16:00 Uhr am Hauptbahnhof aufhalten. Neben den frühzeitigen Alkoholleichen, die sich in der Haupthalle ausbreiten, ist der Bahnhof von oben bis unten mit Menschen gefüllt. Zu den Massen der Street Parade kommen dann noch Pendler und Senioren-Wandergruppen dazu. Diese Kombination und das Gedränge kannst du dir echt sparen, ausser du steht auf Tokio-U-Bahn-Feeling gemischt mit dem üblen Geruch von Kotze und ausgeschüttetem roten Wodka.

Die Sonnencreme zu Hause lassen

So zuverlässig wie Petrus für gutes Wetter an der Street Parade sorgt, so zuverlässig verwandeln sich die slutty Krankenschwestern im Verlauf des Tages immer mehr zu Hummern – ob's an der Sonne oder anderen Substanzen liegt, sei offen gelassen. Wenn du zu den Experten gehörst, die egal wie früh du dich bereit gemacht hast, immer auf den Zug rennen müssen, kennst du das Problem. Erst im Zug, nach einem rekordverdächtigen Sprint, fällt dir auf, dass du die Sonnencreme Zuhause vergessen hast. Und auf deine Freunde ist natürlich auch nicht Verlass. Natürlich hat niemand Sonnenschutz dabei. Und durch die tagelange Street-Parade-Vorbereitung in dunklen, schmierigen Clubs gehörst du zum Hauttyp Kellerkind – heisst nicht sehr sonnentauglich. Du kannst dir vorstellen, was jetzt kommt: Jeder Supermarkt in der Stadt war völlig vollgestopft, keine Chance, dass du dort anstehst. Wird dann schon irgendwie gehen, denkt man sich dann. So hat deine Haut nach ein paar Stunden raven einen echt interessanten Ton angenommen. Nennen wir es mal Tomatenrot, die Bilanz des Institutes für Hautkrebs wird sich freuen. Wenn du dann noch eine Sonnenallergie besitzst, gesellt sich zur Rötung und dem obligatorischen Sonnenstich auch noch gerne ein Ausschlag dazu – sieht sehr heiss aus. Aus Afterparty wird so nichts mehr und auch die nächsten paar Tage wirst du leiden. Zuhause angekommen, kommt dann auch noch die Standartstandpauke von Mutti wegen Hautkrebs zu dem ganzen Schlamassel hinzu.

Über die Quaibrücke laufen

Platzangst nicht von Vorteil. Foto: Street Parade

An der Street Parade über die Quaibrücke zu laufen, heisst in eine Menschenmasse zu geraten und erst nach ein paar Stunden irgendwie irgendwo wieder ausgespuckt zu werden. In diesen paar Stunden bist du zwischen tausenden betrunkenen halbnackten Vollidioten eingeklemmt. Da sind fremder Schweiss, Rempeleien, Alkoholduschen und hoffentlich aus Versehen passierende Po-Grabscher inkludiert. Wenn du dann noch Glück hast, wird dir in der Menschenmasse noch das Portmonee geklaut. Das kannst du dir dann übrigens ein paar Stunden später leer aus dem Müll am Strassengraben fischen.

Fremden Leuten sinneserweiternde Substanzen abkaufen

Endeffekt von zu viel Spass. Foto: Dominik Meier

Jetzt mal ehrlich: Kaum einer von uns ist heilig und ja, Drogen gehören wie Techno zur Street Parade – ohne wäre es für viele nicht das Gleiche. Wer nichts dabei und auch keinen befreundeten Dealer zur Stelle hat, greift auf Drittanbieter zurück. Das Risiko: einem Fremden überteuertes Zeug abzukaufen, was möglicherweise mit unbekannten Substanzen gestreckt ist. Wenn du dann später am Tag voller Vorfreude einen 20er zusamenrollst und eine Line ziehst, hast du vielleicht das Glück, dass du dir ziemlich teures Backpulver geleistet haben. Backpulver ist immerhin besser und gesünder als Rattengift. Denn wenn man das erwischt, geht der nächste Trip ins Spital.

Vergessen nach Hause zu gehen

Du lachst jetzt, doch das ist schneller passiert als gedacht und auf einmal stehst du bei Sonnenaufgang zwischen Kotze und Alkoholleichen auf der Langstrasse, vor dem Gonzo – richtig poetisch. Doch einmal im Jahr kannst du dir das leisten, erst am nächsten Mittag, richtig wasted und ohne schlechtes Gewissen zu Hause anzukommen. Das gehört doch zu einem richtigem Rave dazu? Trotzdem solltest du irgendwann den Nachhauseweg finden und nicht wie ein Obdachloser das Wochenende in Zürich, fremden WGs und der Ausnüchterungszelle verbringen. Es kann aber auch durchaus lustig sein, da du echt viele Leute kennenlernst und das Polizeirevier selten von so nahe siehst, wie wenn du jemanden aus der Zelle abholst. Wenn du dann schlussendlich doch noch Zuhause ankommst, fühlst du dich echt wasted und dreckig – auch ohne Sex gibt es einen Walk of Shame. Und es ist selten so verschmutztes Wasser in den Duschabfluss geflossen, wie während der Generalreinigung nach der Street Parade.

Überhaupt an die Streetparade gehen

Slutty Polizistin im Borat-Kostüm. Foto: Dominik Meyer

In den letzten paar Jahren wurde es wirklich fragwürdig, an die Street Parade zu gehen. Was hatte das ganze noch mit Techno zu tun? Der ganze EDM-Hype verdrängte den guten alten Techno und das Publikum verschmolz immer mehr zur slutty Polizistin im Borat-Kostüm. Es ging nicht mehr um guten Sound, sondern um schlechte Sommerhits, bei denen du gemütlich deinen Dosen-Hugo trinken konntest. Der Wendepunkt kommt hoffentlich dieses Jahr, da die Organisation der Street Parade beschlossen hat, alle EDM-Acts aus dem Line-Up zu schmeissen und nur noch richtigen Techno auflegen zu lassen – an diesem Punkt ein riesen Danke an euch. Nun ist es keine Schande mehr, an die Street Parade zu gehen, sondern eine Freude. Wir sehen uns auf dem Love Mobile vom Klaus oder beim Bürkliplatz.



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